Vancouver

Nach einem nicht so ganz ruhigen, rund dreistündigen Flug kamen wir am frühen Nachmittag in Vancouver an und konnten wieder unsere Uhren um drei Stunden nach hinten stellen, wir hatten also wieder drei Stunden gewonnen, prima. Wir fuhren mit dem Zug, der in der Nähe des Terminals abfährt, in die Stadt bis zur Station "City Centre", von wo aus wir noch ca. 10 Minuten bis zu unserem Hotel Sandman liefen. Hier waren wir erfreulicherweise mal wieder in einem 4 Sterne Hotel untergebracht. Nach den letzten Motels und dem Desaster Hotel in Toronto freuten wir uns über so viel Luxus, über ein super bequemes Bett, ein modernes Bad und ein kleines, aber schickes Zimmer. Wir luden unsere Rucksäcke ab und machten uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wir nahmen die U-Bahn bis zur Station "Waterfront" und genossen dort das herrliche sonnige Wetter und den phänomenalen Ausblick auf Berge, Meer und die ständig startenden Wasserflugzeuge. Wir aßen in einem Restaurant draußen im Freien und beobachteten die Wasserflugzeuge. Das Essen war hervorragend, wie bisher fast überall in Kanada. Vor allem Fisch kann man hier sehr gut und sehr frisch essen. Ich hatte eine Seafood Chowder mit Hummerstücken, Muscheln, verschiedenen Fischstücken und Scampi. Michael hatte einen super frischen Lachs, den man hier auch überall in fast gleich guter Qualität bekommt. Für Fischliebhaber ist Kanada in den Küstenregionen echt ein Highlight! Danach spazierten wir an der gesamten Waterfront entlang. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie schön es hier war. Zum einen verzauberte uns das Berge-Meer-Panorama, zum anderen befanden sich an der Waterfront sehr moderne, schicke Wolkenkratzer, Parks und Grünflächen, ein wunderschöner Yachthafen und nette Bistros und Restaurants. Man musste lediglich aufpassen, dass man vor lauter in-der-Gegend-herumschauen nicht gerade auf den Radweg spazierte und dort von einem militanten und rasenden Radfahrer umgefahren wurde - tags darauf gehörten wir dann übrigens auch zu diesen Rasern ;-). Wir machten etliche Fotos und waren von den Wasserflugzeugen so fasziniert, dass wir gleich einen Rundflug für den nächsten Tag buchten. Wir waren beide noch nie in einem Wasserflugzeug geflogen und wollten das unbedingt ausprobieren, also warum nicht, zumal es noch erschwinglich war?! Wir genossen weiterhin das schöne Wetter und machten uns irgendwann auf den Rückweg ins Hotel, wo wir lediglich noch ein paar Noriblätterchips (wusste gar nicht, dass es sowas gibt) und frisches mariniertes Thunfischtartar mit Avocado als Abendsnack aßen. Am nächsten Tag frühstückten wir im Hotel Restaurant. Das Frühstück ist normalerweise in den Hotels nicht inbegriffen und auch nicht alle Hotels haben ein Restaurant. Hier gab es aber eines und da das Frühstück nicht inbegriffen war, war es zwar teuer, aber dafür lecker. So, danach musste nun Bewegung her! Wir beschlossen, die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, da dies in Toronto schon so prima geklappt hatte. Aber hier in Vancouver musste man sich erst online einen Account anlegen, um ein Leihfarrad aus dem Schloss "auslösen" zu können. Das hatten wir nicht gewusst und da wir auch keinen Laden mit free wifi in der Nähe fanden, wo wir schnell einen Account hätten anlegen können, liehen wir uns zwei Räder in einem Fahrradshop aus. Wir radelten auf den überall in der Stadt vorhandenen und gut ausgeschilderten Radwegen erst zur Waterfront und von dort in den Stanley Park, der laut Wikipedia mit 404,9 Hektar der größte Stadtpark Kanadas und der drittgrößte Park Nordamerikas ist. Es war herrlich, in der Sonne zu radeln und den schönen Park zu genießen. Es führte ein Radweg um den ganzen Park herum und führte an Totempfählen, Leuchttürmen, unter Brücken und an verschiedenen kleineren Stränden vorbei. Am "third beach" hielten wir an und legten uns kurz in die Sonne, bevor wir weiter zum "second beach" und zum "sunset beach" fuhren. An einer Strandbar legten wir eine kurze Pause ein, bevor wir quer über den Hügel - Vancouver ist durchzogen von hügeligen Straßen und erinnert etwas an San Francisco - zur Waterfront und dem Wasserflughafen radelten. Dort angekommen, checkten wir unseren Flug ein und warteten auf den Abflug. Als Boardingkarte erhält man eine Plastikkarte, die man am Gate, einer vergitterten Tür an einem Bootssteg, der zu den Flugzeugen führt, einer netten Dame wieder in die Hand drückt. Wir wurden persönlich von unserem Piloten begrüßt und folgten ihm zum Flugzeug. Als wir in das Flugzeug einstiegen, trauten wir unseren Augen nicht, wie klein es tatsächlich im Innern war. Die Bank, auf der wir beide saßen, reichte gerade so für uns beide aus...ok, wir haben ein bisschen zugenommen, aber auch sehr schlanke Menschen hätten gerade so darauf gepasst. Außerdem kann man nur gebückt in dem Flugzeug gehen. Der Pilot verstaute im Heck unsere Taschen und setzte sich dann ans Steuer neben seinen Copiloten. Als Sicherheitseinweisung gab es ein kurzes Video auf einem iPad und dann ging es auch schon los. Der Start auf dem Wasser fühlte sich fast genauso wie ein normaler Start auf einer Startbahn an. Wir stiegen langsam auf und konnten das Panorama der Skyline Vancouvers genießen. Es war wunderschön. Erst flogen wir eine große Schleife über die Stadt und dann ging es in die Berge, wo wir an Berggipfeln vorbei und über grünen Seen hinüber flogen. Allerdings gab es hier in den Bergen einige Luftlöcher und unser kleines Flugzeug machte einen Satz nach dem anderen und wir wurden ein paar Mal richtig durchgeschüttelt. Ich krallte mich jedes Mal in die Vordersitze und schloss die Augen. Oh Mann, ich werde das Fliegen niemals wirklich mögen! Aber dennoch versuchte ich zwischendurch die Landschaft zu genießen und schoss viele Fotos, da es wirklich ein atemberaubender Ausblick war. Als wir nach 25 Minuten wieder Kurs auf die Stadt nahmen, war ich allerdings schon ein wenig erleichtert. Die Landung war leider auch nicht so anders, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gehofft, dass man die Wellen ein wenig mehr spürt, was aber nicht der Fall war. Dennoch war der gesamte Flug ein einmaliges Erlebnis, was ich wirklich nur empfehlen kann und jederzeit wieder machen würde - trotz Luftlöchern. Gleich nach der Landung fragte ich den Piloten, ob es immer so "bumpy" sei, woraufhin er herzlich lachte und mich fragte, ob das für mich schon "bumpy" gewesen sei. Ich nickte heftig. Daraufhin meinte er, dass ich mal im Winter mitfliegen solle, da würde ich dann schon sehen, was "bumpy" wirklich sei. Heute sei ein sehr ruhiger Flug gewesen. Ach du Schreck - merke: niemals im Winter in den Bergen mit einem kleinen Flugzeug fliegen! Nach unserem Flug brauchte ich erstmal ein Bier, um meine Nerven zu beruhigen. Danach schnappten wir uns wieder unsere Drahtesel und radelten Richtung Yachthafen, wo wir an luxuriösen Appartementhäusern und Yachten vorbei radelten. Um 20 Uhr gaben wir dann auf der anderen Seite des Hügels unsere Räder wieder ab und spazierten Richtung Hotel. In einer Seitenstraße fanden wir ein nettes Restaurant und Pub, wo wir zu Abend aßen. Woran man sich in Kanada echt gewöhnen muss, sind die Unmengen an Fernsehern, die es in allen Pubs gibt und auf denen vornehmlich Sportübertragungen wie Football und Baseball gezeigt werden. Man muss sich manchmal schon darauf konzentrieren, nicht ständig dorthin zu schauen. Was ich allerdings super finde, ist, dass man immer kostenlos Wasser bekommt, auch wenn es nur Leitungswasser ist. Wenn man mal keines bekommt, fragt man kurz danach und schon steht das Glas vor der Nase. Ähnlich wie beim morgendlichen Kaffee bekommt man soviel Wasser, wie man möchte. Am nächsten Tag beschlossen wir, die Stadt zu Fuß und mit U-Bahn zu erkunden. Aber zunächst steuerten wir die Shopping Mall in der City an, da ich in Toronto meine Jacke verloren hatte und nun eine neue Jacke brauchte. Wir wurden schließlich bei GAP fündig. Danach gönnte ich mir in einem Chinesen-Walk-In-Spa eine Pediküre. Während der 45minütigen Behandlung wurde ich auf einem Massagesitz schön weich geknetet. Herrlich! Danach spazierten wir in Richtung Gastown, einem bekannten und auch recht touristischen Stadtviertel in Vancouver, das vor allem aufgrund der berühmten dampfbetriebenen Standuhr, die zu jeder viertel Stunde laut hupt, jede Menge Besucher anlockt. Aber auch die schönen Straßencafés runden das gemütliche und einladende Bild dieses Viertels ab. Ein paar Straßen davor und dahinter findet man allerdings wahnsinnig viele arme und auf der Straße lebende Menschen. Manche von ihnen scheinen völlig verwirrt zu sein. In keiner anderen Stadt sind uns die Gegensätze von luxuriösen Appartements und Autos und offensichtlich sehr wohlhabenden Menschen und auf der anderen Seite völlig verwahrlosten und bettelarmen Menschen so krass aufgefallen wie in Vancouver. Man konnte gar nicht so viel Geld an allen Ecken geben, wie es hilfsbedürftige Menschen dort gab. Nach Gastown fuhren wir mit der U-Bahn in Richtung Yachthafen, von wo wir den Aquabus, ein kleines Zubringerboot, das zwischen der Insel Granville Island und der City hin- und herpendelt, nach Granville Island nahmen. Es ging vorbei an vielen Yachten, aber auch an hübschen Hausbooten, die hier in Vancouver wohl sehr beliebt sind. Dies sind richtige Häuser, die wie ein Schiff schwimmen. Total hübsch! Auf Granville Island angekommen besuchten wir den die große Markthalle, die wie ein riesiges Schlaraffenland aussah. Wir waren völlig geplättet ob der ganzen Stände, die Obst in skurrilen Formen inszeniert hatten, Fischspezialitäten wie in Ahornsirup marinierten geräucherten Lachs, zigfache erlesene Kaffeesorten, traumhafte Blumen, unglaubliche Pralinen und Backwaren und allerlei weitere bekannte und unbekannte Köstlichkeiten mehr anboten. Neben der Markthalle gab es auch noch viele kleine Boutiquen, Hutläden, Galerien und Fischhändler. Bei einem Fischhändler gab es 10 verschiedene Sorten an Austern. Unglaublich! Wir aßen schließlich in dem Restaurant "The Sandbar" frische Austern und frischen Fisch als Abendessen, und das zu vergleichsweise vernünftigen Preisen, obwohl jegliches Essen ansonsten in ganz Kanada bisher sehr teuer war. Normalerweise gaben wir abends, wenn wir nur je einen Burger ohne Vor- und Nachspeise aßen und jeder ein Bier trank, im Schnitt 60 CAD plus Tax und Tip aus. Was am Anfang für uns sehr missverständlich war, war die Tatsache, dass alle angegebenen Preise immer nur netto Preise sind. Erst zum Schluss kommt auf den Rechnungsbetrag noch die Steuer und das Trinkgeld von min. 15 % on Top. Nach dem Essen fuhren wir mit Aquabus und U-Bahn wieder zurück und liefen ins Hotel. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns startklar für den nächsten Tag, an dem es mit einem neuen Mietwagen in Richtung Tofino auf Vancouver Island gehen würde. Glücklicherweise verließen wir Vancouver, kurz bevor es hier wieder regnete, was in Vancouver wohl sehr, sehr häufig vorkommt. Insofern waren wir dankbar für zwei wundervolle sonnige Tage hier. Aber nun freuten wir uns schon wieder auf unser nächtes Ziel... Viele weitere Bilder zu Vancouver findet ihr in der Galerie 🙂

Toronto: Ein weiteres Wiedersehen

Die Fahrt nach Toronto dauerte gar nicht so lange, wie wir ursprünglich befürchtet hatten, da wir die meiste Zeit auf dem Highway fahren konnten. Wir fuhren lediglich kurz vor Kingston ab, um uns die "1000 Islands" anzusehen, eine Inselgruppe von vielen kleinen, teilweise bewohnten Inseln, die man nur mit einer Fähre erreichen kann. Aus Zeitgründen schauten wir uns eine der Inseln nur aus der Ferne an und bewunderten die ganzen kleinen Cottages, die jeweils einen wunderschönen Blick auf den See und die Inseln hatten. In Kingston machten wir eine kleine Mittagspause, bevor es wieder zurück auf den Highway Richtung Toronto ging. Wir kamen gegen 17 Uhr in Toronto an und checkten in unser Holiday Inn Express Hotel auf der Lombard Street ein. Unser Nichtraucherzimmer stank nach Rauch, aber wir wollten erst mal in die Stadt gehen, bevor wir eventuell einen Zimmerwechsel vornahmen. Mit einem virtuellen und einem normalen Stadtplan bewaffnet liefen wir in Richtung Hafen und Fährenterminals. Da wir nur zwei Übernachtungen in Toronto hatten, wollten wir so viel wie möglich unternehmen und planten daher für den Abend eine Sunset Cruise mit einem Schiff vorbei an der Skyline von Toronto. Als erstes fiel uns an der wunderschönen Promenade am Hafen mit einem grandiosen Blick auf die gegenüber liegende Centre Island eine große Ansammlung von Menschen auf, die statt den wundervollen Blick zu genießen, gebannt auf ihr Handy starrten - aha, wir waren mitten in einer Pokemon Jagdarea gelandet. Schnell weiter! Am Schiffsterminal kauften wir unsere Fahrkarten und überbrückten die Wartezeit mit Fotos vom CN Tower, der genau vor uns zwischen zwei Wolkenkratzern empor ragte und natürlich einem biever tail Nr. 8 :-). Gegen 20 Uhr konnten wir endlich aufs Schiff. Wir wurden von einer jungen Kapitänin über den Ontario See geschippert und erhielten von ihrem Co-Kapitän interessante Erläuterungen über die Stadt. Auf dem Centre Island direkt gegenüber von Toronto liegt der kleinste Flughafen der Welt, auf dem nur Propellerflugzeuge und ganz kleine Jets landen können. Vor einigen Jahren gab es tatsächlich einen Zusammenstoß mit einem Militärflugzeug und einer Fähre. Das Flugzeug sank auf den Grund des Sees, wo es noch heute liegt. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Stadt Toronto hat ca. 2,5 Mio. Einwohner und hieß ganz früher "York". In Toronto selbst gibt es einen Yachthafen, in dem die monatliche (!) Mitgliedschaft 30.000 CAD kostet! Auf der Insel Centre Island gibt auch mehrere Marinas. In einer dieser Marinas liegen einige Hausboote, die ihren Eignern als ganzjährige Unterkunft dienen. Diese Schiffe verfügen über einen sog. Bubbler, der im Winter das Wasser um das Boot herum mit warmen Luftblasen eisfrei hält, so dass das Schiff nicht zu Schaden kommt. Das sog. billigste Hotel der Stadt ist eine Anlegerzone auf der Centre Island, wo der Liegeplatz mit Strom und Frischwasser nur ca. 8 CAD pro Nacht kostet - allerdings braucht man dafür natürlich ein Schiff! Die Bootstour war wunderschön! Langsam ging die Sonne unter und der Himmel färbte sich in den verschiedenen rosa, orange und violett Farben und leuchtete die Skyline der Stadt an. Als es später dunkel wurde, wurde die Stadt von den vielen Lichtern in den Wolkenkratzern erleuchtet. Es sah atemberaubend aus und wir konnten nicht aufhören, Fotos zu schießen und den Anblick zu genießen. Nach der Tour fuhren wir mit dem Taxi zurück ins Hotel, zogen uns um und marschierten wieder los, um ein Restaurant zu finden. Der Typ and der Rezeption hatte uns die Wellington Street empfohlen, dort seien viele Restaurants. Da wir um ca. 21.30 Uhr aber wohl für kanadische Verhältnisse zu spät dran waren (die Küchen der Restaurants schließen oft um 21.30 Uhr), landeten wir in einem Irish Pub, in dem die Küche noch geöffnet war und aßen dort. Was Spanier hier wohl machen?! Aber bisher sahen wir auch wenig Spanier in Kanada. Dafür gibt es Unmengen an deutschen Touristen. Ständig waren im Hotel morgens beim Frühstück oder auch abends in beliebigen Restaurants Deutsche um uns herum. Wir scheinen ein sehr reiselustiges Völkchen zu sein, das außer Mallorca wohl auch gerne ferne Länder besucht. Schon auf unserer Weltreise trafen wir unheimlich viele Deutsche in Neuseeland und Australien. Als wir später ins Hotel zurück kamen, herrschte im Nachbarzimmer ein übler und vor allem extrem lauter Streit zwischen einem Paar. Zusammen mit dem Geruch im Zimmer war das nicht auszuhalten. Also fragten wir an der Rezeption nach einem neuen Zimmer und zogen schließlich vom 10. in den 3. Stock um, was letztlich keine bessere Wahl war, da wir nun den Verkehr mehr als deutlich hörten. Also hieß es für mich wieder, die Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren zu drücken. Michael konnte wie immer super schlafen. Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour zu den Niagara Fällen gebucht. Für ca. 75 CAD pro Person hatten wir einen traumhaften Tag. Wir fuhren ca. 1,5 Stunden bis wir an einem Weingut in dem Ort Niagara on the Lake ankamen und dort ein Weintasting hatten. Interessanterweise probierten wir neben einem weißen Eiswein auch einen roten bzw. rosé Eiswein. Ich wusste bisher gar nicht, dass es einen rosé Eiswein gibt. Er schmeckte interessant, aber Eiswein gehört generell nicht zu unseren Lieblingsweinen. Anschließend fuhren wir in den Ort Niagara on the Lake hinein und hatten dort eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Zeit reichte gerade, um die hübschen, mit sehr vielen bunten Blumen geschmückten Straßen des kleinen bezaubernden Ortes entlang zu laufen und sich die hübschen Häuser und kleinen Geschäfte anzuschauen. Danach zeigte uns unsere Fahrerin noch ein paar wundervolle Straßen und Wohngegenden in dem Ort, die teilweise direkt an dem unglaublich riesigen Ontario See liegen und den Bewohnern einen traumhaften Blick auf den See bieten. Weiter ging es durch den Niagara National Park vorbei an einigen Weingütern bis wir schließlich an den Niagara Fällen ankamen und uns kurz danach schon mit lustigen pinkfarbenen Regenponchos ausgestattet auf dem Schiff befanden, das bis kurz vor die Wasserfälle fuhr. Die Tour dauert etwa 15 bis 20 Minuten und den größten Teil verbringt man in den Nebel- und Wasserschwaden der Wasserfälle auf der kanadischen Seite. Die Wasserfälle liegen zu einem Teil auf der amerikanischen Seite und zu einem anderen Teil in Kanada. Hier die Amerikanische Seite: Und die Kanadische: Und beide zusammen: Kurz vor den Wasserfällen stoppte das Boot und wir befanden uns ca. 10 Minuten in dichtem Wassernebel, so dass Gesicht und die Haare komplett nass waren, als wir zurückkehrten. Auch unsere wasserdichte Kamera war binnen Sekunden wieder mit Wasser bedeckt, so dass es wirklich schwierig war, ein vernünftiges Foto zu machen. Aber es war sehr lustig. Danach vertrödelten wir die Zeit noch an der Promenade neben den Wasserfällen, wo wir noch einige Fotos machten, und gingen danach in die Stadt Niagara Falls. Michael hatte mir vorher schon erzählt, dass es dort wie in Las Vegas aussähe, aber wirklich glauben konnte ich es erst, als ich es tatsächlich selbst sah. Dies war ein extremer Kontrast zu den schönen Wasserfällen. Spielhöllen, Leuchtreklamen, Vergnügungsparks und Geisterbahnen nebeneinander, gespickt von etlichen Fastfood Ketten. Naja, wer's mag...wir jedenfalls nicht. Dazu aßen wir auch noch bei einem ziemlich schlechten Inder, was das Bild leider nach unten hin abrundete. Aber der Tag an sich war traumhaft gewesen, so dass das in den Hintergrund trat. Zum Abschluss tranken wir noch ein Niagara Bier, das tatsächlich so heißt, da es dort gebraut wird. Überhaupt ist Kanada ein tolles Land für Bierliebhaber wie uns, da fast jeder Ort und jedes kleine Kaff eine eigene Brauerei, sog. micro breweries, besitzt. Herrlich! Und das Bier ist fast überall echt lecker! Michael ist verliebt in sein IPA (extrem hopfig und bitter) und ich trinke immer ein helles Lager oder Pilsener - also für jeden was dabei :-)! Und natürlich ein weiterer Figurkiller...liebe Heike, liebe Dominique, wenn ihr das lest, könnt ihr mir schon mal eine Rampe bauen, damit ich in mein Büro rollen kann :-))!!! Am nächsten Tag hatten wir uns mit Karen verabredet, die wir ebenfalls wie Nasser auf unserer Patagonien Tour kennengelernt hatten und die in Toronto lebt. Wir freuten uns darauf, auch sie nach so langer Zeit wiederzusehen. Wir hatten uns für den frühen Nachmittag an dem Fährterminal verabredet, um uns gemeinsam auf Fahrrädern die Centre Island auf der anderen Seite von Toronto anzusehen. Vorher versandten wir aber noch zwei Päckchen mit überflüssiger Kleidung. Es vergeht einfach keine Reise, auf der wir nicht irgendwelchen Kram nach Hause schicken müssen, da wir mal wieder zu viel mitgenommen haben und neue Errungenschaften den Platz in den Rucksäcken benötigen. Als wir wieder einigen Ballast losgeworden waren, dachte ich mir, dass man diesen neuen Platz doch gleich wieder mit etwas füllen könnte ;-). Also schauten wir uns die große Shopping Mall an, die direkt in der Stadt gelegen ist. Danach leihten wir uns zwei von den in der Stadt überall angebotenen Leihfahrrädern aus (auch hier kann man bequem mit Kreditkarte zahlen, wie eigentlich überall) und radelten quer durch Toronto Downtown, das durch die vielen Wolkenkratzern und edlen Bürogebäude besticht, bis zum Fährterminal, wo wir gleich auch Karen trafen. Wir nahmen die nächste Fähre und setzten auf dem Centre Island über, die wir mit unseren Rädern erkundeten. Es war ein toller sonniger Tag, so dass wir uns auch die ganzen Strände anschauen und auch in den Ontario See hüpfen konnten. Der See ist so groß, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen kann und man sich wie am Meer fühlt, nur dass man nach dem Baden kein Salz abduschen muss. Die Insel ist wunderschön und hat große schöne Strände, Bars, einen Vergnügungspark für Kinder, mehrere Marinas und ein hübsches Wohnviertel mit hübschen Häusern, die man für 99 Jahre pachten kann. Ein Erwerb ist nicht möglich und die Wartezeit beträgt jetzt schon mehr als zehn Jahre. Karen musste etwas früher weg, während wir noch etwas am Strand blieben. Irgendwann packten auch wir unsere Sachen und setzten mit der Fähre wieder zur City über. Wir radelten zurück ins Hotel und da wir kein Schloss für die Räder besaßen, nahmen wir sie kurzerhand mit in unser Zimmer. Ging nicht anders! Als wir umgezogen waren, radelten wir wieder Richtung Innenstadt. Wir wollten nun auf den CN Tower hoch und dort eventuell etwas essen, da wir mittlerweile am verhungern waren. Als wir dort ankamen, merkte ich zum einen, dass ich unterwegs meine Jacke verloren hatte (oh nein, nein, nein) und zum anderen war die Schlange am Eingang zum CN Tower so lang, dass wir sicherlich halb leblos vor Hunger am Boden gelegen hätten, wenn wir endlich an der Reihe gewesen wären. Also verzichteten wir zu Gunsten von baldigem Essen auf den CN Tower. Oh je, soweit war es schon gekommen...aber bei Hunger verstehen wir beide GAR keinen Spaß! Da muss innerhalb kürzester Zeit Essen her, sonst gibt es Krieg! Also stellten wir unsere Räder am nächsten Verleihort ab und gingen zum nächsten ansprechenden Restaurant, wo wir einen gemütlichen Abend verbrachten und uns später noch mit Karen trafen, die ein paar Meter weiter im Roger Center bei einem Baseball Spiel gewesen war. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir gerne mit gegangen. So ließen wir uns die Spielregeln und den Spielverlauf bei einem Drink erläutern. Nebenbei erwähnte Karen auch noch, dass ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt wohl die gefährlichere Gegend von Toronto beginnt. Ooohh!! Gut, dass wir uns bisher nicht verlaufen hatten. Das Hotel hätten wir aber auch trotzdem nicht mehr gebucht oder weiter empfohlen. Die Zimmer waren völlig abgenutzt, die anderen Gäste waren teilweise echt merkwürdig und für das tägliche Styroporfrühstück musste man in der Schlange stehen! Definitiv never again! Definitiv aber Toronto again! Die Stadt und die Möglichkeiten vor Ort haben uns sehr gut gefallen. Außerdem müssen wir natürlich noch auf den CN Tower..., d. h. wiederkommen ;-). Nun hieß es für uns aber erstmal auf zum nächsten Spot...let's fly to Vancouver, jippiii!! Wie immer gibt es noch mehr Bilder in der Toronto-Galerie 🙂

Ottawa: Besuch bei Freunden

Der beste Ehemann der Welt war morgens schon früh aufgestanden und hatte Frühstück in Form von Madleines besorgt. Wir tranken noch gemütlich einen Kaffee, Smoothie und einen grünen Tee, telefonierten mit Nasser wegen unserer geplanten Ankunft und machten uns dann langsam auf den Weg nach Ottawa. Wir suchten online noch nach ein paar Shops, wo wir für Yvonne, Nassers Frau, und für Nasser noch ein paar Kleinigkeiten besorgen wollten. Ich wollte unbedingt Blumen für Yvonne und für Nasser noch eine Flasche Champagner kaufen, da wir ihm dies auch als frühes Geburtstagsgeschenk überreichen wollten, da er kurz nach unserer geplanten Abreise Geburtstag hatte, den wir aber leider nicht mehr mit ihm feiern konnten. Ansonsten hatten wir noch die Flasche Rotwein, die den Flug überlebt hatte. Für die drei Jungs im Alter zwischen 12 und 16 Jahren hatten wir leider nichts, aber ich hatte Nasser vorher extra nochmal gefragt und ihm war selbst nichts eingefallen. Michael hatte Nasser gesagt, dass wir gegen 10.30 Uhr los fahren wollten und dann gegen 13 Uhr bei ihm sein müssten. Da ich aber irgendwie nicht fertig wurde und auch noch ein paar Sachen versenden wollte - wir hatten nämlich dieses Mal keine kanadische SIM-Karte, sondern nutzten immer dort free wifi, wo es verfügbar war, was eigentlich in jedem Hotel, Restaurant, Bar, Shopping Mall, manchen Taxis und auch an den Raststätten auf dem Highway der Fall war -, wurde Michael langsam sauer. Na gut, ich beeilte mich ein wenig. Wir klapperten in Montreal die vorher recherchierten Geschäfte ab, wurden aber leider nicht fündig, sondern gurkten stattdessen in dem von Baustellen übersäten Montreal herum und brachten unser Navi zur Verzweiflung, da wir ständig die vorgegebene Route ändern mussten, weil wir wieder vor einer "route barree", also einer gesperrten Straße, standen. Es war zum Haare raufen! Irgendwann waren wir so genervt, dass wir beschlossen, endlich auf den Highway zu fahren und unterwegs ein Geschäft zu suchen. Nachdem ich mich dann einmal auf dem Highway kurz verfahren hatte, schafften wir es endlich in Richtung Ottawa zu fahren. Nach einer halben Stunde sahen wir Schilder eines Shoppingcenters und nahmen kurzerhand die nächste Ausfahrt. Dort würden wir sicher etwas finden. Nach ein paar Abbiegungen standen wir vor einer riesigen Shoppingmall - schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten und "nur" ein paar Kleinigkeiten suchten. Als wir hinein gingen, standen wir auch schon gleich in einem Liquor Store (SAQ). In Kanada, ähnlich wie in den USA, Neuseeland und Australien, gibt es sämtliche alkoholischen Getränke, außer Bier, nur in diesen Liquor Stores. Wir kauften eine Flasche Champagner und fragten an der Kasse nach einem Blumenladen in der Mall. Leider wurde uns gesagt, dass es mal einen Blumenladen gegenüber gegeben habe. Dieser habe aber vor einem halben Jahr geschlossen. So ein Mist! Hier musste es aber doch noch einen zweiten Blumenladen geben. Also fragten wir an der Information nach. Auch hier hieß es jedoch, dass es keinen gebe. Blumen waren wohl nicht so gefragt in Kanada. Gegenüber der Mall sollte es noch einen Laden geben. Na gut, das war nicht weit. Da ich nun doch etwas gefrustet ob des nicht zu findenden Blumenladens war, musste ich mich "entfrusten", indem ich noch kurz bei "ALDO", einem sehr schönen Schuhgeschäft, vorbei schaute und innerhalb von fünf Minuten ein paar hübsche und reduzierte Sandalen kaufte. Meine Laune war gleich vieeel besser :-). Wir verließen die Mall und suchten das Blumengeschäft, fanden es aber nicht. Also fuhren wir wieder auf den Highway in der Hoffnung, wenigstens in Ottawa ein Blumengeschäft zu finden. Nach einiger Zeit überquerten wir die Grenze zum Bundesstaat Ontario. Nun waren wir im zweiten Bundesstaat Kanadas auf unserer Reise angelangt. Große Verkehrsschilder warnten uns davor, dass "exceeding speed limits against the law" seien und die höchste Strafe für "speeding" und zwar für 50 km/h über der erlaubten Geschwindigkeitsbeschränkung einen Betrag von 10.000 CAD zur Folge habe. Da dies definitiv unser diesjähriges und auch das Reisebudget für die nächsten Jahre überschreiten würde, planten wir, uns doch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten, auch wenn wir sehr oft von rasenden Kanadiern überholt wurden und unser Fuß auf dem Gaspedal jedes Mal ein wenig zuckte. Im übrigen waren die Verkehrsschilder in Ontario wieder in Englisch geschrieben, mit französischen Unterschriften und auch die Leute sprachen wieder Englisch. Man kann aber darauf bestehen, mit Beschäftigten in Geschäften und Institutionen französisch zu sprechen, wie uns Nasser später erzählte. Dies sei gesetzlich geregelt und könne zu Beschwerden führen, wenn man sich nicht daran halte. Daher müssen alle Beschäftigen in Unternehmen zumindest rudimentär Französisch sprechen können und alle Schilder und Hinweise sind immer in Englisch und Französisch geschrieben. Nach ca. 2 Stunden und 200 km Fahrt kamen wir in Ottawa an. Es war Samstag und die Geschäfte waren geöffnet, so dass ich hoffte, hier nun Blumen für Yvonne zu finden. Das Wohnviertel von Nasser und seiner Familie befand sich nicht direkt in der Stadt, sondern ein wenig außerhalb. Daher fanden wir auch nur einen Supermarkt in der Nähe, der ein paar Rosen- und Sonnenblumenstöckchen im Angebot hatte. Oh Mann, das war wirklich nicht, was ich wollte, aber nachdem mir auch kein Angestellter einen Blumenladen in der Nähe nennen konnte, kauften wir ein Sonnenblumenstöckchen. Eigentlich wollten wir auch noch ein paar Pralinen kaufen, aber auch diese gab es hier nicht. Etwas unglücklich mit dem Stöckchen fuhren wir dann in Richtung Nassers Adresse. Plötzlich sah ich auf dem Weg ein Schild "Flowers" und entdeckte einen Blumenladen. Wir machten also noch einen kurzen Zwischenstopp und ich konnte einen sehr schönen Strauß frischer Lilien kaufen. Blumen sind hier tatsächlich recht teuer. Ich zahlte für 4 Lilienzweige 36 CAD. Ein kleines (wirklich mini) Orchideenstöckchen hätten sogar 45 CAD gekostet. Wahnsinn! Die Verkäuferin steckte die Lilien in einen Schwamm in einem kleinen Behältnis, so dass sie nicht austrocknen konnten. Das würde immer so gemacht, meinte sie auf meine Nachfrage. Super Idee, das könnte man in Deutschland auch einführen. Die "Verpackung" war allerdings für meinen Geschmack grässlich. Die Blumen wurden erst in eine Klarsichtfolie eingewickelt, was ja noch schön war. Dann aber wurde noch ein quietschbuntes Plastikfolie herumgewickelt und das Ganze mit einer knallblauen riesigen Schleife verziert. Aber egal, wenn das hier Standard war, würde sich Yvonne sicher freuen. Wir fuhren in eine hübsche Wohngegend, wo recht große Häuser standen. Fast alle Häuser sind hier im gleichen Stil gebaut, nämlich mit einer Art Holzvertäfelung als Außenverkleidung, die in unterschiedlichen Farben gestaltet ist. Auch die Dächer haben manchmal unterschiedliche Farben. Viele Dächer bestehen aus Wellblech oder Platten, aber jedenfalls nicht aus Ziegeln. Die Häuser hier werden auch nicht mit Steinen und Mauern gebaut, wie bei uns. Sie bestehen vielmehr aus Holzkonstruktionen, die außen mit Spanplatten, dazwischen einer Art minimaler Isolierung und im Innenbereich mit Regipswänden versehen werden. Daher können oftmals keine Bilder oder andere schwerere Gegenstände an den Wänden aufgehängt werden oder zumindest muss vorher ausgelotet werden wo ein Stützbalken eingebaut wurde. Diese werden in der Regel alle 60 Zentimeter gesetzt. An diesen werden i.d.R. Bilder oder sogar Küchenschränke montiert. Geheizt und gekühlt werden die Häuser in der Regel über eine zentrale Klimaanlage, die strombetrieben ist und eigentlich das ganze Jahr ununterbrochen läuft. Einzelne Räume lassen sich daher nicht unterschiedlich kühlen oder heizen. Es gibt in der Regel nur eine zentrale Temperatur. Strom scheint hier sehr billig zu sein. Dies sieht man auch an den riesigen Kühlschränken, die hier auch Standard und mit jedem Schnickschnack ausgestattet sind. Mittlerweile gibt es wohl auch Zentralheizungen mit Gas. Dies sei aber nicht der normale Standard, wie uns Nasser erzählte. Der Vorteil dieser Bauweise ist jedenfalls, dass ein Haus binnen weniger Monate fertig gestellt ist. Was uns auch aufgefallen war, war die Tatsache, dass die wenigsten Häuser um ihr Grundstück herum einen Zaun besaßen. Auf unsere Nachfrage sagte uns Nasser, dass es hier eigentlich keine Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Blättern auf dem anderen Grundstück oder zu hohen Bäumen oder zu nahen Hecken an der Grundstücksgrenze gebe. Sowas sei den Nachbarn wirklich egal. Unglaublich! Keine Nachbarschaftsstreits und Zäune in Deutschland - Utopie natürlich und für Deutsche unvorstellbar ;-)! Außerdem würde auch ganzen Gruppen von Anwälten die Existenzgrundlage entzogen, wenn es keine Nachbarschaftsklagen mehr gebe. Und was würden nur die vielen streitsüchtigen Nachbarn machen, wenn sich der andere Nachbar einfach nicht streiten wollte?! Wow, diese Form von Gelassenheit beeindruckte uns! Wir beschlossen, falls wir mal ein Grundstück besitzen sollten, es einfach nicht einzuzäunen. Revolution des fehlenden Gartenzauns! Vielleicht sollte man eine neue Partei gründen? Die "AGD" - "Anti-Gartenzaun Partei Deutschlands"! Wir würden das System revolutionieren...und hätten wahrscheinlich gleich eine Klage am Hals wegen fehlendem Zaun :-)! Nun gut, so viel zu unseren Revoluzzerträumen! Der Empfang von Nasser und seiner Familie war sehr herzlich. Wir freuten uns sehr, sie alle wiederzusehen. Nasser hatten wir auf unserer Weltreise in Patagonien und seine Frau und Kinder letztes Jahr in Haarlem, Holland, kennengelernt. Wir freuten uns auch über die Gastfreundschaft, uns gleich zu sich nach Hause einzuladen. Yvonne freute sich über beide Blumen und Nasser über den Rotwein und Champagner. Wir waren erleichtert. Nasser zeigte uns das Haus, das sehr groß und hell war, da es innen sehr offen und mit großen Fenstern gebaut war. Unser Gästezimmer mit Bad ensuite war im Keller, der zu einem vollständigen Wohnbereich mit Kinoleinwand ausgebaut war. Wir setzten uns bei herrlichem Wetter in den Garten und tranken Kaffee, aßen leckeren Zitronenkuchen und erzählten von unserer Reise und allem, was so im letzten Jahr passiert war. Gegen Abend machten wir ein Barbecue, was hier in Kanada, wie bei uns auch, sehr beliebt ist und auch im Winter ständig stattfindet. Gegrillt wir hier meistens auf riesigen Gasgrills. Das Essen bestand aus einer Art Chicken Satee und war sehr lecker. Nach dem Essen zeigten uns Yvonne und Nasser die Innenstadt von Ottawa. Wir spazierten zum Parliament Hill hoch, wo wir uns mit Hunderten anderer Menschen ins Gras setzten und zuerst eine halbe Stunde lang dem hinter dem Parlamentsgebäude stattfindenden Feuerwerk zuschauten. Yvonne erzählte, dass es das Abschlussfeuerwerk eines internationalen Feuerwerkwettbewerbs sei, das hier stattfinde. Es war sehr schön und wir machten hunderte von Fotos. Danach sahen wir dann eine unglaublich beeindruckende Lightshow, die die Geschichte Kanadas erzählte und auf das Parlamentsgebäude projeziert wurde. Kanadas Geschichte ist tatsächlich recht jung, das es das Land offiziell erst seit 1867 gibt und einige Provinzen Kanadas sogar teilweise erst in den 1990er Jahren als Provinzen bzw. Bundesstaaten dem Staat Kanada beigetreten sind. Es war ein wunderschöner Abend. Es war warm, der Himmel war sternenklar und wir waren überwältigt von der Show. Danach gingen wir durch ein schönes Kneipenviertel zu einem Markt, wo wir das zweite kulinarische kanadische Highlight kennenlernten: Bieberschwänze ("biever tails"). Ja, richtig gelesen, wir aßen einen Bieberschwanz, den wir uns vorsichtshalber teilten. Er war köstlich und seit diesem Abend sind wir beide dieser Köstlichkeit verfallen! Also ein "biever tail" besteht aus recht viel Knorpel...nein, Quatsch :-))! Ein biever tail ist ein ovaler frittierter Teigfladen, der mit verschiedenen süßen Zutaten belegt wird. Unser Favorit ist die Nr. 8 der Karte, die überall gleich ist, da es sich um ein Franchisingkonzept handelt. Nr. 8 besteht aus einem Belag aus Nutella und Bananenscheiben, mmmhhhh sooo lecker!! Natürlich mal wieder ein absoluter Figurkiller, aber wir sind ja im Urlaub! Als wir wieder zuhause waren, quatschten wir noch ein bisschen, bevor wir alle ins Bett gingen. Allerdings fror ich in unserem Zimmer so sehr (ich hasse Klimaanlagen, auch im Sommer, und ich liebe Wärme...wie alle wissen, die mich kennen ;-)), dass ich noch einen Fleecepullover und einen Schal anziehen musste, da ich sonst kein Auge hätte zumachen können. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich mit Nasser wandern gehen, aber leider regnete es und war etwas kalt geworden. Also schlug Nasser vor, Yvonnes Eltern Dirk und Tineke zu besuchen, die auf der Quebec Seite des Ottawa Flusses in einem kleinen Haus am See lebten. Yvonnes Eltern sind vor acht Jahren nach Dirks Pensionierung von Holland nach Kanada ausgewandert, fliegen aber zwei Mal im Jahr in die Heimat, um dort Yvonnes Bruder und seine Familie zu besuchen. Yvonnes Vater hatte als Ingenieur für Nestle gearbeitet und war schon in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Er und Tineke sind sehr reiselustig und unternehmen immer noch regelmäßig weite Reisen. Dirk war sogar vor einigen Jahren gemeinsam mit Nasser zum Base Camp des Mount Everest aufgestiegen. Beide begrüßten uns sehr herzlich und wir tranken in dem wunderschönen Haus, das in einem kleinen Ort steht, Kaffee und aßen Kuchen. Das Haus steht auf einem wunderschönen großen Grundstück, das unmittelbar an den Fluss grenzt. Durch die vielen großen Fenster hat man einen atemberaubenden Blick auf das Wasser. Ein eigener kleiner Steg gehört auch dazu, so dass sie dort im Sommer ihr kleines Motorboot anlegen können. Zwischen dem Steg und dem Garten haben beide sogar schon Bären gesehen. Das Haus selbst ist bestückt mit verschiedenen wunderschönen Möbeln und anderen Mitbringseln von fernen Ländern. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit lang in Englisch, Deutsch und Holländisch über Reisen, unsere Berufe und alles Mögliche. Danach fuhren wir mit Nasser zum historischen Museum in Ottawa und schauten uns die dortigen Ausstellungen einmal über Napoleon Bonaparte und über die Ureinwohner Kanadas an. Hier Napoleons Hut: Die Ureinwohner, die auch Aboriginis, wie in Australien, genannt werden, haben ähnliche Kunstwerke und Symbole wie die Maori und die Aboriginis. Viele große Totempfähle, die uns wiederum an die Tikis in Polynesien erinnerten, waren ausgestellt und sind im übrigen in ganz Kanada zu finden. Beeindruckend war auch, dass die Ureinwohner wohl Tiere besonders respektierten, auch wenn sie sie natürlich zum Überleben jagen mussten. Sie glaubten z. B., dass Fische eine Seele haben und versuchten daher, sie möglichst schmerzfrei und schnell zu töten. Als wir wieder zu Hause ankamen, hatte Yvonne schon alles für das abendliche Barbecue vorbereitet. Dieses Mal kamen auch Dirk und Tineke und ein befreundetes Paar (Dana und Mike, war für uns Dani und Michael leicht zu merken) mit ihren Kindern zum Barbecue. Ich spielte mit den Männern eine Runde Billiard, bevor wir beim Quatschen und Bier trinken hängen blieben. Nasser grillte vorzügliche Lachssteaks und Hähnchenkeulen, Yvonne ergänzte das Essen mit leckeren Salaten und Dessert. Es war ein sehr lustiger Abend, an dem wir uns mit allen über die Unterschiede zwischen dem kanadischen und deutschen Leben und Arbeiten und natürlich übers Reisen unterhielten. Es war total interessant zu hören, wie man in Kanada lebt und arbeitet. Die Arbeitsbedingungen sind etwas anders als bei uns. In Kanada wird man üblicherweise auf Stundenbasis bezahlt und erhält den Lohn im Zwei-Wochen-Rhythmus. Ein festes Jahresgehalt wie bei uns gibt es üblicherweise nicht. Die Arbeitszeiten liegen täglich oft bei 10 bis 12 Stunden. Mittagspausen gibt es offiziell keine.Wenn man kurz Zeit hat, schiebt man sich schnell etwas Essbares in den Mund, dann geht es weiter. Oft hat man aber auch gar keine Zeit für einen kurzen Lunch. Der Jahresurlaub liegt bei Berufsstart in der Regel bei zwei Wochen und kann dann je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen oder der Berufserfahrung auf bis zu sechs Wochen pro Jahr steigen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat jedoch drei Wochen Urlaub pro Jahr. Daneben gibt es noch ein paar Feiertage und einen "Familientag". Für Krankheiten hat man auch noch eine bestimmte Anzahl an Tagen, die man nur hierfür nutzen kann. Krankenversicherungen, -kosten und Medikamente werden vom Staat bezahlt. Für Sonderbehandlungen oder bestimmte private Medikamente muss man selbst zahlen. Also alles in allem kein Honigschlecken was das Arbeiten in Kanada betrifft. Dafür sind die sonstigen Lebensbedingungen ganz gut. Am Wochenende ist man schnell zum Skifahren in den umliegenden Bergen und im Sommer an Seen und Flüssen. Im Winter herrschen zwar bis zu minus 20 Grad, dafür gibt es keinen Regen, sondern tatsächlich fast nur blauen Himmel, Sonne und natürlich ganz viel Schnee - ist das nicht wunderbar?! Für blauen Himmel und Sonne im Winter würde ich sogar tiefste Minusgrade in Kauf nehmen. Und in Ottawa ist der Fluss in der Stadt über eine Strecke von fast 7 km komplett zugefroren, so dass die Leute auf dem Fluss Schlittschuh laufen können. Am Flussufer wärmen sich die Menschen an verschiedenen Ständen mit warmen Getränken und Speisen. Das würden wir gerne mal erleben! Aber auch im Sommer ist es schön, nämlich meistens über Monate beständig warm und trocken. Und der Indian Summer schafft dann einen gleitenden Übergang vom Sommer zum Herbst und Winter, da es tagsüber schön warm und abends kühler ist und sich das Laub bunt verfärbt. Klingt alles richtig toll! Ein weiteres Highlight des Abends war eine kurze Darbietung von Yasin, Nassers und Yvonnes ältestem Sohn. Er ist sehr begabt im Wiederherstellen des Zauberwürfels. Er hat sogar an Wettbewerben in den USA teilgenommen und konnte den Würfel in unter 9 Sekunden von komplettem Chaos in eine korrekte Anordnung der Farben auf allen Seiten bringen. Unglaublich! Nachdem alle Gäste gegangen waren, ließen wir den Abend noch mit Nasser, Yvonne und Karim, dem jüngsten Sohn, ausklingen, bevor wir uns von Yvonne verabschiedeten, da sie am nächsten Morgen schon um 7 Uhr zur Arbeit gehen würde. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch gemütlich mit Nasser und machten uns dann gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Toronto. Vor uns lag eine Strecke von ca. 460 km, auf der es noch ein paar Sehenswürdigkeiten geben sollt, wie z. B. die 1000 Islands. Wir verabschiedeten uns herzlich von Nasser und bedankten uns für das wundervolle Wochenende, das wir mit ihm und seiner Familie erleben durften. Es war sehr schön gewesen, einmal einen kurzen Einblick in ein typisches kanadisches Familienleben zu erhaschen. Wir hoffen, sie bald wiederzusehen... Mehr Bilder in unserer Galerie...

Zurück in Montreal

Am nächsten Morgen winkten wir noch Michel und seinem Freund zum Abschied, bevor es auch für uns hieß, von diesem wunderschönen Ort Abschied zu nehmen. Bei schönstem Wetter verließen wir also La Tuque (http://www.toponymie.gouv.qc.ca/ct/ToposWeb/fiche.aspx?no_seq=285890 ; https://de.m.wikipedia.org/wiki/La_Tuque) und fuhren entlang des Nationalparks La Mauricie (http://www.pc.gc.ca/eng/pn-np/qc/mauricie/index.aspx) wieder zurück Richtung Montreal, wo wir eine Nacht verbringen würden, bevor wir von dort nach Ottawa zu unserem Freund Nasser und seiner Familie fahren würden. Sicherlich hätte man in dem Nationalpark ein paar Stopps an wunderschönen Seen einlegen können, aber wir wollten lieber nach Montreal fahren und uns die Stadt noch ein wenig anschauen. Wir brauchten mal wieder einige Zeit, um die ca. 220 km zu bewältigen. Man fährt in Kanada sehr oft über Landstraßen, auf denen man max. 80 km/h fahren darf und auch auf den Highways darf man nur 100 km/h fahren. Aber wir hielten auch an einigen schönen Spots an, an denen wir Fotos machten. Die längste Zeit standen wir allerdings im Stau stadteinwärts vor Montreal. Wir brauchten fast 1,5 Stunden vom Ende des Higways bis zu unseren Appartements Candlewood Suites, wo wir auch bei unserer Ankunft übernachtet hatten. Nachdem wir unsere Rucksäcke in unserem Appartement abgelegt hatten, machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg ins Stadtzentrum und zum Mont Royal, einem kleinerem Berg im Stadtviertel Mont Royal, das mit seinen ausgefallenen Boutiquen und Geschäften, vielen netten Bars und entspannt wirkenden Menschen ein wenig an einen Hippiestadtteil erinnerte. Wir liefen durch den wunderschönen Parc du Mont-Royal, der den 233 m hohen Mont Royal (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mont_Royal) umgibt. In der Hitze von 30 Grad war es für uns mittlerweile eher unsportlich gewordene Backpacker wirklich anstrengend, den Berg hochzukraxeln. Als wir endlich an einer Straße landeten, waren es immer noch ca. 2 km bis zur Aussichtsterrasse. Von der Straße aus hatten wir jedoch schon einen tollen Blick auf die Stadt, den wir auch kurz für eine Verschnaufpause ausnutzten. Nach einem Wassereis (wir brauchten schließlich viel Flüssigkeit ;-)) wanderten wir weiter. Als wir oben ankamen, fanden wir die Aussichtsterrasse jedoch immer noch nicht. Da es in Kanada recht unüblich zu sein scheint, Beschilderungen anzubringen, fragten wir andere Touristen, die den Weg jedoch genauso wenig kannten. Wir wanderten also auf gut Glück nach links und kamen tatsächlich nach nochmal 15 Minuten endlich an. Unterwegs sahen wir an dem großen Kreuz, das auf dem Berg installiert ist und nachts beleuchtet wird, ein weißes Eichhörnchen. Wir bzw. ich war entzückt! Ein weißes Eichhörnchen hatte ich bis dahin noch nie gesehen, ich wusste noch nicht einmal, dass es sowas überhaupt gibt. Vielleicht war es aber auch nur ein Albino-Eichhörnchen...mmhh, das müssten wir definitiv mal googeln (hier die Auflösung: http://www.tierchenwelt.de/tierleben/3051-albino-tiere-weiss.html...das Eichhörnchen, das wir gesehen hatten, hatte keine roten Augen und war daher ein unechtes Albino-Eichhörnchen mit dem Gendefekt Leuzismus). Später sahen wir auch noch ein schwarzes Eichhörnchen, das aber keine Lust hatte, sich ablichten zu lassen. An der Aussichtsterrasse angekommen, wurden wir mit einem traumhaften Blick auf die Skyline Montreals belohnt. Es war herrlich, die Mühe hatte sich wirklich gelohnt! Auf der anderen Seite der Terrasse führte ein Weg wieder hinunter ins Stadtzentrum und endete direkt an der Universität. Wir liefen immer geradeaus weiter und wollten eigentlich zur U-Bahn laufen, als wir auf einmal mitten in einer großen Einkaufsstraße standen. Oh nein, wie "schrecklich" :-)!!! Shoppen, juhuuu, ....dachte sich dieses Mal anscheinend mein lieber Ehemann und stürmte gleich den ersten Laden. Naja, zugegeben, ich stürmte den ersten Laden, in dem dann aber Michael sehr fündig wurde und sich ein paar tolle Sachen kaufte. Ich war nur Einkaufsberaterin, war damit aber auch ganz glücklich. Danach liefen wir mit einer riesigen Tüte beladen endlich zur U-Bahn und fuhren zurück ins Appartement, wo wir uns schnell frisch machten, umzogen und dann ein Taxi zum Restaurant "Queue de Cheval" (http://mobile.queuedecheval.com) nahmen. Michael hatte hier bereits morgens online einen Tisch reserviert. Er kannte das Restaurant noch von seinem ersten Montreal Besuch vor 5 Jahren und war damals von den Steaks begeistert gewesen. Das Restaurant gehört zu den besten Steakrestaurants Montreals und ist nicht ganz billig. Aber wir wollten uns das einmal gönnen. Auch wenn der Name erst einmal in die Irre führt ("Pferd"), bekommt man hier wirklich ausgezeichnete Rindersteaks. Entsprechend lecker war unser Essen! Wir saßen draußen und hatten einen tollen Abend. Danach kugelten wir uns zur nächsten U-Bahnstation und fuhren in die Altstadt Montreals. Allerdings ist diese weniger spektakulär, wenn man richtige Altstädte wie in Deutschland gewohnt ist. Es gab einige nette Boutiquen und ein paar schöne Bars, aber sonst auch nichts Besonderes. Nach einem Drink in einer sehr gemütlichen Bar fuhren wir wieder zurück ins Appartement und fielen müde ins Bett. Wir freuten uns auf den nächsten Tag, wo es zu Nasser und seiner Familie nach Ottawa gehen sollte. Montreal hat uns gut gefallen, wäre aber nicht wieder ein Muss auf einer weiteren Kanadareise. Vielleicht haben wir aber auch zu wenig gesehen, wer weiß...

La Tuque

Irgendwie war ich noch nicht richtig im Reisemodus, wie ich am nächsten Morgen merkte. Ich fand nämlich nichts in meinem Rucksack. Normalerweise habe ich irgendwann eine gewisse "Ordnung" und weiß, in welchem compression bag oder in welcher Seitentasche meines Rucksacks bestimmte Sachen sind. Aber anscheinend fand ich noch nicht den richtigen "Flow". Außerdem stellte ich mittlerweile fest, dass mir mein Schatz neben sehr vielen nützlichen Dingen auch so manches nicht brauchbare Teil eingepackt hatte. Ich fragte mich jedenfalls, wo er wohl glaubte, dass ich meine Dirndlbluse und eine weitere schicke Bluse brauchen würde. Dafür verzichtete er klugerweise auf zu viel Gepäck und packte mir nur zwei T-Shirts ein. Optimistischer Weise ließ er auch meine Regenjacke getrost im Schrank hängen. Aber wie bereits gesagt, war ich sehr froh gewesen, dass er das Packen für mich übernommen hatte, weshalb ich das alles nur mit einem Schmunzeln registrierte und mich schon aufs Shoppen freute ;-)...immerhin hatte ich nun einen triftigen Grund! Nach einem leckeren Frühstück mit Spiegeleiern, Toast und Würstchen waren wir wieder "back on track". breakfast Heute ging es nach La Tuque. Merkwürdigerweise fand unser Navi die genaue Zieladresse unserer Unterkunft nicht, was uns ein wenig stutzig machte. Wir gaben nur den Ort ein und tuckerten auf einer herrlichen Route entlang von Flüssen und Seen und mit einigen Foto-Stopps gemütlich Richtung La Tuque. Die Strecke war 225 km lang und wir brauchten etwa 4,5 Stunden. Als wir nachmittags in La Tuque ankamen, merkten wir schnell, dass wir wohl in der hintersten Region Quebecs gelandet waren. Hier konnte nämlich keiner mehr Englisch sprechen. Es war unglaublich. Michael fand an einer Tankstelle glücklicherweise einen Mann, der uns als einziger auf Englisch den Weg erklären konnte. Das Quebecois dieser Region verstanden wir einfach nicht mehr, da der Akzent hier ganz anders klang als in Quebec und Montreal. Gemäß der Erklärung sollten wir ca. 8 km geradeaus fahren, dann links abbiegen, dann nochmal 13 km fahren und dann würden wir unseren Club Odanak, wie unsere Unterkunft hieß, schon finden. Also machten wir uns auf den beschriebenen Weg, fuhren aber natürlich aufgrund der ungenauen Kilometerangabe und unserer verpeilten Art, Schilder nicht genau zu lesen, erstmal an der einzigen Abbiegung weit und breit vorbei und noch einige Kilometer in die falsche Richtung, bevor wir umkehrten und dann endlich die richtige Abbiegung und dort auch das Hinweisschild auf den Club Odanak fanden. Super, das war geschafft. Nun nur noch 13 km und wir wären endlich da. Nach kurzer Zeit kamen wir von einer befestigten Straße auf eine Schotterpiste ("dirt road"). Pickups und große Trucks donnerten mit einem Affenzahn an uns vorbei und hinterließen jedes Mal eine riesige Staubwolke, die uns so einnebelte, dass wir nichts mehr sehen konnten. dirt road Allerdings schienen wir uns wohl noch auf einer öffentlichen Straße zu befinden. Soweit so gut. Ein Geländewagen oder ein Pickup wäre hier allerdings die bessere Wahl gewesen. So zuckten wir bei jedem Schlagloch und den Steinen, die an unser Auto prasselten, zusammen und fuhren recht unentspannt weiter durch den Wald, durch den die "Straße" führte. Unser armer Mietwagen und unser armer Geldbeutel, dachten wir, falls wir die ganzen Kratzer bezahlen müssten. Als wir uns gerade fragten, ob wir hier wirklich richtig waren, kam eine Abbiegung mit einem winzig kleinen Schild "Club Odanak". Ein Glück, dass gerade kein Truck vorbei gefahren war, sonst hätten wir die Abbiegung vor lauter Staub glatt verpasst. Unser kleiner Nissan musste nun einen wirklich steilen, sandigen und mit noch größeren Schlaglöchern übersäten Berg, einige steilere Passagen und viele Kurven bewältigen, bevor der Wald nach weiteren 4 Kilometern plötzlich den Blick auf einen herrlichen, von Tannen umringten einsamen See freigab, vor dem ein großes Holzhaus stand. Es war ein wunderschöner Anblick und wir freuten uns riesig, dass wir an einem so schönen Ort gelandet waren, wo wir die nächsten zwei Tage in absoluter Abgeschiedenheit und Ruhe verbringen würden! Es war traumhaft! Genauso hatten wir uns unseren Urlaub in Kanada gewünscht - viel Sonne, Natur und Ruhe! Kurz nachdem wir eingecheckt hatten, starteten wir unsere Erkundungstour, wobei es glücklicherweise nicht viel zu erkunden gab. Der "Club" bestand aus einem etwas größeren Haupthaus, in dem sich unser Zimmer mit Blick auf den See (Hurra!!!), eine kleine Bar und ein kleines, einfaches Restaurant befanden. Überhaupt war alles sehr einfach ausgestattet und eingerichtet, die Zimmer hatten keinen Fernseher und es gab kein Netz - es war einfach nur herrlich und wir vermissten überhaupt nichts!!! Ansonsten gab es noch vier weitere kleinere Holzhäuser mit Zimmern und Appartements. Direkt am See war ein größerer Holzsteg und auf dem See befand sich eine kleine Badeinsel aus Holz. Am Steg fanden wir Kanus und Kayaks, in einem weiteren kleinen Nebenhaus die dazugehörigen Paddel und Schwimmwesten. Natürlich starteten wir sofort eine Kanutour mit Stechpaddeln. Wir stiegen in das Kanu ein, ich versuchte uns vom Steg wegzudrücken, lehnte mich zur Seite - und wir lagen nach zwei Sekunden im Wasser. Super Start....aber leider kenne ich mich nur mit Segelbooten aus, die glücklicherweise nicht so schnell kentern. So ein blödes Kanu! Also zweiter Versuch. Kanu umdrehen, Wasser ausschütten, einsteigen, NICHT bewegen und ganz vorsichtig vom Steg wegpaddeln! Dieses Mal funktionierte es und wir paddelten langsam, aber ziemlich verkrampft, da sich keiner mehr zu bewegen traute, über den See und genossen die Natur und das herrliche Wetter. Es war weit und breit nichts zu hören, bis auf ein Knacken und Rascheln in den Büschen und Bäumen am Ufer. Diese Stille war unglaublich!! Anfangs beobachteten wir noch etwas ängstlich das Ufer, ob ein Bär oder ein Wolf auftauchte, aber irgendwann entspannten wir uns. Wir verbrachten den ganzen restlichen Nachmittag am See, genossen die Ruhe und konnten es kaum fassen, dass wir an diesem wunderschönen Ort gelandet waren. Der Sonnenuntergang war herrlich und wir konnten nicht mehr aufhören, zu schwärmen und zu fotografieren. Den Sonnenuntergang haben wir wohl ziemlich sekundengenau abfotografiert ;-)! sundown Abends aßen wir dann unseren ersten Elch. moose Der Geschmack des Fleisches erinnerte uns ein wenig an Rind und Wildschwein. Es war sehr lecker und wir hatten einen sehr lustigen Abend! Einige Biere später lagen wir im Bett und freuten uns auf den nächsten Tag! Am nächsten Tag wanderten wir ein wenig um den See und nahmen danach den Bootssteg für uns in Beschlag. wanderung Außer faul in der Sonne zu liegen und zwischendurch mit dem Kayak nach Biebern Ausschau zu halten, machten wir rein gar nichts! Abends lernten wir auf der Terrasse zwei 70jährige Männer kennen, die aus der Region Quebec kamen und gemeinsam auf ihren ATVs (all terrain vehicles, bestehend aus einem Quad und einem offenen quadähnlichen Buggy) unterwegs waren. guys Michel Schmitt (rechts), so hieß einer von beiden, war als Kind von Frankfreich mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert und ein erfolgreicher Motocrossrennfahrer gewesen. Sein Geld verdiente er immer noch mit dem Lackieren bzw. Airbrushing von Motorrädern. Sein Freund war einmal Lehrer für Robotics gewesen und nun pensioniert. Beide erzählten uns von ihren wahnsinnigen Touren, die sie regelmäßig gemeinsam oder auch mal getrennt unternahmen. Jedes Jahr fahren sie im Sommer mehrere tausend Kilometer über dirt roads und Waldwege querfeldein bis zu einem bestimmten Ziel, wobei sie immer Stopps an herrlichen Plätzen wie diesem hier einlegen. Wir konnten kaum glauben, dass ein 70jähriger zwei Wochen oder mehr jeden Tag von morgens bis abends auf einem Quad sitzend durch die Wälder Kanadas heizt. Was für eine enorme Belastung! Aber die beiden hatten einfach nur Spaß daran und genossen ihren Trip sichtlich. Michels Freund empfahl uns außerdem eine mehrwöchige Tour im Winter mit einem Snowmobil bis nach Labrador. Er hatte so schon 5.000 km in sechs Wochen zurückgelegt. Überhaupt besaß wohl fast jeder Kanadier auf dem Land ein Snowmobil, da dies im Winter auf dem Land das beste und populärste Fortbewegungsmittel sei und es wohl mehr Routen für Snowmobile als ausgebaute Straßen in Kanada gibt. An den Straßen stehen auch tatsächlich sehr oft Schilder, die auf die Gefahr eines die Straße kreuzenden Snowmobils hinweisen. Wir hatten einen lustigen Abend mit den "Jungs" und glücklicherweise in Englisch. Einzig die Ankunft und Abfahrt unserer Jungs mit ihren ATVs sorgten für etwas Lärm, den wir jedoch gerne im Gegenzug für die interessanten Geschichten in Kauf nahmen. Als wir am nächsten Morgen Richtung Montreal aufbrachen, waren wir ein wenig traurig, dass wir den Club Odanak schon verlassen mussten. Am liebsten hätten wir hier eine ganze Woche verbracht. Aber schließlich warteten noch weitere schöne Stationen auf uns...

Tadoussac „Whale Watching“

Eigentlich hieß unsere nächste Station Saguenay. Aber in unserer Reiseroutebeschreibung wurde ein Abstecher nach Tadoussac empfohlen, um dort eine whale watching tour zu machen. Da wir in Neuseeland damals keine bzw. nur für ein paar Sekunden die Schwanzflosse eines Pottwals gesehen hatten, reservierten wir für Tadoussac bereits eine Woche vor unserem Abflug Tickets für eine Tour. Strecke Tadoussac Die Strecke nach Tadoussac führte uns über die üblichen Highways und schließlich entlang des St. Lorenz Stroms bis St. Anne. Als wir den Strom das erste Mal sahen, dachte ich, dass wir das Meer sehen, bis mir Michael zum wiederholten Male erklärte, dass dies ein Fluss sei. Der St. Lorenz Strom ist so breit, dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Es sieht aus, als wäre man am Meer. Kurz vor Tadoussac fuhren wir auf eine Fähre, die uns nach Tadoussac transportierte. Tadoussac ist ein kleines Örtchen am St. Lorenz Strom, das sehr bekannt ist für die whale watching tours. Wir kamen gerade rechtzeitig an, um uns anzumelden und unsere wasserdichten Hosen und wasserdichten Jacken zu erhalten, bevor wir auf unser Zodiac (ein etwas größeres Schlauchboot für ca. 20 Personen mit einem enorm starken Motor) geführt wurden. Und schon ging es los! Kurz nachdem wir die Bucht von Tadoussac verlassen hatten, sahen wir tatsächlich die ersten Wale - Beluga Wale. Damit hatte sich die Tour schon gelohnt, da wir bereits mehr Wale sahen als in Neuseeland. Aber es sollte noch viel besser werden! Wir fuhren weiter hinaus auf den Strom und sahen so viele Wale, dass wir aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen. Michael versuchte Fotos zu machen, ich versuchte Videos zu machen. Aber vor lauter Überraschung über ein plötzliches Auftauchen eines Wales ganz in der Nähe unseres Bootes verrissen wir sehr oft unsere Kameras, so dass wir letztendlich sehr viele Fotos vom Himmel, von Händen oder auch vom Rand des Schlauchbootes machten. Trotz der großen Aufregung und Freude gelang es uns zum Schluss doch noch, auch ein paar Fotos und Videos der Finn-, Mink- und Buckelwale zu machen, die teilweise direkt neben unserem Boot oder in weiterer Entfernung ab- und auftauchten. Es war unglaublich und bereits jetzt eines der schönsten Erlebnisse unserer Reise! Nach dieser tollen Tour, die ca. 3 Stunden dauerte, mussten wir auf der Fahrt nach Saguenay erst einmal die Eindrücke verarbeiten, die wir kurz zuvor gewonnen hatten. Den Rest der Fahrt entlang der spektakulären Fjorde nahmen wir gar nicht mehr richtig wahr. Zwei Stunden später kamen wir in dem auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulären Stadt Saguenay an, wo wir allerdings in dem wohl einzigen 4-Sterne-Hotel der ganzen Reise abstiegen. Dass das Hotel in einem Gewerbegebiet lag, war uns relativ egal, da wir nur noch ins Bett fielen.

Quebec

Am nächsten Morgen starten wir nach unserem ersten kanadischen Frühstück mit Schokocroissants, Kaffee und einem gesunden Smoothie in Richtung Quebec. Die Strecke führte uns auf einer Autobahn auf dem Chemin du Roy vorbei an Wäldern, Wiesen mit viel Schilf und hübschen Blumen, lustigen neuen Straßenschildern wie "Achtung Elche", diversen Wendemöglichkeiten auf der Autobahn und irrsinnigen Gefährten ("Schatz, guck mal, da zieht ein Wohnmobil ein Auto hinter sich her! - Was? Kann nicht sein...Ach, tatsächlich!"). Etwas gewöhnungsbedürfig war unsere Reisegeschwindigkeit mit maximal 110 km/h auf der Autobahn! Und hierbei überschritten wir schon die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Wir benötigten daher für die Strecke von 255 km ca. 4 Stunden. In Quebec angekommen fanden wir uns in einem netten Motel "Le Chateauguay" wieder, obwohl der Name mehr versprach, als dahinter steckte ;-). Leider befand sich unser "Chateau" etwas außerhalb von Quebec, weshalb wir mit dem Auto in die Stadt fahren mussten. Als wir eincheckten, freuten wir uns, dass wir sogar ein continental breakfast für nur 2 Dollar pro Person bekamen. Wir waren begeistert, wie günstig das war, immerhin waren das umgerechnet nur ca. 1,40 EUR pro Person. Wir entluden unser Auto und machten uns gleich auf den Weg in die Altstadt von Quebec. Im Parkhaus zahlt man 20 Dollar für ein Tagesticket, was nicht ganz billig ist. Aber der öffentliche Nahverkehr fährt nicht immer in die gewünschte Richtung. Daher ist das Auto hier das Transportmittel erster Wahl. Die Altstadt von Quebec war sehr schön, auch wenn unsere Fotos am ersten Tag nicht so spektakulär wurden, da das Wetter immer noch grau in grau war. Die Innenstadt sieht fast wie in einer alten gut erhaltenen europäischen Stadt aus mit vielen hübschen alten Häusern, kleinen Gassen, Kopfsteinpflaster, alten Mauern und kleinen Geschäften. Der untere Bereich der Altstadt ist über einige Stufen zu erreichen und erstreckt sich bis zum Hafen. Was uns allerdings nicht gefallen hat, war der immense Andrang an Touristen (ok, wir waren natürlich auch welche). Die Stadt war völlig überlaufen von Touristen aller Nationen, die in großen Bussen angekarrt wurden. In dem unteren Bereich der Altstadt fühlten wir uns teilweise an die Drosselgasse in Rüdesheim erinnert. Wir aßen Crepes und tranken Cidre und fühlten uns fast wie in Frankreich. Auch, weil überall Französisch gesprochen wurde. In Montreal konnten wir uns noch mit Englisch verständigen, aber hier ging ohne Französisch gar nichts! Allerdings war das trotz unserer Französischkenntnisse, die ich tatsächlich als gar nicht so schlecht beschreiben würde (jedenfalls in der Not), sehr schwierig, da Quebequois irgendwie ein ganz anderes Französisch ist. Die Aussprache ist ganz anders, mehr amerikanisch, es werden andere Wörter benutzt und englische Floskeln einfach ins Französische umgemünzt. So sagen die Kanadier üblicherweise nach einem "Dankeschön" "you are welcome". In Quebequois heißt es dann schlicht "bienvenue". Eigentlich logisch. Aber wenn man sein Essen erhält und "merci beaucoup" sagt und dann "willkommen/bienvenue" geheißen wird, ist das irgendwie merkwürdig! Abends aßen wir im Restaurant des Hyatt Hotels im 26. Stock. Das Restaurant drehte sich um 360 Grad und bot eine phänomenale Sicht auf Quebec. Allerdings war das Essen teuer und furchtbar. Nachts im Motel wurde uns dann bewusst, dass wir nicht in einem Chateau waren, sondern praktisch neben der Autobahn schliefen. Ich schob mir meine Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren, auch auf die Gefahr hin, den Rest der Reise taub zu bleiben. Alles andere war unerträglich, außer für Michael, der auch neben einem startenden Jet schlafen kann - incroyable! Am nächsten Morgen freuten wir uns auf unser Frühstück. Den beißenden Chlorgeruch am Eingang des Frühstücksraums ignorierten wir einfach. Und dann eröffnete sich ein spektakuläres Frühstücksbuffet vor uns! Spektakulär aber mehr im Sinne von "wahnwitzig", "unfassbar", "noch nie sowas gesehen"! Wir hatten die Auswahl zwischen Toast, abgepackten Muffins, Cornflakes, gesalzener Butter, Marmelade und Honig. Alles schön in Plastik verpackt, Hauptsache nicht frisch. Der Kaffee schmeckte schon angebrannt und der Saft war auch nicht wirklich genießbar. Aber der Hammer war, dass es nur Styroporteller und -becher und Plastikbesteck gab. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was irgendwann in verzweifeltes und hysterisches Lachen überging. Wir fanden aber schließlich doch noch etwas zu essen und passten uns der Situation schnell an - wir sind ja schließlich Backpacker! Die schockt natürlich gar nichts! Der Abfall war auch schnell entsorgt, da wir alles nur in die daneben stehenden Mülleimer werfen mussten. Umweltschutz scheint in Kanada noch ein Fremdwort zu sein. Wir mochten uns gar nicht vorstellen, wie viel Müll allein in diesem Motel pro Jahr produziert wurde. Danach machten wir uns auf zu dem Montmorency Wasserfall, der zwar an sich schön anzusehen war, aber direkt an der Hauptstraße lag und natürlich auch wieder ziemlich überlaufen war. Dies lag aber auch daran, dass wir endlich tolles Wetter und strahlenden Sonnenschein genießen konnten. Der erste Tag mit Sommerfeeling und kurzen Klamotten, herrlich! Wir machten uns wieder auf in die Stadt, spazierten durch die Gassen und in den Abraham Park, wo wir die Sonne genossen. Abends aßen wir in einem urigen Restaurant, das typisches Quebequois Essen anbot, das sehr lecker war. Am nächsten Morgen hieß es dann nochmal "Styropor-Frühstück" und ab zur nächsten Station... Alles in allem war Quebec sehr hübsch, aber für uns etwas zu überlaufen.

Los geht’s

Michaels Mutter fuhr uns zum Flughafen in Frankfurt, wo wir um 10.15 Uhr in Richtung Montréal abflogen. Den Urlaubsbeginn begossen wir, wie üblich, mit einem ersten Bier am Flughafen! Tradition bleibt Tradition! Der Flug war sehr ruhig und da ich nachts nur 2,5 Stunden geschlafen hatte, schlief ich im Flieger. Wir kamen um 12.10 Uhr in Montréal an - und hatten mieses Wetter und Regen. Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Zuhause war plötzlich der Sommer ausgebrochen mit 30 Grad und Sonne pur und wir landeten im URLAUB in einem verregneten Kanada!!! Ich war bedient, da jeder, der mich kennt, weiß, wie wichtig Sonne für mich ist und erst recht im Urlaub. Na toll, das fing ja gut an! Wir trotteten los, passierten recht schnell den Zoll und warteten dann ziemlich lange auf unser Gepäck. Die gute Laune war dann schon wieder getrübt, als wir feststellten, dass mindestens eine der beiden Flaschen Wein in Michaels Rucksack, die wir unseren Freunden in Ottawa mitbringen wollten, den Flug nicht überlebt hatte und nun Michaels Sachen "parfümierte". Trotz penetrantem Weingeruch gaben wir an der Zollkontrolle brav den Zettel ab, auf dem wir versichert hatten, keinen Alkohol einzuführen - und dann waren wir offiziell in Kanada! An der Mietwagenstation am Flughafen trotteten wir dem Guide an tollen riesigen, mit Chrom verzierten Pickups und Geländewagen vorbei, bis wir vor unserem Mietwagen standen - einem roten Nissan Note! Aaaahhh....aber na gut, wir hatten eben die Low Budget Tour gebucht und versuchten uns, mit unserem Zwergengefährt anzufreunden. Nachdem wir Klimaanlage und sogar Rückfahrkamera entdeckten, waren wir zumindest ein gaaaanz kleines bisschen zufrieden. Dafür würden wir in Kanada jedenfalls keinen großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und das war schließlich viel wichtiger (...redeten wir uns ein)! Als wir in Montréal ankamen, luden wir erstmal unsere Rucksäcke in unserem Appartement ab. Wir hatten ein kleines Appartement mit Kochzeile, auch wenn wir nicht vorhatten, zu kochen. Wir waren beide völlig fertig und konnten uns eigentlich kaum auf den Beinen halten, jedenfalls ging es mir so. Also half nur eines: ab in die Stadt und bewegen! Schließlich mussten wir noch bis abends durchhalten, bevor wir ins Bett gehen konnten, auch wenn es nach unserer inneren Uhr dann schon nachts war. Da wir hungrig waren, suchten wir einen Food Court und fanden eine kleine Shopping Mall mit Food Court in der Nähe unseres Appartements. Dort präsentierte mir Michael dann das erste kulinarische Highlight in Kanada: Poutine. Poutine besteht aus Pommes Frites, Käsestückchen, Wurststückchen und darüber Bratensoße. Es hört sich merkwürdig an, sieht merkwürdig aus, aber schmeckt uns als Fastfoodfans richtig gut. Danach fuhren wir mit der Metro in die Innenstadt und schauten uns die Crescent Street an, wo sich viele Pubs und Bars befinden. Unser kanadisches Biertasting startete dort mit leckerem Lager für mich und IPA für Michael. Nachdem wir uns dann wirklich nicht mehr wach halten konnten, fuhren wir mit der Metro zurück, kauften noch Wasser und etwas für unser Frühstück und fielen schließlich um 21 Uhr komatös ins Bett.

Vorbereitung

Welche Vorbereitung....? Dieses Mal gab es keine Vorbereitung. Wir bekamen zwei Wochen vorher unsere Reiseunterlagen und lasen unseren Tourverlauf durch. Ein paar Tipps setzten wir gleich in die Tat um, indem wir noch sonntags zwei Walbeobachtungstouren und ein Dinner auf einem Weingut buchten. Wir schauten noch nicht mal in die zwei Reiseführer, die wir für die Ostküste und die Westküste gekauft hatten bzw. den für die Ostküste vom Veranstalter geschenkt bekommen hatten, übrigens der neueste Iwanowski - Reisefans ist das ein Begriff! Die einzigen Vorbereitungen, die wir trafen, bestanden darin, unsere Arbeiten bzw. Akten fertig zu bearbeiten, bevor es losgehen sollte, damit die Kollegen nicht zu viel übernehmen mussten, und den Mandanten Bescheid geben. Zwei Tage vorher wurden dann die Rucksäcke und Compression Bags aus dem Keller geholt und wie üblich das dm leer gekauft. Freitags morgens packte Michael dann seinen Rucksack. Und ich? Ich packte gar nichts. Ich arbeitete bis Freitag Abend um 18 Uhr, fuhr dann nach Hause, packte nur meinen Kosmetikkram in den Rucksack, aß mit meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwiegermutter, feierte Abschied und setzte mich dann nochmal von 22 Uhr bis 2 Uhr nachts an meinen Laptop, um noch ein Gutachten und die letzten E-Mails fertigzustellen. Was für ein Glück, dass ich den besten Ehemann der Welt geheiratet habe und er für mich meinen Rucksack gepackt hatte. Er hatte mich nachmittags im Büro angerufen, um zu fragen, was ich gerne mitnehmen wolle und dann packte er, was er für richtig hielt. Ich ließ ihm völlig freie Hand und war einfach nur froh, dass er das für mich übernommen hatte. Ich war allerdings schon etwas gespannt, was ich wohl in Kanada anziehen würde ;-)!

Brisbane – mal zur Ruhe kommen

von Dani 3. Februar 2015: Als wir früh morgens nach 1 Stunde 50 Minuten Flugzeit in Brisbane ankamen, strahlte uns wieder die Sonne an, herrlich! Wir informierten uns kurz, wie wir am günstigsten in die Stadt kämen und nahmen dann den Airtrain, einen Zug, mit dem man für ca. 17 AUD direkt vom Terminal in die City fahren kann. An der Haltestelle Roma Street stiegen wir aus und liefen die letzten 500 Meter, schwer beladen mit unseren zahlreichen Rucksäcken und Taschen, bis zu unserem Appartementhotel Meriton Service Appartement in der Herschel Street. Da wir so früh ankamen, war unser Appartement natürlich noch nicht fertig, weshalb wir nur unser Gepäck abgaben und in die Stadt marschierten. Ursprünglich hatten wir überlegt, ob wir uns in Brisbane auch eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen sollten (hier "go card" genannt), ähnlich wie in Sydney die Opal Card. Als wir dann auf dem Weg in das recht überschaubare Stadtzentrum merkten, dass man hier alles fußläufig sehen und erledigen kann, verwarfen wir die Idee. Zudem gibt es in Brisbane ein kostenloses Wassertaxi namens CityHopper, das von Sydney Street bis North Quay an verschiedenen Haltestellen und Uferseiten hält. Dieses eignet sich auch bestens für eine kleine Sightseeingtour auf dem Wasser. Als wir im Stadtzentrum ankamen, schauten wir uns in Ruhe die Haupteinkaufsstraße Queen Street an und entdeckten zwischen vielen modernen Geschäften und Wolkenkratzern auch einige hübsche alte Büro- und Geschäftsgebäude mit aufwändig verzierten Fassaden. Michael setzte sich irgendwann in ein Café, während ich die Geschäfte durchstöberte - und natürlich in einem Art australischen H&M ein wenig fündig wurde. Glücklicherweise war hier überall schon Sale... :-). Nach einem gemütlichen Mittagessen in einem Restaurant in der Fußgängerzone schlenderten wir am frühen Nachmittag  zurück in unser Hotel. Auf unserem Weg lag ein großes Gerichtsgebäude, das sehr modern war und beeindruckend aussah. Da machte es sicherlich mehr Spaß, zu arbeiten, als in unseren teilweise sehr miefigen Gerichten in Deutschland. Als wir im Hotel ankamen, war unser Appartement einzugsbereit. Wir fuhren in den 20. Stock und staunten nicht schlecht, als wir unser Appartement betraten. Wir hatten zu einem Spottpreis im Internet für drei Tage ein wunderschönes, großes und modernes 2-Zimmer-Appartement, das in allen Zimmern riesige Glasfronten besaß, die einen atemberaubenden Blick auf die Wolkenkratzer boten - besonders nachts, wenn alle Lichter brannten, war der Blick überwältigend. Wir waren restlos begeistert und freuten uns tierisch über diese traumhafte Bleibe für die nächsten Tage!! Wir waren ziemlich fertig und relaxten an diesem Nachmittag einfach in unserem Appartement, wir schrieben ein wenig in unser Reisetagebuch und sicherten Fotos. Abends sind wir dann nur noch schnell um die Ecke in einen "bottle shop" gelaufen, um Bier für unser Abendessen zu kaufen. Alkohol kann man hier nicht im Supermarkt kaufen, sondern nur in streng davon getrennten Geschäften, sog. bottle shops, die ausschließlich Alkohol anbieten. In dem Geschäft herrschte eine Temperatur von gefühlten 0 Grad und das Mädchen hinter der Kasse war in einen dicken Anorak eingepackt. Hier könnte ich NIEMALS arbeiten. In Windeseile kauften wir unser Bier, marschierten zurück in unser Appartement und bestellten uns beim Inder zwei leckere Gerichte. Es war ein herrlich entspannter Abend, den wir gemütlich vor dem Fernseher verbrachten! Es war schön, auch mal einen Abend nichts zu tun und einen "normalen" Abend - fast wie zuhause - in Brisbane zu verbringen. Es fühlte sich fast so an, als würden wir hier leben! Toll!! 4. Februar 2015: Am nächsten Morgen frühstückten wir in einem kleinen Café direkt neben dem Hotel. Ich bestellte ein Muffin mit Himbeeren, einen grünen Tee und einen griechischen Joghurt mit Passionsfrucht. Michael bestellte ein warmes Croissant mit Schinken und Ei, auch einen griechischen Joghurt und einen doppelten Espresso. Eigentlich nicht viel, aber wir zahlten ca. 25 AUD. Brisbane war noch mal ein wenig teurer als Sydney - so kam es uns jedenfalls vor. Nach dem Frühstück zogen wir uns nochmal kurz um, da es doch nicht so warm war, wie es ausgesehen hatte und liefen dann in die Stadt. Heute war das Projekt "Brille für Dani" angesagt. Ich hielt es einfach nicht mehr aus, 12 Stunden täglich die Kontaktlinsen zu tragen, die ich spätestens abends ausziehen musste und dann nicht mehr viel sah. Da "wir" leider meine schöne Brille in Neuseeland auf einer Parkbank vergessen hatten, musste ich nun eine Neue finden. Problematisch war nur, dass wir nur noch zwei Tage in Brisbane waren. Wir steuerten zielstrebig den ersten Optiker an, den wir im Internet gefunden hatten. Aber leider dauerte es bei ihm ca. zwei Wochen, bis die Brille fertig sei. Also auf zum nächsten Optiker - aber auch hier hatten wir kein Glück, hier würde es eine Woche dauern. Allerdings erhielten wir den Tipp, zu einem weiteren Optiker zu gehen, der auch in der Nähe war und der bekannt für die schnelle Fertigung sei. Zehn Minuten später standen wir in dem kleinen Shop von LensPro in der Queen Street Mall (www.lenspro.com.au) , einer großen Einkaufsmall. Tatsächlich konnte ich hier eine Brille binnen einer halben Stunde bekommen - WAHNSINN!!! Ich musste allerdings noch einen Sehtest machen und ein hübsches, nicht allzu teures Gestell aussuchen - was ohne Brille nicht so einfach ist ;-)! Als ich beides erledigt hatte, fertigte der Optiker vor unseren Augen in einem kleinen Labor die Gläser, in der richtigen Stärke, entspiegelt und mit allem, was dazu gehört. Und dann gab es sogar noch ein Angebot, mit dem ich ein zweites Gestell kostenlos bekommen konnte und nur die Gläser zahlen musste. Wow! Da "wir" jederzeit wieder meine neue Brille verlieren konnten, nahm ich das Angebot an und erhielt meine zweite Brille. Endlich konnte ich wieder richtig sehen! Juhuuu! Bebrillt und glücklich schlenderten wir zu einem Markt vor dem City Council und gegenüber der Queen Street. Wir betrachteten neugierig die Stände, die andere Sachen anboten, als auf unseren Märkten zuhause, vor allem natürlich anderes Gemüse und Obst. Hier wurden  auch sehr gesunde Lebensmittel, Salate und Gerichte angeboten. Wir tranken einen Saft aus Zuckerrohr, der etwas eigenartig schmeckte und entschieden uns für einen gemischten Salat mit Bulgur, Couscous, Hummus und Gemüse, der sehr lecker war. Danach gingen wir zur Anlegestelle des kostenlosen CityHoppers, die wir einen Tag vorher entdeckt hatten. Wir hatten Glück und nach kurzer Wartezeit kam ein CityHopper Boot angefahren und nahm uns mit. Wir fuhren die gesamte Strecke bis zum North Quay mit und schauten uns jede Anlegestelle an, um zu entscheiden, was wir uns heute oder morgen anschauen wollten. Insgesamt dauerte die Fahrt ca. eine Stunde und wir sahen vom Wasser aus wunderschöne Ecken von Brisbane. Michael sah nicht so viel, da er nach den ersten zehn Minuten eingeschlafen war, fand die Fotos nachher aber toll ;-). Schließlich stiegen wir an der Anlegestelle South Bank 3 aus und erkundeten die South Bank Parklands, eine riesige öffentliche Parkanlage mit Restaurants, einem Strand und künstlich angelegten Badesee, verschiedenen Gärten und kleineren Shops, die auf dem ehemaligen Expo Gelände auf Wunsch der Bevölkerung angelegt worden war. Wir spazierten durch diese wunderschöne grüne Oase in Brisbane, setzten uns in die Stoke Bar (www.stokehousebrisbane.com.au) und genossen die Sonne. Es war sehr entspannend! Gegen Abend spazierten wir zum Hotel zurück und nahmen uns bei einem Japaner unser Abendessen mit, das wir wieder gemütlich vor dem Fernseher aßen. 5. Februar 2015: Auch den nächsten Tag hatten wir keine Lust auf Action, sondern wollten lieber wieder in den South Bank Parklands entspannen. Wir wollten dieses Mal in einem etwas günstigeren Café frühstücken, suchten uns aber die Hacken ab und endeten letztlich, gereizt und ausgehungert, in einem noch teureren Café :-(. Nach dem Frühstück packten wir unsere Badesachen und spazierten zu dem dortigen Stadtstrand, wo wir den Nachmittag in der Sonne lagen und schwammen. Erst als es gegen Abend kühler wurde, machten wir uns auf den Rückweg. Heute, an unserem letzten Abend in Brisbane, wollten wir dann doch mal wieder essen gehen. Wir fuhren mit dem CityHopper zur Haltestelle Eagle Street Pier, wo wir ausstiegen und uns die Promenade mit stylischen Restaurants und Bars anschauten, bevor wir uns für das Steakhouse Pony Dining (www.ponydining.com.au/pony_brisbane) entschieden. Leider war es etwas kühl geworden und wir falsch angezogen, so dass wir zähneklappernd auf einer wunderschönen Terrasse mit Blick auf den Brisbane River unser hervorragendes Steak herunterschlangen, um schnell zu bezahlen und wieder ins Hotel zurück zu fahren. Klar hätten wir uns auch in das Restaurant hinein setzen können, wären dort aber sicherlich binnen zehn Minuten an Unterkühlung gestorben, da die Klimaanlage auf Gefrierschranktemperatur eingestellt war. So hatten wir allerdings genügend Zeit, unsere Sachen zu packen, uns noch ein wenig die Nasen an den großen Fenstern unseres Appartements platt zu drücken und das Lichtermeer zu genießen. 6. Februar 2015: Heute war leider schon unser Abreisetag. Aber das nächste Abenteuer wartete - wir wollten heute unseren Camper abholen. Michael besorgte wieder in dem Café neben dem Hotel Frühstück. Danach checkten wir aus und machten uns, wieder wie zwei Packesel beladen, auf den Weg zum Bahnhof, wo wir den Zug zur Northgate Station nahmen. Einerseits waren wir traurig, unser schönes Appartement verlassen zu müssen, andererseits freuten wir uns auf die Tour mit dem Camper. Wir fragten uns auf der Zugfahrt, wie unser Camper wohl aussehen würde? Hoffentlich nicht zu schrabbelig! Die Spannung stieg ...!