Archiv für den Monat: August 2016

Zurück in Montreal

Am nächsten Morgen winkten wir noch Michel und seinem Freund zum Abschied, bevor es auch für uns hieß, von diesem wunderschönen Ort Abschied zu nehmen. Bei schönstem Wetter verließen wir also La Tuque (http://www.toponymie.gouv.qc.ca/ct/ToposWeb/fiche.aspx?no_seq=285890 ; https://de.m.wikipedia.org/wiki/La_Tuque) und fuhren entlang des Nationalparks La Mauricie (http://www.pc.gc.ca/eng/pn-np/qc/mauricie/index.aspx) wieder zurück Richtung Montreal, wo wir eine Nacht verbringen würden, bevor wir von dort nach Ottawa zu unserem Freund Nasser und seiner Familie fahren würden. Sicherlich hätte man in dem Nationalpark ein paar Stopps an wunderschönen Seen einlegen können, aber wir wollten lieber nach Montreal fahren und uns die Stadt noch ein wenig anschauen. Wir brauchten mal wieder einige Zeit, um die ca. 220 km zu bewältigen. Man fährt in Kanada sehr oft über Landstraßen, auf denen man max. 80 km/h fahren darf und auch auf den Highways darf man nur 100 km/h fahren. Aber wir hielten auch an einigen schönen Spots an, an denen wir Fotos machten. Die längste Zeit standen wir allerdings im Stau stadteinwärts vor Montreal. Wir brauchten fast 1,5 Stunden vom Ende des Higways bis zu unseren Appartements Candlewood Suites, wo wir auch bei unserer Ankunft übernachtet hatten. Nachdem wir unsere Rucksäcke in unserem Appartement abgelegt hatten, machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg ins Stadtzentrum und zum Mont Royal, einem kleinerem Berg im Stadtviertel Mont Royal, das mit seinen ausgefallenen Boutiquen und Geschäften, vielen netten Bars und entspannt wirkenden Menschen ein wenig an einen Hippiestadtteil erinnerte. Wir liefen durch den wunderschönen Parc du Mont-Royal, der den 233 m hohen Mont Royal (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mont_Royal) umgibt. In der Hitze von 30 Grad war es für uns mittlerweile eher unsportlich gewordene Backpacker wirklich anstrengend, den Berg hochzukraxeln. Als wir endlich an einer Straße landeten, waren es immer noch ca. 2 km bis zur Aussichtsterrasse. Von der Straße aus hatten wir jedoch schon einen tollen Blick auf die Stadt, den wir auch kurz für eine Verschnaufpause ausnutzten. Nach einem Wassereis (wir brauchten schließlich viel Flüssigkeit ;-)) wanderten wir weiter. Als wir oben ankamen, fanden wir die Aussichtsterrasse jedoch immer noch nicht. Da es in Kanada recht unüblich zu sein scheint, Beschilderungen anzubringen, fragten wir andere Touristen, die den Weg jedoch genauso wenig kannten. Wir wanderten also auf gut Glück nach links und kamen tatsächlich nach nochmal 15 Minuten endlich an. Unterwegs sahen wir an dem großen Kreuz, das auf dem Berg installiert ist und nachts beleuchtet wird, ein weißes Eichhörnchen. Wir bzw. ich war entzückt! Ein weißes Eichhörnchen hatte ich bis dahin noch nie gesehen, ich wusste noch nicht einmal, dass es sowas überhaupt gibt. Vielleicht war es aber auch nur ein Albino-Eichhörnchen...mmhh, das müssten wir definitiv mal googeln (hier die Auflösung: http://www.tierchenwelt.de/tierleben/3051-albino-tiere-weiss.html...das Eichhörnchen, das wir gesehen hatten, hatte keine roten Augen und war daher ein unechtes Albino-Eichhörnchen mit dem Gendefekt Leuzismus). Später sahen wir auch noch ein schwarzes Eichhörnchen, das aber keine Lust hatte, sich ablichten zu lassen. An der Aussichtsterrasse angekommen, wurden wir mit einem traumhaften Blick auf die Skyline Montreals belohnt. Es war herrlich, die Mühe hatte sich wirklich gelohnt! Auf der anderen Seite der Terrasse führte ein Weg wieder hinunter ins Stadtzentrum und endete direkt an der Universität. Wir liefen immer geradeaus weiter und wollten eigentlich zur U-Bahn laufen, als wir auf einmal mitten in einer großen Einkaufsstraße standen. Oh nein, wie "schrecklich" :-)!!! Shoppen, juhuuu, ....dachte sich dieses Mal anscheinend mein lieber Ehemann und stürmte gleich den ersten Laden. Naja, zugegeben, ich stürmte den ersten Laden, in dem dann aber Michael sehr fündig wurde und sich ein paar tolle Sachen kaufte. Ich war nur Einkaufsberaterin, war damit aber auch ganz glücklich. Danach liefen wir mit einer riesigen Tüte beladen endlich zur U-Bahn und fuhren zurück ins Appartement, wo wir uns schnell frisch machten, umzogen und dann ein Taxi zum Restaurant "Queue de Cheval" (http://mobile.queuedecheval.com) nahmen. Michael hatte hier bereits morgens online einen Tisch reserviert. Er kannte das Restaurant noch von seinem ersten Montreal Besuch vor 5 Jahren und war damals von den Steaks begeistert gewesen. Das Restaurant gehört zu den besten Steakrestaurants Montreals und ist nicht ganz billig. Aber wir wollten uns das einmal gönnen. Auch wenn der Name erst einmal in die Irre führt ("Pferd"), bekommt man hier wirklich ausgezeichnete Rindersteaks. Entsprechend lecker war unser Essen! Wir saßen draußen und hatten einen tollen Abend. Danach kugelten wir uns zur nächsten U-Bahnstation und fuhren in die Altstadt Montreals. Allerdings ist diese weniger spektakulär, wenn man richtige Altstädte wie in Deutschland gewohnt ist. Es gab einige nette Boutiquen und ein paar schöne Bars, aber sonst auch nichts Besonderes. Nach einem Drink in einer sehr gemütlichen Bar fuhren wir wieder zurück ins Appartement und fielen müde ins Bett. Wir freuten uns auf den nächsten Tag, wo es zu Nasser und seiner Familie nach Ottawa gehen sollte. Montreal hat uns gut gefallen, wäre aber nicht wieder ein Muss auf einer weiteren Kanadareise. Vielleicht haben wir aber auch zu wenig gesehen, wer weiß...

La Tuque

Irgendwie war ich noch nicht richtig im Reisemodus, wie ich am nächsten Morgen merkte. Ich fand nämlich nichts in meinem Rucksack. Normalerweise habe ich irgendwann eine gewisse "Ordnung" und weiß, in welchem compression bag oder in welcher Seitentasche meines Rucksacks bestimmte Sachen sind. Aber anscheinend fand ich noch nicht den richtigen "Flow". Außerdem stellte ich mittlerweile fest, dass mir mein Schatz neben sehr vielen nützlichen Dingen auch so manches nicht brauchbare Teil eingepackt hatte. Ich fragte mich jedenfalls, wo er wohl glaubte, dass ich meine Dirndlbluse und eine weitere schicke Bluse brauchen würde. Dafür verzichtete er klugerweise auf zu viel Gepäck und packte mir nur zwei T-Shirts ein. Optimistischer Weise ließ er auch meine Regenjacke getrost im Schrank hängen. Aber wie bereits gesagt, war ich sehr froh gewesen, dass er das Packen für mich übernommen hatte, weshalb ich das alles nur mit einem Schmunzeln registrierte und mich schon aufs Shoppen freute ;-)...immerhin hatte ich nun einen triftigen Grund! Nach einem leckeren Frühstück mit Spiegeleiern, Toast und Würstchen waren wir wieder "back on track". breakfast Heute ging es nach La Tuque. Merkwürdigerweise fand unser Navi die genaue Zieladresse unserer Unterkunft nicht, was uns ein wenig stutzig machte. Wir gaben nur den Ort ein und tuckerten auf einer herrlichen Route entlang von Flüssen und Seen und mit einigen Foto-Stopps gemütlich Richtung La Tuque. Die Strecke war 225 km lang und wir brauchten etwa 4,5 Stunden. Als wir nachmittags in La Tuque ankamen, merkten wir schnell, dass wir wohl in der hintersten Region Quebecs gelandet waren. Hier konnte nämlich keiner mehr Englisch sprechen. Es war unglaublich. Michael fand an einer Tankstelle glücklicherweise einen Mann, der uns als einziger auf Englisch den Weg erklären konnte. Das Quebecois dieser Region verstanden wir einfach nicht mehr, da der Akzent hier ganz anders klang als in Quebec und Montreal. Gemäß der Erklärung sollten wir ca. 8 km geradeaus fahren, dann links abbiegen, dann nochmal 13 km fahren und dann würden wir unseren Club Odanak, wie unsere Unterkunft hieß, schon finden. Also machten wir uns auf den beschriebenen Weg, fuhren aber natürlich aufgrund der ungenauen Kilometerangabe und unserer verpeilten Art, Schilder nicht genau zu lesen, erstmal an der einzigen Abbiegung weit und breit vorbei und noch einige Kilometer in die falsche Richtung, bevor wir umkehrten und dann endlich die richtige Abbiegung und dort auch das Hinweisschild auf den Club Odanak fanden. Super, das war geschafft. Nun nur noch 13 km und wir wären endlich da. Nach kurzer Zeit kamen wir von einer befestigten Straße auf eine Schotterpiste ("dirt road"). Pickups und große Trucks donnerten mit einem Affenzahn an uns vorbei und hinterließen jedes Mal eine riesige Staubwolke, die uns so einnebelte, dass wir nichts mehr sehen konnten. dirt road Allerdings schienen wir uns wohl noch auf einer öffentlichen Straße zu befinden. Soweit so gut. Ein Geländewagen oder ein Pickup wäre hier allerdings die bessere Wahl gewesen. So zuckten wir bei jedem Schlagloch und den Steinen, die an unser Auto prasselten, zusammen und fuhren recht unentspannt weiter durch den Wald, durch den die "Straße" führte. Unser armer Mietwagen und unser armer Geldbeutel, dachten wir, falls wir die ganzen Kratzer bezahlen müssten. Als wir uns gerade fragten, ob wir hier wirklich richtig waren, kam eine Abbiegung mit einem winzig kleinen Schild "Club Odanak". Ein Glück, dass gerade kein Truck vorbei gefahren war, sonst hätten wir die Abbiegung vor lauter Staub glatt verpasst. Unser kleiner Nissan musste nun einen wirklich steilen, sandigen und mit noch größeren Schlaglöchern übersäten Berg, einige steilere Passagen und viele Kurven bewältigen, bevor der Wald nach weiteren 4 Kilometern plötzlich den Blick auf einen herrlichen, von Tannen umringten einsamen See freigab, vor dem ein großes Holzhaus stand. Es war ein wunderschöner Anblick und wir freuten uns riesig, dass wir an einem so schönen Ort gelandet waren, wo wir die nächsten zwei Tage in absoluter Abgeschiedenheit und Ruhe verbringen würden! Es war traumhaft! Genauso hatten wir uns unseren Urlaub in Kanada gewünscht - viel Sonne, Natur und Ruhe! Kurz nachdem wir eingecheckt hatten, starteten wir unsere Erkundungstour, wobei es glücklicherweise nicht viel zu erkunden gab. Der "Club" bestand aus einem etwas größeren Haupthaus, in dem sich unser Zimmer mit Blick auf den See (Hurra!!!), eine kleine Bar und ein kleines, einfaches Restaurant befanden. Überhaupt war alles sehr einfach ausgestattet und eingerichtet, die Zimmer hatten keinen Fernseher und es gab kein Netz - es war einfach nur herrlich und wir vermissten überhaupt nichts!!! Ansonsten gab es noch vier weitere kleinere Holzhäuser mit Zimmern und Appartements. Direkt am See war ein größerer Holzsteg und auf dem See befand sich eine kleine Badeinsel aus Holz. Am Steg fanden wir Kanus und Kayaks, in einem weiteren kleinen Nebenhaus die dazugehörigen Paddel und Schwimmwesten. Natürlich starteten wir sofort eine Kanutour mit Stechpaddeln. Wir stiegen in das Kanu ein, ich versuchte uns vom Steg wegzudrücken, lehnte mich zur Seite - und wir lagen nach zwei Sekunden im Wasser. Super Start....aber leider kenne ich mich nur mit Segelbooten aus, die glücklicherweise nicht so schnell kentern. So ein blödes Kanu! Also zweiter Versuch. Kanu umdrehen, Wasser ausschütten, einsteigen, NICHT bewegen und ganz vorsichtig vom Steg wegpaddeln! Dieses Mal funktionierte es und wir paddelten langsam, aber ziemlich verkrampft, da sich keiner mehr zu bewegen traute, über den See und genossen die Natur und das herrliche Wetter. Es war weit und breit nichts zu hören, bis auf ein Knacken und Rascheln in den Büschen und Bäumen am Ufer. Diese Stille war unglaublich!! Anfangs beobachteten wir noch etwas ängstlich das Ufer, ob ein Bär oder ein Wolf auftauchte, aber irgendwann entspannten wir uns. Wir verbrachten den ganzen restlichen Nachmittag am See, genossen die Ruhe und konnten es kaum fassen, dass wir an diesem wunderschönen Ort gelandet waren. Der Sonnenuntergang war herrlich und wir konnten nicht mehr aufhören, zu schwärmen und zu fotografieren. Den Sonnenuntergang haben wir wohl ziemlich sekundengenau abfotografiert ;-)! sundown Abends aßen wir dann unseren ersten Elch. moose Der Geschmack des Fleisches erinnerte uns ein wenig an Rind und Wildschwein. Es war sehr lecker und wir hatten einen sehr lustigen Abend! Einige Biere später lagen wir im Bett und freuten uns auf den nächsten Tag! Am nächsten Tag wanderten wir ein wenig um den See und nahmen danach den Bootssteg für uns in Beschlag. wanderung Außer faul in der Sonne zu liegen und zwischendurch mit dem Kayak nach Biebern Ausschau zu halten, machten wir rein gar nichts! Abends lernten wir auf der Terrasse zwei 70jährige Männer kennen, die aus der Region Quebec kamen und gemeinsam auf ihren ATVs (all terrain vehicles, bestehend aus einem Quad und einem offenen quadähnlichen Buggy) unterwegs waren. guys Michel Schmitt (rechts), so hieß einer von beiden, war als Kind von Frankfreich mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert und ein erfolgreicher Motocrossrennfahrer gewesen. Sein Geld verdiente er immer noch mit dem Lackieren bzw. Airbrushing von Motorrädern. Sein Freund war einmal Lehrer für Robotics gewesen und nun pensioniert. Beide erzählten uns von ihren wahnsinnigen Touren, die sie regelmäßig gemeinsam oder auch mal getrennt unternahmen. Jedes Jahr fahren sie im Sommer mehrere tausend Kilometer über dirt roads und Waldwege querfeldein bis zu einem bestimmten Ziel, wobei sie immer Stopps an herrlichen Plätzen wie diesem hier einlegen. Wir konnten kaum glauben, dass ein 70jähriger zwei Wochen oder mehr jeden Tag von morgens bis abends auf einem Quad sitzend durch die Wälder Kanadas heizt. Was für eine enorme Belastung! Aber die beiden hatten einfach nur Spaß daran und genossen ihren Trip sichtlich. Michels Freund empfahl uns außerdem eine mehrwöchige Tour im Winter mit einem Snowmobil bis nach Labrador. Er hatte so schon 5.000 km in sechs Wochen zurückgelegt. Überhaupt besaß wohl fast jeder Kanadier auf dem Land ein Snowmobil, da dies im Winter auf dem Land das beste und populärste Fortbewegungsmittel sei und es wohl mehr Routen für Snowmobile als ausgebaute Straßen in Kanada gibt. An den Straßen stehen auch tatsächlich sehr oft Schilder, die auf die Gefahr eines die Straße kreuzenden Snowmobils hinweisen. Wir hatten einen lustigen Abend mit den "Jungs" und glücklicherweise in Englisch. Einzig die Ankunft und Abfahrt unserer Jungs mit ihren ATVs sorgten für etwas Lärm, den wir jedoch gerne im Gegenzug für die interessanten Geschichten in Kauf nahmen. Als wir am nächsten Morgen Richtung Montreal aufbrachen, waren wir ein wenig traurig, dass wir den Club Odanak schon verlassen mussten. Am liebsten hätten wir hier eine ganze Woche verbracht. Aber schließlich warteten noch weitere schöne Stationen auf uns...

Tadoussac „Whale Watching“

Eigentlich hieß unsere nächste Station Saguenay. Aber in unserer Reiseroutebeschreibung wurde ein Abstecher nach Tadoussac empfohlen, um dort eine whale watching tour zu machen. Da wir in Neuseeland damals keine bzw. nur für ein paar Sekunden die Schwanzflosse eines Pottwals gesehen hatten, reservierten wir für Tadoussac bereits eine Woche vor unserem Abflug Tickets für eine Tour. Strecke Tadoussac Die Strecke nach Tadoussac führte uns über die üblichen Highways und schließlich entlang des St. Lorenz Stroms bis St. Anne. Als wir den Strom das erste Mal sahen, dachte ich, dass wir das Meer sehen, bis mir Michael zum wiederholten Male erklärte, dass dies ein Fluss sei. Der St. Lorenz Strom ist so breit, dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Es sieht aus, als wäre man am Meer. Kurz vor Tadoussac fuhren wir auf eine Fähre, die uns nach Tadoussac transportierte. Tadoussac ist ein kleines Örtchen am St. Lorenz Strom, das sehr bekannt ist für die whale watching tours. Wir kamen gerade rechtzeitig an, um uns anzumelden und unsere wasserdichten Hosen und wasserdichten Jacken zu erhalten, bevor wir auf unser Zodiac (ein etwas größeres Schlauchboot für ca. 20 Personen mit einem enorm starken Motor) geführt wurden. Und schon ging es los! Kurz nachdem wir die Bucht von Tadoussac verlassen hatten, sahen wir tatsächlich die ersten Wale - Beluga Wale. Damit hatte sich die Tour schon gelohnt, da wir bereits mehr Wale sahen als in Neuseeland. Aber es sollte noch viel besser werden! Wir fuhren weiter hinaus auf den Strom und sahen so viele Wale, dass wir aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen. Michael versuchte Fotos zu machen, ich versuchte Videos zu machen. Aber vor lauter Überraschung über ein plötzliches Auftauchen eines Wales ganz in der Nähe unseres Bootes verrissen wir sehr oft unsere Kameras, so dass wir letztendlich sehr viele Fotos vom Himmel, von Händen oder auch vom Rand des Schlauchbootes machten. Trotz der großen Aufregung und Freude gelang es uns zum Schluss doch noch, auch ein paar Fotos und Videos der Finn-, Mink- und Buckelwale zu machen, die teilweise direkt neben unserem Boot oder in weiterer Entfernung ab- und auftauchten. Es war unglaublich und bereits jetzt eines der schönsten Erlebnisse unserer Reise! Nach dieser tollen Tour, die ca. 3 Stunden dauerte, mussten wir auf der Fahrt nach Saguenay erst einmal die Eindrücke verarbeiten, die wir kurz zuvor gewonnen hatten. Den Rest der Fahrt entlang der spektakulären Fjorde nahmen wir gar nicht mehr richtig wahr. Zwei Stunden später kamen wir in dem auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulären Stadt Saguenay an, wo wir allerdings in dem wohl einzigen 4-Sterne-Hotel der ganzen Reise abstiegen. Dass das Hotel in einem Gewerbegebiet lag, war uns relativ egal, da wir nur noch ins Bett fielen.

Quebec

Am nächsten Morgen starten wir nach unserem ersten kanadischen Frühstück mit Schokocroissants, Kaffee und einem gesunden Smoothie in Richtung Quebec. Die Strecke führte uns auf einer Autobahn auf dem Chemin du Roy vorbei an Wäldern, Wiesen mit viel Schilf und hübschen Blumen, lustigen neuen Straßenschildern wie "Achtung Elche", diversen Wendemöglichkeiten auf der Autobahn und irrsinnigen Gefährten ("Schatz, guck mal, da zieht ein Wohnmobil ein Auto hinter sich her! - Was? Kann nicht sein...Ach, tatsächlich!"). Etwas gewöhnungsbedürfig war unsere Reisegeschwindigkeit mit maximal 110 km/h auf der Autobahn! Und hierbei überschritten wir schon die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Wir benötigten daher für die Strecke von 255 km ca. 4 Stunden. In Quebec angekommen fanden wir uns in einem netten Motel "Le Chateauguay" wieder, obwohl der Name mehr versprach, als dahinter steckte ;-). Leider befand sich unser "Chateau" etwas außerhalb von Quebec, weshalb wir mit dem Auto in die Stadt fahren mussten. Als wir eincheckten, freuten wir uns, dass wir sogar ein continental breakfast für nur 2 Dollar pro Person bekamen. Wir waren begeistert, wie günstig das war, immerhin waren das umgerechnet nur ca. 1,40 EUR pro Person. Wir entluden unser Auto und machten uns gleich auf den Weg in die Altstadt von Quebec. Im Parkhaus zahlt man 20 Dollar für ein Tagesticket, was nicht ganz billig ist. Aber der öffentliche Nahverkehr fährt nicht immer in die gewünschte Richtung. Daher ist das Auto hier das Transportmittel erster Wahl. Die Altstadt von Quebec war sehr schön, auch wenn unsere Fotos am ersten Tag nicht so spektakulär wurden, da das Wetter immer noch grau in grau war. Die Innenstadt sieht fast wie in einer alten gut erhaltenen europäischen Stadt aus mit vielen hübschen alten Häusern, kleinen Gassen, Kopfsteinpflaster, alten Mauern und kleinen Geschäften. Der untere Bereich der Altstadt ist über einige Stufen zu erreichen und erstreckt sich bis zum Hafen. Was uns allerdings nicht gefallen hat, war der immense Andrang an Touristen (ok, wir waren natürlich auch welche). Die Stadt war völlig überlaufen von Touristen aller Nationen, die in großen Bussen angekarrt wurden. In dem unteren Bereich der Altstadt fühlten wir uns teilweise an die Drosselgasse in Rüdesheim erinnert. Wir aßen Crepes und tranken Cidre und fühlten uns fast wie in Frankreich. Auch, weil überall Französisch gesprochen wurde. In Montreal konnten wir uns noch mit Englisch verständigen, aber hier ging ohne Französisch gar nichts! Allerdings war das trotz unserer Französischkenntnisse, die ich tatsächlich als gar nicht so schlecht beschreiben würde (jedenfalls in der Not), sehr schwierig, da Quebequois irgendwie ein ganz anderes Französisch ist. Die Aussprache ist ganz anders, mehr amerikanisch, es werden andere Wörter benutzt und englische Floskeln einfach ins Französische umgemünzt. So sagen die Kanadier üblicherweise nach einem "Dankeschön" "you are welcome". In Quebequois heißt es dann schlicht "bienvenue". Eigentlich logisch. Aber wenn man sein Essen erhält und "merci beaucoup" sagt und dann "willkommen/bienvenue" geheißen wird, ist das irgendwie merkwürdig! Abends aßen wir im Restaurant des Hyatt Hotels im 26. Stock. Das Restaurant drehte sich um 360 Grad und bot eine phänomenale Sicht auf Quebec. Allerdings war das Essen teuer und furchtbar. Nachts im Motel wurde uns dann bewusst, dass wir nicht in einem Chateau waren, sondern praktisch neben der Autobahn schliefen. Ich schob mir meine Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren, auch auf die Gefahr hin, den Rest der Reise taub zu bleiben. Alles andere war unerträglich, außer für Michael, der auch neben einem startenden Jet schlafen kann - incroyable! Am nächsten Morgen freuten wir uns auf unser Frühstück. Den beißenden Chlorgeruch am Eingang des Frühstücksraums ignorierten wir einfach. Und dann eröffnete sich ein spektakuläres Frühstücksbuffet vor uns! Spektakulär aber mehr im Sinne von "wahnwitzig", "unfassbar", "noch nie sowas gesehen"! Wir hatten die Auswahl zwischen Toast, abgepackten Muffins, Cornflakes, gesalzener Butter, Marmelade und Honig. Alles schön in Plastik verpackt, Hauptsache nicht frisch. Der Kaffee schmeckte schon angebrannt und der Saft war auch nicht wirklich genießbar. Aber der Hammer war, dass es nur Styroporteller und -becher und Plastikbesteck gab. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was irgendwann in verzweifeltes und hysterisches Lachen überging. Wir fanden aber schließlich doch noch etwas zu essen und passten uns der Situation schnell an - wir sind ja schließlich Backpacker! Die schockt natürlich gar nichts! Der Abfall war auch schnell entsorgt, da wir alles nur in die daneben stehenden Mülleimer werfen mussten. Umweltschutz scheint in Kanada noch ein Fremdwort zu sein. Wir mochten uns gar nicht vorstellen, wie viel Müll allein in diesem Motel pro Jahr produziert wurde. Danach machten wir uns auf zu dem Montmorency Wasserfall, der zwar an sich schön anzusehen war, aber direkt an der Hauptstraße lag und natürlich auch wieder ziemlich überlaufen war. Dies lag aber auch daran, dass wir endlich tolles Wetter und strahlenden Sonnenschein genießen konnten. Der erste Tag mit Sommerfeeling und kurzen Klamotten, herrlich! Wir machten uns wieder auf in die Stadt, spazierten durch die Gassen und in den Abraham Park, wo wir die Sonne genossen. Abends aßen wir in einem urigen Restaurant, das typisches Quebequois Essen anbot, das sehr lecker war. Am nächsten Morgen hieß es dann nochmal "Styropor-Frühstück" und ab zur nächsten Station... Alles in allem war Quebec sehr hübsch, aber für uns etwas zu überlaufen.

Los geht’s

Michaels Mutter fuhr uns zum Flughafen in Frankfurt, wo wir um 10.15 Uhr in Richtung Montréal abflogen. Den Urlaubsbeginn begossen wir, wie üblich, mit einem ersten Bier am Flughafen! Tradition bleibt Tradition! Der Flug war sehr ruhig und da ich nachts nur 2,5 Stunden geschlafen hatte, schlief ich im Flieger. Wir kamen um 12.10 Uhr in Montréal an - und hatten mieses Wetter und Regen. Das durfte ja wohl nicht wahr sein. Zuhause war plötzlich der Sommer ausgebrochen mit 30 Grad und Sonne pur und wir landeten im URLAUB in einem verregneten Kanada!!! Ich war bedient, da jeder, der mich kennt, weiß, wie wichtig Sonne für mich ist und erst recht im Urlaub. Na toll, das fing ja gut an! Wir trotteten los, passierten recht schnell den Zoll und warteten dann ziemlich lange auf unser Gepäck. Die gute Laune war dann schon wieder getrübt, als wir feststellten, dass mindestens eine der beiden Flaschen Wein in Michaels Rucksack, die wir unseren Freunden in Ottawa mitbringen wollten, den Flug nicht überlebt hatte und nun Michaels Sachen "parfümierte". Trotz penetrantem Weingeruch gaben wir an der Zollkontrolle brav den Zettel ab, auf dem wir versichert hatten, keinen Alkohol einzuführen - und dann waren wir offiziell in Kanada! An der Mietwagenstation am Flughafen trotteten wir dem Guide an tollen riesigen, mit Chrom verzierten Pickups und Geländewagen vorbei, bis wir vor unserem Mietwagen standen - einem roten Nissan Note! Aaaahhh....aber na gut, wir hatten eben die Low Budget Tour gebucht und versuchten uns, mit unserem Zwergengefährt anzufreunden. Nachdem wir Klimaanlage und sogar Rückfahrkamera entdeckten, waren wir zumindest ein gaaaanz kleines bisschen zufrieden. Dafür würden wir in Kanada jedenfalls keinen großen ökologischen Fußabdruck hinterlassen und das war schließlich viel wichtiger (...redeten wir uns ein)! Als wir in Montréal ankamen, luden wir erstmal unsere Rucksäcke in unserem Appartement ab. Wir hatten ein kleines Appartement mit Kochzeile, auch wenn wir nicht vorhatten, zu kochen. Wir waren beide völlig fertig und konnten uns eigentlich kaum auf den Beinen halten, jedenfalls ging es mir so. Also half nur eines: ab in die Stadt und bewegen! Schließlich mussten wir noch bis abends durchhalten, bevor wir ins Bett gehen konnten, auch wenn es nach unserer inneren Uhr dann schon nachts war. Da wir hungrig waren, suchten wir einen Food Court und fanden eine kleine Shopping Mall mit Food Court in der Nähe unseres Appartements. Dort präsentierte mir Michael dann das erste kulinarische Highlight in Kanada: Poutine. Poutine besteht aus Pommes Frites, Käsestückchen, Wurststückchen und darüber Bratensoße. Es hört sich merkwürdig an, sieht merkwürdig aus, aber schmeckt uns als Fastfoodfans richtig gut. Danach fuhren wir mit der Metro in die Innenstadt und schauten uns die Crescent Street an, wo sich viele Pubs und Bars befinden. Unser kanadisches Biertasting startete dort mit leckerem Lager für mich und IPA für Michael. Nachdem wir uns dann wirklich nicht mehr wach halten konnten, fuhren wir mit der Metro zurück, kauften noch Wasser und etwas für unser Frühstück und fielen schließlich um 21 Uhr komatös ins Bett.

Vorbereitung

Welche Vorbereitung....? Dieses Mal gab es keine Vorbereitung. Wir bekamen zwei Wochen vorher unsere Reiseunterlagen und lasen unseren Tourverlauf durch. Ein paar Tipps setzten wir gleich in die Tat um, indem wir noch sonntags zwei Walbeobachtungstouren und ein Dinner auf einem Weingut buchten. Wir schauten noch nicht mal in die zwei Reiseführer, die wir für die Ostküste und die Westküste gekauft hatten bzw. den für die Ostküste vom Veranstalter geschenkt bekommen hatten, übrigens der neueste Iwanowski - Reisefans ist das ein Begriff! Die einzigen Vorbereitungen, die wir trafen, bestanden darin, unsere Arbeiten bzw. Akten fertig zu bearbeiten, bevor es losgehen sollte, damit die Kollegen nicht zu viel übernehmen mussten, und den Mandanten Bescheid geben. Zwei Tage vorher wurden dann die Rucksäcke und Compression Bags aus dem Keller geholt und wie üblich das dm leer gekauft. Freitags morgens packte Michael dann seinen Rucksack. Und ich? Ich packte gar nichts. Ich arbeitete bis Freitag Abend um 18 Uhr, fuhr dann nach Hause, packte nur meinen Kosmetikkram in den Rucksack, aß mit meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwiegermutter, feierte Abschied und setzte mich dann nochmal von 22 Uhr bis 2 Uhr nachts an meinen Laptop, um noch ein Gutachten und die letzten E-Mails fertigzustellen. Was für ein Glück, dass ich den besten Ehemann der Welt geheiratet habe und er für mich meinen Rucksack gepackt hatte. Er hatte mich nachmittags im Büro angerufen, um zu fragen, was ich gerne mitnehmen wolle und dann packte er, was er für richtig hielt. Ich ließ ihm völlig freie Hand und war einfach nur froh, dass er das für mich übernommen hatte. Ich war allerdings schon etwas gespannt, was ich wohl in Kanada anziehen würde ;-)!