Archiv für den Monat: September 2016

Vancouver

Nach einem nicht so ganz ruhigen, rund dreistündigen Flug kamen wir am frühen Nachmittag in Vancouver an und konnten wieder unsere Uhren um drei Stunden nach hinten stellen, wir hatten also wieder drei Stunden gewonnen, prima. Wir fuhren mit dem Zug, der in der Nähe des Terminals abfährt, in die Stadt bis zur Station "City Centre", von wo aus wir noch ca. 10 Minuten bis zu unserem Hotel Sandman liefen. Hier waren wir erfreulicherweise mal wieder in einem 4 Sterne Hotel untergebracht. Nach den letzten Motels und dem Desaster Hotel in Toronto freuten wir uns über so viel Luxus, über ein super bequemes Bett, ein modernes Bad und ein kleines, aber schickes Zimmer. Wir luden unsere Rucksäcke ab und machten uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wir nahmen die U-Bahn bis zur Station "Waterfront" und genossen dort das herrliche sonnige Wetter und den phänomenalen Ausblick auf Berge, Meer und die ständig startenden Wasserflugzeuge. Wir aßen in einem Restaurant draußen im Freien und beobachteten die Wasserflugzeuge. Das Essen war hervorragend, wie bisher fast überall in Kanada. Vor allem Fisch kann man hier sehr gut und sehr frisch essen. Ich hatte eine Seafood Chowder mit Hummerstücken, Muscheln, verschiedenen Fischstücken und Scampi. Michael hatte einen super frischen Lachs, den man hier auch überall in fast gleich guter Qualität bekommt. Für Fischliebhaber ist Kanada in den Küstenregionen echt ein Highlight! Danach spazierten wir an der gesamten Waterfront entlang. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie schön es hier war. Zum einen verzauberte uns das Berge-Meer-Panorama, zum anderen befanden sich an der Waterfront sehr moderne, schicke Wolkenkratzer, Parks und Grünflächen, ein wunderschöner Yachthafen und nette Bistros und Restaurants. Man musste lediglich aufpassen, dass man vor lauter in-der-Gegend-herumschauen nicht gerade auf den Radweg spazierte und dort von einem militanten und rasenden Radfahrer umgefahren wurde - tags darauf gehörten wir dann übrigens auch zu diesen Rasern ;-). Wir machten etliche Fotos und waren von den Wasserflugzeugen so fasziniert, dass wir gleich einen Rundflug für den nächsten Tag buchten. Wir waren beide noch nie in einem Wasserflugzeug geflogen und wollten das unbedingt ausprobieren, also warum nicht, zumal es noch erschwinglich war?! Wir genossen weiterhin das schöne Wetter und machten uns irgendwann auf den Rückweg ins Hotel, wo wir lediglich noch ein paar Noriblätterchips (wusste gar nicht, dass es sowas gibt) und frisches mariniertes Thunfischtartar mit Avocado als Abendsnack aßen. Am nächsten Tag frühstückten wir im Hotel Restaurant. Das Frühstück ist normalerweise in den Hotels nicht inbegriffen und auch nicht alle Hotels haben ein Restaurant. Hier gab es aber eines und da das Frühstück nicht inbegriffen war, war es zwar teuer, aber dafür lecker. So, danach musste nun Bewegung her! Wir beschlossen, die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, da dies in Toronto schon so prima geklappt hatte. Aber hier in Vancouver musste man sich erst online einen Account anlegen, um ein Leihfarrad aus dem Schloss "auslösen" zu können. Das hatten wir nicht gewusst und da wir auch keinen Laden mit free wifi in der Nähe fanden, wo wir schnell einen Account hätten anlegen können, liehen wir uns zwei Räder in einem Fahrradshop aus. Wir radelten auf den überall in der Stadt vorhandenen und gut ausgeschilderten Radwegen erst zur Waterfront und von dort in den Stanley Park, der laut Wikipedia mit 404,9 Hektar der größte Stadtpark Kanadas und der drittgrößte Park Nordamerikas ist. Es war herrlich, in der Sonne zu radeln und den schönen Park zu genießen. Es führte ein Radweg um den ganzen Park herum und führte an Totempfählen, Leuchttürmen, unter Brücken und an verschiedenen kleineren Stränden vorbei. Am "third beach" hielten wir an und legten uns kurz in die Sonne, bevor wir weiter zum "second beach" und zum "sunset beach" fuhren. An einer Strandbar legten wir eine kurze Pause ein, bevor wir quer über den Hügel - Vancouver ist durchzogen von hügeligen Straßen und erinnert etwas an San Francisco - zur Waterfront und dem Wasserflughafen radelten. Dort angekommen, checkten wir unseren Flug ein und warteten auf den Abflug. Als Boardingkarte erhält man eine Plastikkarte, die man am Gate, einer vergitterten Tür an einem Bootssteg, der zu den Flugzeugen führt, einer netten Dame wieder in die Hand drückt. Wir wurden persönlich von unserem Piloten begrüßt und folgten ihm zum Flugzeug. Als wir in das Flugzeug einstiegen, trauten wir unseren Augen nicht, wie klein es tatsächlich im Innern war. Die Bank, auf der wir beide saßen, reichte gerade so für uns beide aus...ok, wir haben ein bisschen zugenommen, aber auch sehr schlanke Menschen hätten gerade so darauf gepasst. Außerdem kann man nur gebückt in dem Flugzeug gehen. Der Pilot verstaute im Heck unsere Taschen und setzte sich dann ans Steuer neben seinen Copiloten. Als Sicherheitseinweisung gab es ein kurzes Video auf einem iPad und dann ging es auch schon los. Der Start auf dem Wasser fühlte sich fast genauso wie ein normaler Start auf einer Startbahn an. Wir stiegen langsam auf und konnten das Panorama der Skyline Vancouvers genießen. Es war wunderschön. Erst flogen wir eine große Schleife über die Stadt und dann ging es in die Berge, wo wir an Berggipfeln vorbei und über grünen Seen hinüber flogen. Allerdings gab es hier in den Bergen einige Luftlöcher und unser kleines Flugzeug machte einen Satz nach dem anderen und wir wurden ein paar Mal richtig durchgeschüttelt. Ich krallte mich jedes Mal in die Vordersitze und schloss die Augen. Oh Mann, ich werde das Fliegen niemals wirklich mögen! Aber dennoch versuchte ich zwischendurch die Landschaft zu genießen und schoss viele Fotos, da es wirklich ein atemberaubender Ausblick war. Als wir nach 25 Minuten wieder Kurs auf die Stadt nahmen, war ich allerdings schon ein wenig erleichtert. Die Landung war leider auch nicht so anders, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gehofft, dass man die Wellen ein wenig mehr spürt, was aber nicht der Fall war. Dennoch war der gesamte Flug ein einmaliges Erlebnis, was ich wirklich nur empfehlen kann und jederzeit wieder machen würde - trotz Luftlöchern. Gleich nach der Landung fragte ich den Piloten, ob es immer so "bumpy" sei, woraufhin er herzlich lachte und mich fragte, ob das für mich schon "bumpy" gewesen sei. Ich nickte heftig. Daraufhin meinte er, dass ich mal im Winter mitfliegen solle, da würde ich dann schon sehen, was "bumpy" wirklich sei. Heute sei ein sehr ruhiger Flug gewesen. Ach du Schreck - merke: niemals im Winter in den Bergen mit einem kleinen Flugzeug fliegen! Nach unserem Flug brauchte ich erstmal ein Bier, um meine Nerven zu beruhigen. Danach schnappten wir uns wieder unsere Drahtesel und radelten Richtung Yachthafen, wo wir an luxuriösen Appartementhäusern und Yachten vorbei radelten. Um 20 Uhr gaben wir dann auf der anderen Seite des Hügels unsere Räder wieder ab und spazierten Richtung Hotel. In einer Seitenstraße fanden wir ein nettes Restaurant und Pub, wo wir zu Abend aßen. Woran man sich in Kanada echt gewöhnen muss, sind die Unmengen an Fernsehern, die es in allen Pubs gibt und auf denen vornehmlich Sportübertragungen wie Football und Baseball gezeigt werden. Man muss sich manchmal schon darauf konzentrieren, nicht ständig dorthin zu schauen. Was ich allerdings super finde, ist, dass man immer kostenlos Wasser bekommt, auch wenn es nur Leitungswasser ist. Wenn man mal keines bekommt, fragt man kurz danach und schon steht das Glas vor der Nase. Ähnlich wie beim morgendlichen Kaffee bekommt man soviel Wasser, wie man möchte. Am nächsten Tag beschlossen wir, die Stadt zu Fuß und mit U-Bahn zu erkunden. Aber zunächst steuerten wir die Shopping Mall in der City an, da ich in Toronto meine Jacke verloren hatte und nun eine neue Jacke brauchte. Wir wurden schließlich bei GAP fündig. Danach gönnte ich mir in einem Chinesen-Walk-In-Spa eine Pediküre. Während der 45minütigen Behandlung wurde ich auf einem Massagesitz schön weich geknetet. Herrlich! Danach spazierten wir in Richtung Gastown, einem bekannten und auch recht touristischen Stadtviertel in Vancouver, das vor allem aufgrund der berühmten dampfbetriebenen Standuhr, die zu jeder viertel Stunde laut hupt, jede Menge Besucher anlockt. Aber auch die schönen Straßencafés runden das gemütliche und einladende Bild dieses Viertels ab. Ein paar Straßen davor und dahinter findet man allerdings wahnsinnig viele arme und auf der Straße lebende Menschen. Manche von ihnen scheinen völlig verwirrt zu sein. In keiner anderen Stadt sind uns die Gegensätze von luxuriösen Appartements und Autos und offensichtlich sehr wohlhabenden Menschen und auf der anderen Seite völlig verwahrlosten und bettelarmen Menschen so krass aufgefallen wie in Vancouver. Man konnte gar nicht so viel Geld an allen Ecken geben, wie es hilfsbedürftige Menschen dort gab. Nach Gastown fuhren wir mit der U-Bahn in Richtung Yachthafen, von wo wir den Aquabus, ein kleines Zubringerboot, das zwischen der Insel Granville Island und der City hin- und herpendelt, nach Granville Island nahmen. Es ging vorbei an vielen Yachten, aber auch an hübschen Hausbooten, die hier in Vancouver wohl sehr beliebt sind. Dies sind richtige Häuser, die wie ein Schiff schwimmen. Total hübsch! Auf Granville Island angekommen besuchten wir den die große Markthalle, die wie ein riesiges Schlaraffenland aussah. Wir waren völlig geplättet ob der ganzen Stände, die Obst in skurrilen Formen inszeniert hatten, Fischspezialitäten wie in Ahornsirup marinierten geräucherten Lachs, zigfache erlesene Kaffeesorten, traumhafte Blumen, unglaubliche Pralinen und Backwaren und allerlei weitere bekannte und unbekannte Köstlichkeiten mehr anboten. Neben der Markthalle gab es auch noch viele kleine Boutiquen, Hutläden, Galerien und Fischhändler. Bei einem Fischhändler gab es 10 verschiedene Sorten an Austern. Unglaublich! Wir aßen schließlich in dem Restaurant "The Sandbar" frische Austern und frischen Fisch als Abendessen, und das zu vergleichsweise vernünftigen Preisen, obwohl jegliches Essen ansonsten in ganz Kanada bisher sehr teuer war. Normalerweise gaben wir abends, wenn wir nur je einen Burger ohne Vor- und Nachspeise aßen und jeder ein Bier trank, im Schnitt 60 CAD plus Tax und Tip aus. Was am Anfang für uns sehr missverständlich war, war die Tatsache, dass alle angegebenen Preise immer nur netto Preise sind. Erst zum Schluss kommt auf den Rechnungsbetrag noch die Steuer und das Trinkgeld von min. 15 % on Top. Nach dem Essen fuhren wir mit Aquabus und U-Bahn wieder zurück und liefen ins Hotel. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns startklar für den nächsten Tag, an dem es mit einem neuen Mietwagen in Richtung Tofino auf Vancouver Island gehen würde. Glücklicherweise verließen wir Vancouver, kurz bevor es hier wieder regnete, was in Vancouver wohl sehr, sehr häufig vorkommt. Insofern waren wir dankbar für zwei wundervolle sonnige Tage hier. Aber nun freuten wir uns schon wieder auf unser nächtes Ziel... Viele weitere Bilder zu Vancouver findet ihr in der Galerie 🙂

Toronto: Ein weiteres Wiedersehen

Die Fahrt nach Toronto dauerte gar nicht so lange, wie wir ursprünglich befürchtet hatten, da wir die meiste Zeit auf dem Highway fahren konnten. Wir fuhren lediglich kurz vor Kingston ab, um uns die "1000 Islands" anzusehen, eine Inselgruppe von vielen kleinen, teilweise bewohnten Inseln, die man nur mit einer Fähre erreichen kann. Aus Zeitgründen schauten wir uns eine der Inseln nur aus der Ferne an und bewunderten die ganzen kleinen Cottages, die jeweils einen wunderschönen Blick auf den See und die Inseln hatten. In Kingston machten wir eine kleine Mittagspause, bevor es wieder zurück auf den Highway Richtung Toronto ging. Wir kamen gegen 17 Uhr in Toronto an und checkten in unser Holiday Inn Express Hotel auf der Lombard Street ein. Unser Nichtraucherzimmer stank nach Rauch, aber wir wollten erst mal in die Stadt gehen, bevor wir eventuell einen Zimmerwechsel vornahmen. Mit einem virtuellen und einem normalen Stadtplan bewaffnet liefen wir in Richtung Hafen und Fährenterminals. Da wir nur zwei Übernachtungen in Toronto hatten, wollten wir so viel wie möglich unternehmen und planten daher für den Abend eine Sunset Cruise mit einem Schiff vorbei an der Skyline von Toronto. Als erstes fiel uns an der wunderschönen Promenade am Hafen mit einem grandiosen Blick auf die gegenüber liegende Centre Island eine große Ansammlung von Menschen auf, die statt den wundervollen Blick zu genießen, gebannt auf ihr Handy starrten - aha, wir waren mitten in einer Pokemon Jagdarea gelandet. Schnell weiter! Am Schiffsterminal kauften wir unsere Fahrkarten und überbrückten die Wartezeit mit Fotos vom CN Tower, der genau vor uns zwischen zwei Wolkenkratzern empor ragte und natürlich einem biever tail Nr. 8 :-). Gegen 20 Uhr konnten wir endlich aufs Schiff. Wir wurden von einer jungen Kapitänin über den Ontario See geschippert und erhielten von ihrem Co-Kapitän interessante Erläuterungen über die Stadt. Auf dem Centre Island direkt gegenüber von Toronto liegt der kleinste Flughafen der Welt, auf dem nur Propellerflugzeuge und ganz kleine Jets landen können. Vor einigen Jahren gab es tatsächlich einen Zusammenstoß mit einem Militärflugzeug und einer Fähre. Das Flugzeug sank auf den Grund des Sees, wo es noch heute liegt. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Stadt Toronto hat ca. 2,5 Mio. Einwohner und hieß ganz früher "York". In Toronto selbst gibt es einen Yachthafen, in dem die monatliche (!) Mitgliedschaft 30.000 CAD kostet! Auf der Insel Centre Island gibt auch mehrere Marinas. In einer dieser Marinas liegen einige Hausboote, die ihren Eignern als ganzjährige Unterkunft dienen. Diese Schiffe verfügen über einen sog. Bubbler, der im Winter das Wasser um das Boot herum mit warmen Luftblasen eisfrei hält, so dass das Schiff nicht zu Schaden kommt. Das sog. billigste Hotel der Stadt ist eine Anlegerzone auf der Centre Island, wo der Liegeplatz mit Strom und Frischwasser nur ca. 8 CAD pro Nacht kostet - allerdings braucht man dafür natürlich ein Schiff! Die Bootstour war wunderschön! Langsam ging die Sonne unter und der Himmel färbte sich in den verschiedenen rosa, orange und violett Farben und leuchtete die Skyline der Stadt an. Als es später dunkel wurde, wurde die Stadt von den vielen Lichtern in den Wolkenkratzern erleuchtet. Es sah atemberaubend aus und wir konnten nicht aufhören, Fotos zu schießen und den Anblick zu genießen. Nach der Tour fuhren wir mit dem Taxi zurück ins Hotel, zogen uns um und marschierten wieder los, um ein Restaurant zu finden. Der Typ and der Rezeption hatte uns die Wellington Street empfohlen, dort seien viele Restaurants. Da wir um ca. 21.30 Uhr aber wohl für kanadische Verhältnisse zu spät dran waren (die Küchen der Restaurants schließen oft um 21.30 Uhr), landeten wir in einem Irish Pub, in dem die Küche noch geöffnet war und aßen dort. Was Spanier hier wohl machen?! Aber bisher sahen wir auch wenig Spanier in Kanada. Dafür gibt es Unmengen an deutschen Touristen. Ständig waren im Hotel morgens beim Frühstück oder auch abends in beliebigen Restaurants Deutsche um uns herum. Wir scheinen ein sehr reiselustiges Völkchen zu sein, das außer Mallorca wohl auch gerne ferne Länder besucht. Schon auf unserer Weltreise trafen wir unheimlich viele Deutsche in Neuseeland und Australien. Als wir später ins Hotel zurück kamen, herrschte im Nachbarzimmer ein übler und vor allem extrem lauter Streit zwischen einem Paar. Zusammen mit dem Geruch im Zimmer war das nicht auszuhalten. Also fragten wir an der Rezeption nach einem neuen Zimmer und zogen schließlich vom 10. in den 3. Stock um, was letztlich keine bessere Wahl war, da wir nun den Verkehr mehr als deutlich hörten. Also hieß es für mich wieder, die Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren zu drücken. Michael konnte wie immer super schlafen. Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour zu den Niagara Fällen gebucht. Für ca. 75 CAD pro Person hatten wir einen traumhaften Tag. Wir fuhren ca. 1,5 Stunden bis wir an einem Weingut in dem Ort Niagara on the Lake ankamen und dort ein Weintasting hatten. Interessanterweise probierten wir neben einem weißen Eiswein auch einen roten bzw. rosé Eiswein. Ich wusste bisher gar nicht, dass es einen rosé Eiswein gibt. Er schmeckte interessant, aber Eiswein gehört generell nicht zu unseren Lieblingsweinen. Anschließend fuhren wir in den Ort Niagara on the Lake hinein und hatten dort eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Zeit reichte gerade, um die hübschen, mit sehr vielen bunten Blumen geschmückten Straßen des kleinen bezaubernden Ortes entlang zu laufen und sich die hübschen Häuser und kleinen Geschäfte anzuschauen. Danach zeigte uns unsere Fahrerin noch ein paar wundervolle Straßen und Wohngegenden in dem Ort, die teilweise direkt an dem unglaublich riesigen Ontario See liegen und den Bewohnern einen traumhaften Blick auf den See bieten. Weiter ging es durch den Niagara National Park vorbei an einigen Weingütern bis wir schließlich an den Niagara Fällen ankamen und uns kurz danach schon mit lustigen pinkfarbenen Regenponchos ausgestattet auf dem Schiff befanden, das bis kurz vor die Wasserfälle fuhr. Die Tour dauert etwa 15 bis 20 Minuten und den größten Teil verbringt man in den Nebel- und Wasserschwaden der Wasserfälle auf der kanadischen Seite. Die Wasserfälle liegen zu einem Teil auf der amerikanischen Seite und zu einem anderen Teil in Kanada. Hier die Amerikanische Seite: Und die Kanadische: Und beide zusammen: Kurz vor den Wasserfällen stoppte das Boot und wir befanden uns ca. 10 Minuten in dichtem Wassernebel, so dass Gesicht und die Haare komplett nass waren, als wir zurückkehrten. Auch unsere wasserdichte Kamera war binnen Sekunden wieder mit Wasser bedeckt, so dass es wirklich schwierig war, ein vernünftiges Foto zu machen. Aber es war sehr lustig. Danach vertrödelten wir die Zeit noch an der Promenade neben den Wasserfällen, wo wir noch einige Fotos machten, und gingen danach in die Stadt Niagara Falls. Michael hatte mir vorher schon erzählt, dass es dort wie in Las Vegas aussähe, aber wirklich glauben konnte ich es erst, als ich es tatsächlich selbst sah. Dies war ein extremer Kontrast zu den schönen Wasserfällen. Spielhöllen, Leuchtreklamen, Vergnügungsparks und Geisterbahnen nebeneinander, gespickt von etlichen Fastfood Ketten. Naja, wer's mag...wir jedenfalls nicht. Dazu aßen wir auch noch bei einem ziemlich schlechten Inder, was das Bild leider nach unten hin abrundete. Aber der Tag an sich war traumhaft gewesen, so dass das in den Hintergrund trat. Zum Abschluss tranken wir noch ein Niagara Bier, das tatsächlich so heißt, da es dort gebraut wird. Überhaupt ist Kanada ein tolles Land für Bierliebhaber wie uns, da fast jeder Ort und jedes kleine Kaff eine eigene Brauerei, sog. micro breweries, besitzt. Herrlich! Und das Bier ist fast überall echt lecker! Michael ist verliebt in sein IPA (extrem hopfig und bitter) und ich trinke immer ein helles Lager oder Pilsener - also für jeden was dabei :-)! Und natürlich ein weiterer Figurkiller...liebe Heike, liebe Dominique, wenn ihr das lest, könnt ihr mir schon mal eine Rampe bauen, damit ich in mein Büro rollen kann :-))!!! Am nächsten Tag hatten wir uns mit Karen verabredet, die wir ebenfalls wie Nasser auf unserer Patagonien Tour kennengelernt hatten und die in Toronto lebt. Wir freuten uns darauf, auch sie nach so langer Zeit wiederzusehen. Wir hatten uns für den frühen Nachmittag an dem Fährterminal verabredet, um uns gemeinsam auf Fahrrädern die Centre Island auf der anderen Seite von Toronto anzusehen. Vorher versandten wir aber noch zwei Päckchen mit überflüssiger Kleidung. Es vergeht einfach keine Reise, auf der wir nicht irgendwelchen Kram nach Hause schicken müssen, da wir mal wieder zu viel mitgenommen haben und neue Errungenschaften den Platz in den Rucksäcken benötigen. Als wir wieder einigen Ballast losgeworden waren, dachte ich mir, dass man diesen neuen Platz doch gleich wieder mit etwas füllen könnte ;-). Also schauten wir uns die große Shopping Mall an, die direkt in der Stadt gelegen ist. Danach leihten wir uns zwei von den in der Stadt überall angebotenen Leihfahrrädern aus (auch hier kann man bequem mit Kreditkarte zahlen, wie eigentlich überall) und radelten quer durch Toronto Downtown, das durch die vielen Wolkenkratzern und edlen Bürogebäude besticht, bis zum Fährterminal, wo wir gleich auch Karen trafen. Wir nahmen die nächste Fähre und setzten auf dem Centre Island über, die wir mit unseren Rädern erkundeten. Es war ein toller sonniger Tag, so dass wir uns auch die ganzen Strände anschauen und auch in den Ontario See hüpfen konnten. Der See ist so groß, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen kann und man sich wie am Meer fühlt, nur dass man nach dem Baden kein Salz abduschen muss. Die Insel ist wunderschön und hat große schöne Strände, Bars, einen Vergnügungspark für Kinder, mehrere Marinas und ein hübsches Wohnviertel mit hübschen Häusern, die man für 99 Jahre pachten kann. Ein Erwerb ist nicht möglich und die Wartezeit beträgt jetzt schon mehr als zehn Jahre. Karen musste etwas früher weg, während wir noch etwas am Strand blieben. Irgendwann packten auch wir unsere Sachen und setzten mit der Fähre wieder zur City über. Wir radelten zurück ins Hotel und da wir kein Schloss für die Räder besaßen, nahmen wir sie kurzerhand mit in unser Zimmer. Ging nicht anders! Als wir umgezogen waren, radelten wir wieder Richtung Innenstadt. Wir wollten nun auf den CN Tower hoch und dort eventuell etwas essen, da wir mittlerweile am verhungern waren. Als wir dort ankamen, merkte ich zum einen, dass ich unterwegs meine Jacke verloren hatte (oh nein, nein, nein) und zum anderen war die Schlange am Eingang zum CN Tower so lang, dass wir sicherlich halb leblos vor Hunger am Boden gelegen hätten, wenn wir endlich an der Reihe gewesen wären. Also verzichteten wir zu Gunsten von baldigem Essen auf den CN Tower. Oh je, soweit war es schon gekommen...aber bei Hunger verstehen wir beide GAR keinen Spaß! Da muss innerhalb kürzester Zeit Essen her, sonst gibt es Krieg! Also stellten wir unsere Räder am nächsten Verleihort ab und gingen zum nächsten ansprechenden Restaurant, wo wir einen gemütlichen Abend verbrachten und uns später noch mit Karen trafen, die ein paar Meter weiter im Roger Center bei einem Baseball Spiel gewesen war. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir gerne mit gegangen. So ließen wir uns die Spielregeln und den Spielverlauf bei einem Drink erläutern. Nebenbei erwähnte Karen auch noch, dass ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt wohl die gefährlichere Gegend von Toronto beginnt. Ooohh!! Gut, dass wir uns bisher nicht verlaufen hatten. Das Hotel hätten wir aber auch trotzdem nicht mehr gebucht oder weiter empfohlen. Die Zimmer waren völlig abgenutzt, die anderen Gäste waren teilweise echt merkwürdig und für das tägliche Styroporfrühstück musste man in der Schlange stehen! Definitiv never again! Definitiv aber Toronto again! Die Stadt und die Möglichkeiten vor Ort haben uns sehr gut gefallen. Außerdem müssen wir natürlich noch auf den CN Tower..., d. h. wiederkommen ;-). Nun hieß es für uns aber erstmal auf zum nächsten Spot...let's fly to Vancouver, jippiii!! Wie immer gibt es noch mehr Bilder in der Toronto-Galerie 🙂

Ottawa: Besuch bei Freunden

Der beste Ehemann der Welt war morgens schon früh aufgestanden und hatte Frühstück in Form von Madleines besorgt. Wir tranken noch gemütlich einen Kaffee, Smoothie und einen grünen Tee, telefonierten mit Nasser wegen unserer geplanten Ankunft und machten uns dann langsam auf den Weg nach Ottawa. Wir suchten online noch nach ein paar Shops, wo wir für Yvonne, Nassers Frau, und für Nasser noch ein paar Kleinigkeiten besorgen wollten. Ich wollte unbedingt Blumen für Yvonne und für Nasser noch eine Flasche Champagner kaufen, da wir ihm dies auch als frühes Geburtstagsgeschenk überreichen wollten, da er kurz nach unserer geplanten Abreise Geburtstag hatte, den wir aber leider nicht mehr mit ihm feiern konnten. Ansonsten hatten wir noch die Flasche Rotwein, die den Flug überlebt hatte. Für die drei Jungs im Alter zwischen 12 und 16 Jahren hatten wir leider nichts, aber ich hatte Nasser vorher extra nochmal gefragt und ihm war selbst nichts eingefallen. Michael hatte Nasser gesagt, dass wir gegen 10.30 Uhr los fahren wollten und dann gegen 13 Uhr bei ihm sein müssten. Da ich aber irgendwie nicht fertig wurde und auch noch ein paar Sachen versenden wollte - wir hatten nämlich dieses Mal keine kanadische SIM-Karte, sondern nutzten immer dort free wifi, wo es verfügbar war, was eigentlich in jedem Hotel, Restaurant, Bar, Shopping Mall, manchen Taxis und auch an den Raststätten auf dem Highway der Fall war -, wurde Michael langsam sauer. Na gut, ich beeilte mich ein wenig. Wir klapperten in Montreal die vorher recherchierten Geschäfte ab, wurden aber leider nicht fündig, sondern gurkten stattdessen in dem von Baustellen übersäten Montreal herum und brachten unser Navi zur Verzweiflung, da wir ständig die vorgegebene Route ändern mussten, weil wir wieder vor einer "route barree", also einer gesperrten Straße, standen. Es war zum Haare raufen! Irgendwann waren wir so genervt, dass wir beschlossen, endlich auf den Highway zu fahren und unterwegs ein Geschäft zu suchen. Nachdem ich mich dann einmal auf dem Highway kurz verfahren hatte, schafften wir es endlich in Richtung Ottawa zu fahren. Nach einer halben Stunde sahen wir Schilder eines Shoppingcenters und nahmen kurzerhand die nächste Ausfahrt. Dort würden wir sicher etwas finden. Nach ein paar Abbiegungen standen wir vor einer riesigen Shoppingmall - schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten und "nur" ein paar Kleinigkeiten suchten. Als wir hinein gingen, standen wir auch schon gleich in einem Liquor Store (SAQ). In Kanada, ähnlich wie in den USA, Neuseeland und Australien, gibt es sämtliche alkoholischen Getränke, außer Bier, nur in diesen Liquor Stores. Wir kauften eine Flasche Champagner und fragten an der Kasse nach einem Blumenladen in der Mall. Leider wurde uns gesagt, dass es mal einen Blumenladen gegenüber gegeben habe. Dieser habe aber vor einem halben Jahr geschlossen. So ein Mist! Hier musste es aber doch noch einen zweiten Blumenladen geben. Also fragten wir an der Information nach. Auch hier hieß es jedoch, dass es keinen gebe. Blumen waren wohl nicht so gefragt in Kanada. Gegenüber der Mall sollte es noch einen Laden geben. Na gut, das war nicht weit. Da ich nun doch etwas gefrustet ob des nicht zu findenden Blumenladens war, musste ich mich "entfrusten", indem ich noch kurz bei "ALDO", einem sehr schönen Schuhgeschäft, vorbei schaute und innerhalb von fünf Minuten ein paar hübsche und reduzierte Sandalen kaufte. Meine Laune war gleich vieeel besser :-). Wir verließen die Mall und suchten das Blumengeschäft, fanden es aber nicht. Also fuhren wir wieder auf den Highway in der Hoffnung, wenigstens in Ottawa ein Blumengeschäft zu finden. Nach einiger Zeit überquerten wir die Grenze zum Bundesstaat Ontario. Nun waren wir im zweiten Bundesstaat Kanadas auf unserer Reise angelangt. Große Verkehrsschilder warnten uns davor, dass "exceeding speed limits against the law" seien und die höchste Strafe für "speeding" und zwar für 50 km/h über der erlaubten Geschwindigkeitsbeschränkung einen Betrag von 10.000 CAD zur Folge habe. Da dies definitiv unser diesjähriges und auch das Reisebudget für die nächsten Jahre überschreiten würde, planten wir, uns doch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten, auch wenn wir sehr oft von rasenden Kanadiern überholt wurden und unser Fuß auf dem Gaspedal jedes Mal ein wenig zuckte. Im übrigen waren die Verkehrsschilder in Ontario wieder in Englisch geschrieben, mit französischen Unterschriften und auch die Leute sprachen wieder Englisch. Man kann aber darauf bestehen, mit Beschäftigten in Geschäften und Institutionen französisch zu sprechen, wie uns Nasser später erzählte. Dies sei gesetzlich geregelt und könne zu Beschwerden führen, wenn man sich nicht daran halte. Daher müssen alle Beschäftigen in Unternehmen zumindest rudimentär Französisch sprechen können und alle Schilder und Hinweise sind immer in Englisch und Französisch geschrieben. Nach ca. 2 Stunden und 200 km Fahrt kamen wir in Ottawa an. Es war Samstag und die Geschäfte waren geöffnet, so dass ich hoffte, hier nun Blumen für Yvonne zu finden. Das Wohnviertel von Nasser und seiner Familie befand sich nicht direkt in der Stadt, sondern ein wenig außerhalb. Daher fanden wir auch nur einen Supermarkt in der Nähe, der ein paar Rosen- und Sonnenblumenstöckchen im Angebot hatte. Oh Mann, das war wirklich nicht, was ich wollte, aber nachdem mir auch kein Angestellter einen Blumenladen in der Nähe nennen konnte, kauften wir ein Sonnenblumenstöckchen. Eigentlich wollten wir auch noch ein paar Pralinen kaufen, aber auch diese gab es hier nicht. Etwas unglücklich mit dem Stöckchen fuhren wir dann in Richtung Nassers Adresse. Plötzlich sah ich auf dem Weg ein Schild "Flowers" und entdeckte einen Blumenladen. Wir machten also noch einen kurzen Zwischenstopp und ich konnte einen sehr schönen Strauß frischer Lilien kaufen. Blumen sind hier tatsächlich recht teuer. Ich zahlte für 4 Lilienzweige 36 CAD. Ein kleines (wirklich mini) Orchideenstöckchen hätten sogar 45 CAD gekostet. Wahnsinn! Die Verkäuferin steckte die Lilien in einen Schwamm in einem kleinen Behältnis, so dass sie nicht austrocknen konnten. Das würde immer so gemacht, meinte sie auf meine Nachfrage. Super Idee, das könnte man in Deutschland auch einführen. Die "Verpackung" war allerdings für meinen Geschmack grässlich. Die Blumen wurden erst in eine Klarsichtfolie eingewickelt, was ja noch schön war. Dann aber wurde noch ein quietschbuntes Plastikfolie herumgewickelt und das Ganze mit einer knallblauen riesigen Schleife verziert. Aber egal, wenn das hier Standard war, würde sich Yvonne sicher freuen. Wir fuhren in eine hübsche Wohngegend, wo recht große Häuser standen. Fast alle Häuser sind hier im gleichen Stil gebaut, nämlich mit einer Art Holzvertäfelung als Außenverkleidung, die in unterschiedlichen Farben gestaltet ist. Auch die Dächer haben manchmal unterschiedliche Farben. Viele Dächer bestehen aus Wellblech oder Platten, aber jedenfalls nicht aus Ziegeln. Die Häuser hier werden auch nicht mit Steinen und Mauern gebaut, wie bei uns. Sie bestehen vielmehr aus Holzkonstruktionen, die außen mit Spanplatten, dazwischen einer Art minimaler Isolierung und im Innenbereich mit Regipswänden versehen werden. Daher können oftmals keine Bilder oder andere schwerere Gegenstände an den Wänden aufgehängt werden oder zumindest muss vorher ausgelotet werden wo ein Stützbalken eingebaut wurde. Diese werden in der Regel alle 60 Zentimeter gesetzt. An diesen werden i.d.R. Bilder oder sogar Küchenschränke montiert. Geheizt und gekühlt werden die Häuser in der Regel über eine zentrale Klimaanlage, die strombetrieben ist und eigentlich das ganze Jahr ununterbrochen läuft. Einzelne Räume lassen sich daher nicht unterschiedlich kühlen oder heizen. Es gibt in der Regel nur eine zentrale Temperatur. Strom scheint hier sehr billig zu sein. Dies sieht man auch an den riesigen Kühlschränken, die hier auch Standard und mit jedem Schnickschnack ausgestattet sind. Mittlerweile gibt es wohl auch Zentralheizungen mit Gas. Dies sei aber nicht der normale Standard, wie uns Nasser erzählte. Der Vorteil dieser Bauweise ist jedenfalls, dass ein Haus binnen weniger Monate fertig gestellt ist. Was uns auch aufgefallen war, war die Tatsache, dass die wenigsten Häuser um ihr Grundstück herum einen Zaun besaßen. Auf unsere Nachfrage sagte uns Nasser, dass es hier eigentlich keine Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Blättern auf dem anderen Grundstück oder zu hohen Bäumen oder zu nahen Hecken an der Grundstücksgrenze gebe. Sowas sei den Nachbarn wirklich egal. Unglaublich! Keine Nachbarschaftsstreits und Zäune in Deutschland - Utopie natürlich und für Deutsche unvorstellbar ;-)! Außerdem würde auch ganzen Gruppen von Anwälten die Existenzgrundlage entzogen, wenn es keine Nachbarschaftsklagen mehr gebe. Und was würden nur die vielen streitsüchtigen Nachbarn machen, wenn sich der andere Nachbar einfach nicht streiten wollte?! Wow, diese Form von Gelassenheit beeindruckte uns! Wir beschlossen, falls wir mal ein Grundstück besitzen sollten, es einfach nicht einzuzäunen. Revolution des fehlenden Gartenzauns! Vielleicht sollte man eine neue Partei gründen? Die "AGD" - "Anti-Gartenzaun Partei Deutschlands"! Wir würden das System revolutionieren...und hätten wahrscheinlich gleich eine Klage am Hals wegen fehlendem Zaun :-)! Nun gut, so viel zu unseren Revoluzzerträumen! Der Empfang von Nasser und seiner Familie war sehr herzlich. Wir freuten uns sehr, sie alle wiederzusehen. Nasser hatten wir auf unserer Weltreise in Patagonien und seine Frau und Kinder letztes Jahr in Haarlem, Holland, kennengelernt. Wir freuten uns auch über die Gastfreundschaft, uns gleich zu sich nach Hause einzuladen. Yvonne freute sich über beide Blumen und Nasser über den Rotwein und Champagner. Wir waren erleichtert. Nasser zeigte uns das Haus, das sehr groß und hell war, da es innen sehr offen und mit großen Fenstern gebaut war. Unser Gästezimmer mit Bad ensuite war im Keller, der zu einem vollständigen Wohnbereich mit Kinoleinwand ausgebaut war. Wir setzten uns bei herrlichem Wetter in den Garten und tranken Kaffee, aßen leckeren Zitronenkuchen und erzählten von unserer Reise und allem, was so im letzten Jahr passiert war. Gegen Abend machten wir ein Barbecue, was hier in Kanada, wie bei uns auch, sehr beliebt ist und auch im Winter ständig stattfindet. Gegrillt wir hier meistens auf riesigen Gasgrills. Das Essen bestand aus einer Art Chicken Satee und war sehr lecker. Nach dem Essen zeigten uns Yvonne und Nasser die Innenstadt von Ottawa. Wir spazierten zum Parliament Hill hoch, wo wir uns mit Hunderten anderer Menschen ins Gras setzten und zuerst eine halbe Stunde lang dem hinter dem Parlamentsgebäude stattfindenden Feuerwerk zuschauten. Yvonne erzählte, dass es das Abschlussfeuerwerk eines internationalen Feuerwerkwettbewerbs sei, das hier stattfinde. Es war sehr schön und wir machten hunderte von Fotos. Danach sahen wir dann eine unglaublich beeindruckende Lightshow, die die Geschichte Kanadas erzählte und auf das Parlamentsgebäude projeziert wurde. Kanadas Geschichte ist tatsächlich recht jung, das es das Land offiziell erst seit 1867 gibt und einige Provinzen Kanadas sogar teilweise erst in den 1990er Jahren als Provinzen bzw. Bundesstaaten dem Staat Kanada beigetreten sind. Es war ein wunderschöner Abend. Es war warm, der Himmel war sternenklar und wir waren überwältigt von der Show. Danach gingen wir durch ein schönes Kneipenviertel zu einem Markt, wo wir das zweite kulinarische kanadische Highlight kennenlernten: Bieberschwänze ("biever tails"). Ja, richtig gelesen, wir aßen einen Bieberschwanz, den wir uns vorsichtshalber teilten. Er war köstlich und seit diesem Abend sind wir beide dieser Köstlichkeit verfallen! Also ein "biever tail" besteht aus recht viel Knorpel...nein, Quatsch :-))! Ein biever tail ist ein ovaler frittierter Teigfladen, der mit verschiedenen süßen Zutaten belegt wird. Unser Favorit ist die Nr. 8 der Karte, die überall gleich ist, da es sich um ein Franchisingkonzept handelt. Nr. 8 besteht aus einem Belag aus Nutella und Bananenscheiben, mmmhhhh sooo lecker!! Natürlich mal wieder ein absoluter Figurkiller, aber wir sind ja im Urlaub! Als wir wieder zuhause waren, quatschten wir noch ein bisschen, bevor wir alle ins Bett gingen. Allerdings fror ich in unserem Zimmer so sehr (ich hasse Klimaanlagen, auch im Sommer, und ich liebe Wärme...wie alle wissen, die mich kennen ;-)), dass ich noch einen Fleecepullover und einen Schal anziehen musste, da ich sonst kein Auge hätte zumachen können. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich mit Nasser wandern gehen, aber leider regnete es und war etwas kalt geworden. Also schlug Nasser vor, Yvonnes Eltern Dirk und Tineke zu besuchen, die auf der Quebec Seite des Ottawa Flusses in einem kleinen Haus am See lebten. Yvonnes Eltern sind vor acht Jahren nach Dirks Pensionierung von Holland nach Kanada ausgewandert, fliegen aber zwei Mal im Jahr in die Heimat, um dort Yvonnes Bruder und seine Familie zu besuchen. Yvonnes Vater hatte als Ingenieur für Nestle gearbeitet und war schon in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Er und Tineke sind sehr reiselustig und unternehmen immer noch regelmäßig weite Reisen. Dirk war sogar vor einigen Jahren gemeinsam mit Nasser zum Base Camp des Mount Everest aufgestiegen. Beide begrüßten uns sehr herzlich und wir tranken in dem wunderschönen Haus, das in einem kleinen Ort steht, Kaffee und aßen Kuchen. Das Haus steht auf einem wunderschönen großen Grundstück, das unmittelbar an den Fluss grenzt. Durch die vielen großen Fenster hat man einen atemberaubenden Blick auf das Wasser. Ein eigener kleiner Steg gehört auch dazu, so dass sie dort im Sommer ihr kleines Motorboot anlegen können. Zwischen dem Steg und dem Garten haben beide sogar schon Bären gesehen. Das Haus selbst ist bestückt mit verschiedenen wunderschönen Möbeln und anderen Mitbringseln von fernen Ländern. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit lang in Englisch, Deutsch und Holländisch über Reisen, unsere Berufe und alles Mögliche. Danach fuhren wir mit Nasser zum historischen Museum in Ottawa und schauten uns die dortigen Ausstellungen einmal über Napoleon Bonaparte und über die Ureinwohner Kanadas an. Hier Napoleons Hut: Die Ureinwohner, die auch Aboriginis, wie in Australien, genannt werden, haben ähnliche Kunstwerke und Symbole wie die Maori und die Aboriginis. Viele große Totempfähle, die uns wiederum an die Tikis in Polynesien erinnerten, waren ausgestellt und sind im übrigen in ganz Kanada zu finden. Beeindruckend war auch, dass die Ureinwohner wohl Tiere besonders respektierten, auch wenn sie sie natürlich zum Überleben jagen mussten. Sie glaubten z. B., dass Fische eine Seele haben und versuchten daher, sie möglichst schmerzfrei und schnell zu töten. Als wir wieder zu Hause ankamen, hatte Yvonne schon alles für das abendliche Barbecue vorbereitet. Dieses Mal kamen auch Dirk und Tineke und ein befreundetes Paar (Dana und Mike, war für uns Dani und Michael leicht zu merken) mit ihren Kindern zum Barbecue. Ich spielte mit den Männern eine Runde Billiard, bevor wir beim Quatschen und Bier trinken hängen blieben. Nasser grillte vorzügliche Lachssteaks und Hähnchenkeulen, Yvonne ergänzte das Essen mit leckeren Salaten und Dessert. Es war ein sehr lustiger Abend, an dem wir uns mit allen über die Unterschiede zwischen dem kanadischen und deutschen Leben und Arbeiten und natürlich übers Reisen unterhielten. Es war total interessant zu hören, wie man in Kanada lebt und arbeitet. Die Arbeitsbedingungen sind etwas anders als bei uns. In Kanada wird man üblicherweise auf Stundenbasis bezahlt und erhält den Lohn im Zwei-Wochen-Rhythmus. Ein festes Jahresgehalt wie bei uns gibt es üblicherweise nicht. Die Arbeitszeiten liegen täglich oft bei 10 bis 12 Stunden. Mittagspausen gibt es offiziell keine.Wenn man kurz Zeit hat, schiebt man sich schnell etwas Essbares in den Mund, dann geht es weiter. Oft hat man aber auch gar keine Zeit für einen kurzen Lunch. Der Jahresurlaub liegt bei Berufsstart in der Regel bei zwei Wochen und kann dann je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen oder der Berufserfahrung auf bis zu sechs Wochen pro Jahr steigen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat jedoch drei Wochen Urlaub pro Jahr. Daneben gibt es noch ein paar Feiertage und einen "Familientag". Für Krankheiten hat man auch noch eine bestimmte Anzahl an Tagen, die man nur hierfür nutzen kann. Krankenversicherungen, -kosten und Medikamente werden vom Staat bezahlt. Für Sonderbehandlungen oder bestimmte private Medikamente muss man selbst zahlen. Also alles in allem kein Honigschlecken was das Arbeiten in Kanada betrifft. Dafür sind die sonstigen Lebensbedingungen ganz gut. Am Wochenende ist man schnell zum Skifahren in den umliegenden Bergen und im Sommer an Seen und Flüssen. Im Winter herrschen zwar bis zu minus 20 Grad, dafür gibt es keinen Regen, sondern tatsächlich fast nur blauen Himmel, Sonne und natürlich ganz viel Schnee - ist das nicht wunderbar?! Für blauen Himmel und Sonne im Winter würde ich sogar tiefste Minusgrade in Kauf nehmen. Und in Ottawa ist der Fluss in der Stadt über eine Strecke von fast 7 km komplett zugefroren, so dass die Leute auf dem Fluss Schlittschuh laufen können. Am Flussufer wärmen sich die Menschen an verschiedenen Ständen mit warmen Getränken und Speisen. Das würden wir gerne mal erleben! Aber auch im Sommer ist es schön, nämlich meistens über Monate beständig warm und trocken. Und der Indian Summer schafft dann einen gleitenden Übergang vom Sommer zum Herbst und Winter, da es tagsüber schön warm und abends kühler ist und sich das Laub bunt verfärbt. Klingt alles richtig toll! Ein weiteres Highlight des Abends war eine kurze Darbietung von Yasin, Nassers und Yvonnes ältestem Sohn. Er ist sehr begabt im Wiederherstellen des Zauberwürfels. Er hat sogar an Wettbewerben in den USA teilgenommen und konnte den Würfel in unter 9 Sekunden von komplettem Chaos in eine korrekte Anordnung der Farben auf allen Seiten bringen. Unglaublich! Nachdem alle Gäste gegangen waren, ließen wir den Abend noch mit Nasser, Yvonne und Karim, dem jüngsten Sohn, ausklingen, bevor wir uns von Yvonne verabschiedeten, da sie am nächsten Morgen schon um 7 Uhr zur Arbeit gehen würde. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch gemütlich mit Nasser und machten uns dann gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Toronto. Vor uns lag eine Strecke von ca. 460 km, auf der es noch ein paar Sehenswürdigkeiten geben sollt, wie z. B. die 1000 Islands. Wir verabschiedeten uns herzlich von Nasser und bedankten uns für das wundervolle Wochenende, das wir mit ihm und seiner Familie erleben durften. Es war sehr schön gewesen, einmal einen kurzen Einblick in ein typisches kanadisches Familienleben zu erhaschen. Wir hoffen, sie bald wiederzusehen... Mehr Bilder in unserer Galerie...