Ottawa: Besuch bei Freunden

Der beste Ehemann der Welt war morgens schon früh aufgestanden und hatte Frühstück in Form von Madleines besorgt. Wir tranken noch gemütlich einen Kaffee, Smoothie und einen grünen Tee, telefonierten mit Nasser wegen unserer geplanten Ankunft und machten uns dann langsam auf den Weg nach Ottawa. Wir suchten online noch nach ein paar Shops, wo wir für Yvonne, Nassers Frau, und für Nasser noch ein paar Kleinigkeiten besorgen wollten. Ich wollte unbedingt Blumen für Yvonne und für Nasser noch eine Flasche Champagner kaufen, da wir ihm dies auch als frühes Geburtstagsgeschenk überreichen wollten, da er kurz nach unserer geplanten Abreise Geburtstag hatte, den wir aber leider nicht mehr mit ihm feiern konnten. Ansonsten hatten wir noch die Flasche Rotwein, die den Flug überlebt hatte. Für die drei Jungs im Alter zwischen 12 und 16 Jahren hatten wir leider nichts, aber ich hatte Nasser vorher extra nochmal gefragt und ihm war selbst nichts eingefallen. Michael hatte Nasser gesagt, dass wir gegen 10.30 Uhr los fahren wollten und dann gegen 13 Uhr bei ihm sein müssten. Da ich aber irgendwie nicht fertig wurde und auch noch ein paar Sachen versenden wollte - wir hatten nämlich dieses Mal keine kanadische SIM-Karte, sondern nutzten immer dort free wifi, wo es verfügbar war, was eigentlich in jedem Hotel, Restaurant, Bar, Shopping Mall, manchen Taxis und auch an den Raststätten auf dem Highway der Fall war -, wurde Michael langsam sauer. Na gut, ich beeilte mich ein wenig. Wir klapperten in Montreal die vorher recherchierten Geschäfte ab, wurden aber leider nicht fündig, sondern gurkten stattdessen in dem von Baustellen übersäten Montreal herum und brachten unser Navi zur Verzweiflung, da wir ständig die vorgegebene Route ändern mussten, weil wir wieder vor einer "route barree", also einer gesperrten Straße, standen. Es war zum Haare raufen! Irgendwann waren wir so genervt, dass wir beschlossen, endlich auf den Highway zu fahren und unterwegs ein Geschäft zu suchen. Nachdem ich mich dann einmal auf dem Highway kurz verfahren hatte, schafften wir es endlich in Richtung Ottawa zu fahren. Nach einer halben Stunde sahen wir Schilder eines Shoppingcenters und nahmen kurzerhand die nächste Ausfahrt. Dort würden wir sicher etwas finden. Nach ein paar Abbiegungen standen wir vor einer riesigen Shoppingmall - schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten und "nur" ein paar Kleinigkeiten suchten. Als wir hinein gingen, standen wir auch schon gleich in einem Liquor Store (SAQ). In Kanada, ähnlich wie in den USA, Neuseeland und Australien, gibt es sämtliche alkoholischen Getränke, außer Bier, nur in diesen Liquor Stores. Wir kauften eine Flasche Champagner und fragten an der Kasse nach einem Blumenladen in der Mall. Leider wurde uns gesagt, dass es mal einen Blumenladen gegenüber gegeben habe. Dieser habe aber vor einem halben Jahr geschlossen. So ein Mist! Hier musste es aber doch noch einen zweiten Blumenladen geben. Also fragten wir an der Information nach. Auch hier hieß es jedoch, dass es keinen gebe. Blumen waren wohl nicht so gefragt in Kanada. Gegenüber der Mall sollte es noch einen Laden geben. Na gut, das war nicht weit. Da ich nun doch etwas gefrustet ob des nicht zu findenden Blumenladens war, musste ich mich "entfrusten", indem ich noch kurz bei "ALDO", einem sehr schönen Schuhgeschäft, vorbei schaute und innerhalb von fünf Minuten ein paar hübsche und reduzierte Sandalen kaufte. Meine Laune war gleich vieeel besser :-). Wir verließen die Mall und suchten das Blumengeschäft, fanden es aber nicht. Also fuhren wir wieder auf den Highway in der Hoffnung, wenigstens in Ottawa ein Blumengeschäft zu finden. Nach einiger Zeit überquerten wir die Grenze zum Bundesstaat Ontario. Nun waren wir im zweiten Bundesstaat Kanadas auf unserer Reise angelangt. Große Verkehrsschilder warnten uns davor, dass "exceeding speed limits against the law" seien und die höchste Strafe für "speeding" und zwar für 50 km/h über der erlaubten Geschwindigkeitsbeschränkung einen Betrag von 10.000 CAD zur Folge habe. Da dies definitiv unser diesjähriges und auch das Reisebudget für die nächsten Jahre überschreiten würde, planten wir, uns doch an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten, auch wenn wir sehr oft von rasenden Kanadiern überholt wurden und unser Fuß auf dem Gaspedal jedes Mal ein wenig zuckte. Im übrigen waren die Verkehrsschilder in Ontario wieder in Englisch geschrieben, mit französischen Unterschriften und auch die Leute sprachen wieder Englisch. Man kann aber darauf bestehen, mit Beschäftigten in Geschäften und Institutionen französisch zu sprechen, wie uns Nasser später erzählte. Dies sei gesetzlich geregelt und könne zu Beschwerden führen, wenn man sich nicht daran halte. Daher müssen alle Beschäftigen in Unternehmen zumindest rudimentär Französisch sprechen können und alle Schilder und Hinweise sind immer in Englisch und Französisch geschrieben. Nach ca. 2 Stunden und 200 km Fahrt kamen wir in Ottawa an. Es war Samstag und die Geschäfte waren geöffnet, so dass ich hoffte, hier nun Blumen für Yvonne zu finden. Das Wohnviertel von Nasser und seiner Familie befand sich nicht direkt in der Stadt, sondern ein wenig außerhalb. Daher fanden wir auch nur einen Supermarkt in der Nähe, der ein paar Rosen- und Sonnenblumenstöckchen im Angebot hatte. Oh Mann, das war wirklich nicht, was ich wollte, aber nachdem mir auch kein Angestellter einen Blumenladen in der Nähe nennen konnte, kauften wir ein Sonnenblumenstöckchen. Eigentlich wollten wir auch noch ein paar Pralinen kaufen, aber auch diese gab es hier nicht. Etwas unglücklich mit dem Stöckchen fuhren wir dann in Richtung Nassers Adresse. Plötzlich sah ich auf dem Weg ein Schild "Flowers" und entdeckte einen Blumenladen. Wir machten also noch einen kurzen Zwischenstopp und ich konnte einen sehr schönen Strauß frischer Lilien kaufen. Blumen sind hier tatsächlich recht teuer. Ich zahlte für 4 Lilienzweige 36 CAD. Ein kleines (wirklich mini) Orchideenstöckchen hätten sogar 45 CAD gekostet. Wahnsinn! Die Verkäuferin steckte die Lilien in einen Schwamm in einem kleinen Behältnis, so dass sie nicht austrocknen konnten. Das würde immer so gemacht, meinte sie auf meine Nachfrage. Super Idee, das könnte man in Deutschland auch einführen. Die "Verpackung" war allerdings für meinen Geschmack grässlich. Die Blumen wurden erst in eine Klarsichtfolie eingewickelt, was ja noch schön war. Dann aber wurde noch ein quietschbuntes Plastikfolie herumgewickelt und das Ganze mit einer knallblauen riesigen Schleife verziert. Aber egal, wenn das hier Standard war, würde sich Yvonne sicher freuen. Wir fuhren in eine hübsche Wohngegend, wo recht große Häuser standen. Fast alle Häuser sind hier im gleichen Stil gebaut, nämlich mit einer Art Holzvertäfelung als Außenverkleidung, die in unterschiedlichen Farben gestaltet ist. Auch die Dächer haben manchmal unterschiedliche Farben. Viele Dächer bestehen aus Wellblech oder Platten, aber jedenfalls nicht aus Ziegeln. Die Häuser hier werden auch nicht mit Steinen und Mauern gebaut, wie bei uns. Sie bestehen vielmehr aus Holzkonstruktionen, die außen mit Spanplatten, dazwischen einer Art minimaler Isolierung und im Innenbereich mit Regipswänden versehen werden. Daher können oftmals keine Bilder oder andere schwerere Gegenstände an den Wänden aufgehängt werden oder zumindest muss vorher ausgelotet werden wo ein Stützbalken eingebaut wurde. Diese werden in der Regel alle 60 Zentimeter gesetzt. An diesen werden i.d.R. Bilder oder sogar Küchenschränke montiert. Geheizt und gekühlt werden die Häuser in der Regel über eine zentrale Klimaanlage, die strombetrieben ist und eigentlich das ganze Jahr ununterbrochen läuft. Einzelne Räume lassen sich daher nicht unterschiedlich kühlen oder heizen. Es gibt in der Regel nur eine zentrale Temperatur. Strom scheint hier sehr billig zu sein. Dies sieht man auch an den riesigen Kühlschränken, die hier auch Standard und mit jedem Schnickschnack ausgestattet sind. Mittlerweile gibt es wohl auch Zentralheizungen mit Gas. Dies sei aber nicht der normale Standard, wie uns Nasser erzählte. Der Vorteil dieser Bauweise ist jedenfalls, dass ein Haus binnen weniger Monate fertig gestellt ist. Was uns auch aufgefallen war, war die Tatsache, dass die wenigsten Häuser um ihr Grundstück herum einen Zaun besaßen. Auf unsere Nachfrage sagte uns Nasser, dass es hier eigentlich keine Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Blättern auf dem anderen Grundstück oder zu hohen Bäumen oder zu nahen Hecken an der Grundstücksgrenze gebe. Sowas sei den Nachbarn wirklich egal. Unglaublich! Keine Nachbarschaftsstreits und Zäune in Deutschland - Utopie natürlich und für Deutsche unvorstellbar ;-)! Außerdem würde auch ganzen Gruppen von Anwälten die Existenzgrundlage entzogen, wenn es keine Nachbarschaftsklagen mehr gebe. Und was würden nur die vielen streitsüchtigen Nachbarn machen, wenn sich der andere Nachbar einfach nicht streiten wollte?! Wow, diese Form von Gelassenheit beeindruckte uns! Wir beschlossen, falls wir mal ein Grundstück besitzen sollten, es einfach nicht einzuzäunen. Revolution des fehlenden Gartenzauns! Vielleicht sollte man eine neue Partei gründen? Die "AGD" - "Anti-Gartenzaun Partei Deutschlands"! Wir würden das System revolutionieren...und hätten wahrscheinlich gleich eine Klage am Hals wegen fehlendem Zaun :-)! Nun gut, so viel zu unseren Revoluzzerträumen! Der Empfang von Nasser und seiner Familie war sehr herzlich. Wir freuten uns sehr, sie alle wiederzusehen. Nasser hatten wir auf unserer Weltreise in Patagonien und seine Frau und Kinder letztes Jahr in Haarlem, Holland, kennengelernt. Wir freuten uns auch über die Gastfreundschaft, uns gleich zu sich nach Hause einzuladen. Yvonne freute sich über beide Blumen und Nasser über den Rotwein und Champagner. Wir waren erleichtert. Nasser zeigte uns das Haus, das sehr groß und hell war, da es innen sehr offen und mit großen Fenstern gebaut war. Unser Gästezimmer mit Bad ensuite war im Keller, der zu einem vollständigen Wohnbereich mit Kinoleinwand ausgebaut war. Wir setzten uns bei herrlichem Wetter in den Garten und tranken Kaffee, aßen leckeren Zitronenkuchen und erzählten von unserer Reise und allem, was so im letzten Jahr passiert war. Gegen Abend machten wir ein Barbecue, was hier in Kanada, wie bei uns auch, sehr beliebt ist und auch im Winter ständig stattfindet. Gegrillt wir hier meistens auf riesigen Gasgrills. Das Essen bestand aus einer Art Chicken Satee und war sehr lecker. Nach dem Essen zeigten uns Yvonne und Nasser die Innenstadt von Ottawa. Wir spazierten zum Parliament Hill hoch, wo wir uns mit Hunderten anderer Menschen ins Gras setzten und zuerst eine halbe Stunde lang dem hinter dem Parlamentsgebäude stattfindenden Feuerwerk zuschauten. Yvonne erzählte, dass es das Abschlussfeuerwerk eines internationalen Feuerwerkwettbewerbs sei, das hier stattfinde. Es war sehr schön und wir machten hunderte von Fotos. Danach sahen wir dann eine unglaublich beeindruckende Lightshow, die die Geschichte Kanadas erzählte und auf das Parlamentsgebäude projeziert wurde. Kanadas Geschichte ist tatsächlich recht jung, das es das Land offiziell erst seit 1867 gibt und einige Provinzen Kanadas sogar teilweise erst in den 1990er Jahren als Provinzen bzw. Bundesstaaten dem Staat Kanada beigetreten sind. Es war ein wunderschöner Abend. Es war warm, der Himmel war sternenklar und wir waren überwältigt von der Show. Danach gingen wir durch ein schönes Kneipenviertel zu einem Markt, wo wir das zweite kulinarische kanadische Highlight kennenlernten: Bieberschwänze ("biever tails"). Ja, richtig gelesen, wir aßen einen Bieberschwanz, den wir uns vorsichtshalber teilten. Er war köstlich und seit diesem Abend sind wir beide dieser Köstlichkeit verfallen! Also ein "biever tail" besteht aus recht viel Knorpel...nein, Quatsch :-))! Ein biever tail ist ein ovaler frittierter Teigfladen, der mit verschiedenen süßen Zutaten belegt wird. Unser Favorit ist die Nr. 8 der Karte, die überall gleich ist, da es sich um ein Franchisingkonzept handelt. Nr. 8 besteht aus einem Belag aus Nutella und Bananenscheiben, mmmhhhh sooo lecker!! Natürlich mal wieder ein absoluter Figurkiller, aber wir sind ja im Urlaub! Als wir wieder zuhause waren, quatschten wir noch ein bisschen, bevor wir alle ins Bett gingen. Allerdings fror ich in unserem Zimmer so sehr (ich hasse Klimaanlagen, auch im Sommer, und ich liebe Wärme...wie alle wissen, die mich kennen ;-)), dass ich noch einen Fleecepullover und einen Schal anziehen musste, da ich sonst kein Auge hätte zumachen können. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich mit Nasser wandern gehen, aber leider regnete es und war etwas kalt geworden. Also schlug Nasser vor, Yvonnes Eltern Dirk und Tineke zu besuchen, die auf der Quebec Seite des Ottawa Flusses in einem kleinen Haus am See lebten. Yvonnes Eltern sind vor acht Jahren nach Dirks Pensionierung von Holland nach Kanada ausgewandert, fliegen aber zwei Mal im Jahr in die Heimat, um dort Yvonnes Bruder und seine Familie zu besuchen. Yvonnes Vater hatte als Ingenieur für Nestle gearbeitet und war schon in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Er und Tineke sind sehr reiselustig und unternehmen immer noch regelmäßig weite Reisen. Dirk war sogar vor einigen Jahren gemeinsam mit Nasser zum Base Camp des Mount Everest aufgestiegen. Beide begrüßten uns sehr herzlich und wir tranken in dem wunderschönen Haus, das in einem kleinen Ort steht, Kaffee und aßen Kuchen. Das Haus steht auf einem wunderschönen großen Grundstück, das unmittelbar an den Fluss grenzt. Durch die vielen großen Fenster hat man einen atemberaubenden Blick auf das Wasser. Ein eigener kleiner Steg gehört auch dazu, so dass sie dort im Sommer ihr kleines Motorboot anlegen können. Zwischen dem Steg und dem Garten haben beide sogar schon Bären gesehen. Das Haus selbst ist bestückt mit verschiedenen wunderschönen Möbeln und anderen Mitbringseln von fernen Ländern. Wir unterhielten uns eine ganze Zeit lang in Englisch, Deutsch und Holländisch über Reisen, unsere Berufe und alles Mögliche. Danach fuhren wir mit Nasser zum historischen Museum in Ottawa und schauten uns die dortigen Ausstellungen einmal über Napoleon Bonaparte und über die Ureinwohner Kanadas an. Hier Napoleons Hut: Die Ureinwohner, die auch Aboriginis, wie in Australien, genannt werden, haben ähnliche Kunstwerke und Symbole wie die Maori und die Aboriginis. Viele große Totempfähle, die uns wiederum an die Tikis in Polynesien erinnerten, waren ausgestellt und sind im übrigen in ganz Kanada zu finden. Beeindruckend war auch, dass die Ureinwohner wohl Tiere besonders respektierten, auch wenn sie sie natürlich zum Überleben jagen mussten. Sie glaubten z. B., dass Fische eine Seele haben und versuchten daher, sie möglichst schmerzfrei und schnell zu töten. Als wir wieder zu Hause ankamen, hatte Yvonne schon alles für das abendliche Barbecue vorbereitet. Dieses Mal kamen auch Dirk und Tineke und ein befreundetes Paar (Dana und Mike, war für uns Dani und Michael leicht zu merken) mit ihren Kindern zum Barbecue. Ich spielte mit den Männern eine Runde Billiard, bevor wir beim Quatschen und Bier trinken hängen blieben. Nasser grillte vorzügliche Lachssteaks und Hähnchenkeulen, Yvonne ergänzte das Essen mit leckeren Salaten und Dessert. Es war ein sehr lustiger Abend, an dem wir uns mit allen über die Unterschiede zwischen dem kanadischen und deutschen Leben und Arbeiten und natürlich übers Reisen unterhielten. Es war total interessant zu hören, wie man in Kanada lebt und arbeitet. Die Arbeitsbedingungen sind etwas anders als bei uns. In Kanada wird man üblicherweise auf Stundenbasis bezahlt und erhält den Lohn im Zwei-Wochen-Rhythmus. Ein festes Jahresgehalt wie bei uns gibt es üblicherweise nicht. Die Arbeitszeiten liegen täglich oft bei 10 bis 12 Stunden. Mittagspausen gibt es offiziell keine.Wenn man kurz Zeit hat, schiebt man sich schnell etwas Essbares in den Mund, dann geht es weiter. Oft hat man aber auch gar keine Zeit für einen kurzen Lunch. Der Jahresurlaub liegt bei Berufsstart in der Regel bei zwei Wochen und kann dann je nach Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen oder der Berufserfahrung auf bis zu sechs Wochen pro Jahr steigen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hat jedoch drei Wochen Urlaub pro Jahr. Daneben gibt es noch ein paar Feiertage und einen "Familientag". Für Krankheiten hat man auch noch eine bestimmte Anzahl an Tagen, die man nur hierfür nutzen kann. Krankenversicherungen, -kosten und Medikamente werden vom Staat bezahlt. Für Sonderbehandlungen oder bestimmte private Medikamente muss man selbst zahlen. Also alles in allem kein Honigschlecken was das Arbeiten in Kanada betrifft. Dafür sind die sonstigen Lebensbedingungen ganz gut. Am Wochenende ist man schnell zum Skifahren in den umliegenden Bergen und im Sommer an Seen und Flüssen. Im Winter herrschen zwar bis zu minus 20 Grad, dafür gibt es keinen Regen, sondern tatsächlich fast nur blauen Himmel, Sonne und natürlich ganz viel Schnee - ist das nicht wunderbar?! Für blauen Himmel und Sonne im Winter würde ich sogar tiefste Minusgrade in Kauf nehmen. Und in Ottawa ist der Fluss in der Stadt über eine Strecke von fast 7 km komplett zugefroren, so dass die Leute auf dem Fluss Schlittschuh laufen können. Am Flussufer wärmen sich die Menschen an verschiedenen Ständen mit warmen Getränken und Speisen. Das würden wir gerne mal erleben! Aber auch im Sommer ist es schön, nämlich meistens über Monate beständig warm und trocken. Und der Indian Summer schafft dann einen gleitenden Übergang vom Sommer zum Herbst und Winter, da es tagsüber schön warm und abends kühler ist und sich das Laub bunt verfärbt. Klingt alles richtig toll! Ein weiteres Highlight des Abends war eine kurze Darbietung von Yasin, Nassers und Yvonnes ältestem Sohn. Er ist sehr begabt im Wiederherstellen des Zauberwürfels. Er hat sogar an Wettbewerben in den USA teilgenommen und konnte den Würfel in unter 9 Sekunden von komplettem Chaos in eine korrekte Anordnung der Farben auf allen Seiten bringen. Unglaublich! Nachdem alle Gäste gegangen waren, ließen wir den Abend noch mit Nasser, Yvonne und Karim, dem jüngsten Sohn, ausklingen, bevor wir uns von Yvonne verabschiedeten, da sie am nächsten Morgen schon um 7 Uhr zur Arbeit gehen würde. Am nächsten Morgen frühstückten wir noch gemütlich mit Nasser und machten uns dann gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Toronto. Vor uns lag eine Strecke von ca. 460 km, auf der es noch ein paar Sehenswürdigkeiten geben sollt, wie z. B. die 1000 Islands. Wir verabschiedeten uns herzlich von Nasser und bedankten uns für das wundervolle Wochenende, das wir mit ihm und seiner Familie erleben durften. Es war sehr schön gewesen, einmal einen kurzen Einblick in ein typisches kanadisches Familienleben zu erhaschen. Wir hoffen, sie bald wiederzusehen... Mehr Bilder in unserer Galerie...

2 Gedanken zu „Ottawa: Besuch bei Freunden

  1. Schneider Isolde

    Das ist ja Wahnsinn. Die Arbeitsbedingungen in Kanada sind echt streng.
    Es war sehr interessant das alles zu lesen. Man hat ganz andere Vorstellungen von einem Land. Gut gemacht. Das nenne ich Land und Leute kennen lernen. Super.
    Das Familienfoto zeigt einen harmonischen Moment. Sehr schön.
    Wünsche euch, dass die Fahrt auch gut verläuft. Bis bald meine Lieben.

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  2. ingrid und manfred wagner

    Hallo liebe Dani, lieber Michael
    das sind ja unglaubliche schöne Begegnungen und Erlebnisse von denen Ihr uns berichtet. Ich bin etwas gerührt über Eure tollen Erfahrungen und es scheint ja noch Länder zu geben, in denen die Menschen zusammen halten und sich nicht gegenseitig bekämpfen egal auf welche Art und Weise. Und Ihr beide seht total entspannt und glücklich aus, auch wenn Ihr Euch einigen Streß macht der aber durchaus positiv ist.
    Eine unglaubliche Reise. Noch viele schöne Tage wünschen wir Euch von ganzem Herzen
    Eure Ingrid und Manfred

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