Toronto: Ein weiteres Wiedersehen

Die Fahrt nach Toronto dauerte gar nicht so lange, wie wir ursprünglich befürchtet hatten, da wir die meiste Zeit auf dem Highway fahren konnten. Wir fuhren lediglich kurz vor Kingston ab, um uns die "1000 Islands" anzusehen, eine Inselgruppe von vielen kleinen, teilweise bewohnten Inseln, die man nur mit einer Fähre erreichen kann. Aus Zeitgründen schauten wir uns eine der Inseln nur aus der Ferne an und bewunderten die ganzen kleinen Cottages, die jeweils einen wunderschönen Blick auf den See und die Inseln hatten. In Kingston machten wir eine kleine Mittagspause, bevor es wieder zurück auf den Highway Richtung Toronto ging. Wir kamen gegen 17 Uhr in Toronto an und checkten in unser Holiday Inn Express Hotel auf der Lombard Street ein. Unser Nichtraucherzimmer stank nach Rauch, aber wir wollten erst mal in die Stadt gehen, bevor wir eventuell einen Zimmerwechsel vornahmen. Mit einem virtuellen und einem normalen Stadtplan bewaffnet liefen wir in Richtung Hafen und Fährenterminals. Da wir nur zwei Übernachtungen in Toronto hatten, wollten wir so viel wie möglich unternehmen und planten daher für den Abend eine Sunset Cruise mit einem Schiff vorbei an der Skyline von Toronto. Als erstes fiel uns an der wunderschönen Promenade am Hafen mit einem grandiosen Blick auf die gegenüber liegende Centre Island eine große Ansammlung von Menschen auf, die statt den wundervollen Blick zu genießen, gebannt auf ihr Handy starrten - aha, wir waren mitten in einer Pokemon Jagdarea gelandet. Schnell weiter! Am Schiffsterminal kauften wir unsere Fahrkarten und überbrückten die Wartezeit mit Fotos vom CN Tower, der genau vor uns zwischen zwei Wolkenkratzern empor ragte und natürlich einem biever tail Nr. 8 :-). Gegen 20 Uhr konnten wir endlich aufs Schiff. Wir wurden von einer jungen Kapitänin über den Ontario See geschippert und erhielten von ihrem Co-Kapitän interessante Erläuterungen über die Stadt. Auf dem Centre Island direkt gegenüber von Toronto liegt der kleinste Flughafen der Welt, auf dem nur Propellerflugzeuge und ganz kleine Jets landen können. Vor einigen Jahren gab es tatsächlich einen Zusammenstoß mit einem Militärflugzeug und einer Fähre. Das Flugzeug sank auf den Grund des Sees, wo es noch heute liegt. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Stadt Toronto hat ca. 2,5 Mio. Einwohner und hieß ganz früher "York". In Toronto selbst gibt es einen Yachthafen, in dem die monatliche (!) Mitgliedschaft 30.000 CAD kostet! Auf der Insel Centre Island gibt auch mehrere Marinas. In einer dieser Marinas liegen einige Hausboote, die ihren Eignern als ganzjährige Unterkunft dienen. Diese Schiffe verfügen über einen sog. Bubbler, der im Winter das Wasser um das Boot herum mit warmen Luftblasen eisfrei hält, so dass das Schiff nicht zu Schaden kommt. Das sog. billigste Hotel der Stadt ist eine Anlegerzone auf der Centre Island, wo der Liegeplatz mit Strom und Frischwasser nur ca. 8 CAD pro Nacht kostet - allerdings braucht man dafür natürlich ein Schiff! Die Bootstour war wunderschön! Langsam ging die Sonne unter und der Himmel färbte sich in den verschiedenen rosa, orange und violett Farben und leuchtete die Skyline der Stadt an. Als es später dunkel wurde, wurde die Stadt von den vielen Lichtern in den Wolkenkratzern erleuchtet. Es sah atemberaubend aus und wir konnten nicht aufhören, Fotos zu schießen und den Anblick zu genießen. Nach der Tour fuhren wir mit dem Taxi zurück ins Hotel, zogen uns um und marschierten wieder los, um ein Restaurant zu finden. Der Typ and der Rezeption hatte uns die Wellington Street empfohlen, dort seien viele Restaurants. Da wir um ca. 21.30 Uhr aber wohl für kanadische Verhältnisse zu spät dran waren (die Küchen der Restaurants schließen oft um 21.30 Uhr), landeten wir in einem Irish Pub, in dem die Küche noch geöffnet war und aßen dort. Was Spanier hier wohl machen?! Aber bisher sahen wir auch wenig Spanier in Kanada. Dafür gibt es Unmengen an deutschen Touristen. Ständig waren im Hotel morgens beim Frühstück oder auch abends in beliebigen Restaurants Deutsche um uns herum. Wir scheinen ein sehr reiselustiges Völkchen zu sein, das außer Mallorca wohl auch gerne ferne Länder besucht. Schon auf unserer Weltreise trafen wir unheimlich viele Deutsche in Neuseeland und Australien. Als wir später ins Hotel zurück kamen, herrschte im Nachbarzimmer ein übler und vor allem extrem lauter Streit zwischen einem Paar. Zusammen mit dem Geruch im Zimmer war das nicht auszuhalten. Also fragten wir an der Rezeption nach einem neuen Zimmer und zogen schließlich vom 10. in den 3. Stock um, was letztlich keine bessere Wahl war, da wir nun den Verkehr mehr als deutlich hörten. Also hieß es für mich wieder, die Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren zu drücken. Michael konnte wie immer super schlafen. Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour zu den Niagara Fällen gebucht. Für ca. 75 CAD pro Person hatten wir einen traumhaften Tag. Wir fuhren ca. 1,5 Stunden bis wir an einem Weingut in dem Ort Niagara on the Lake ankamen und dort ein Weintasting hatten. Interessanterweise probierten wir neben einem weißen Eiswein auch einen roten bzw. rosé Eiswein. Ich wusste bisher gar nicht, dass es einen rosé Eiswein gibt. Er schmeckte interessant, aber Eiswein gehört generell nicht zu unseren Lieblingsweinen. Anschließend fuhren wir in den Ort Niagara on the Lake hinein und hatten dort eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Zeit reichte gerade, um die hübschen, mit sehr vielen bunten Blumen geschmückten Straßen des kleinen bezaubernden Ortes entlang zu laufen und sich die hübschen Häuser und kleinen Geschäfte anzuschauen. Danach zeigte uns unsere Fahrerin noch ein paar wundervolle Straßen und Wohngegenden in dem Ort, die teilweise direkt an dem unglaublich riesigen Ontario See liegen und den Bewohnern einen traumhaften Blick auf den See bieten. Weiter ging es durch den Niagara National Park vorbei an einigen Weingütern bis wir schließlich an den Niagara Fällen ankamen und uns kurz danach schon mit lustigen pinkfarbenen Regenponchos ausgestattet auf dem Schiff befanden, das bis kurz vor die Wasserfälle fuhr. Die Tour dauert etwa 15 bis 20 Minuten und den größten Teil verbringt man in den Nebel- und Wasserschwaden der Wasserfälle auf der kanadischen Seite. Die Wasserfälle liegen zu einem Teil auf der amerikanischen Seite und zu einem anderen Teil in Kanada. Hier die Amerikanische Seite: Und die Kanadische: Und beide zusammen: Kurz vor den Wasserfällen stoppte das Boot und wir befanden uns ca. 10 Minuten in dichtem Wassernebel, so dass Gesicht und die Haare komplett nass waren, als wir zurückkehrten. Auch unsere wasserdichte Kamera war binnen Sekunden wieder mit Wasser bedeckt, so dass es wirklich schwierig war, ein vernünftiges Foto zu machen. Aber es war sehr lustig. Danach vertrödelten wir die Zeit noch an der Promenade neben den Wasserfällen, wo wir noch einige Fotos machten, und gingen danach in die Stadt Niagara Falls. Michael hatte mir vorher schon erzählt, dass es dort wie in Las Vegas aussähe, aber wirklich glauben konnte ich es erst, als ich es tatsächlich selbst sah. Dies war ein extremer Kontrast zu den schönen Wasserfällen. Spielhöllen, Leuchtreklamen, Vergnügungsparks und Geisterbahnen nebeneinander, gespickt von etlichen Fastfood Ketten. Naja, wer's mag...wir jedenfalls nicht. Dazu aßen wir auch noch bei einem ziemlich schlechten Inder, was das Bild leider nach unten hin abrundete. Aber der Tag an sich war traumhaft gewesen, so dass das in den Hintergrund trat. Zum Abschluss tranken wir noch ein Niagara Bier, das tatsächlich so heißt, da es dort gebraut wird. Überhaupt ist Kanada ein tolles Land für Bierliebhaber wie uns, da fast jeder Ort und jedes kleine Kaff eine eigene Brauerei, sog. micro breweries, besitzt. Herrlich! Und das Bier ist fast überall echt lecker! Michael ist verliebt in sein IPA (extrem hopfig und bitter) und ich trinke immer ein helles Lager oder Pilsener - also für jeden was dabei :-)! Und natürlich ein weiterer Figurkiller...liebe Heike, liebe Dominique, wenn ihr das lest, könnt ihr mir schon mal eine Rampe bauen, damit ich in mein Büro rollen kann :-))!!! Am nächsten Tag hatten wir uns mit Karen verabredet, die wir ebenfalls wie Nasser auf unserer Patagonien Tour kennengelernt hatten und die in Toronto lebt. Wir freuten uns darauf, auch sie nach so langer Zeit wiederzusehen. Wir hatten uns für den frühen Nachmittag an dem Fährterminal verabredet, um uns gemeinsam auf Fahrrädern die Centre Island auf der anderen Seite von Toronto anzusehen. Vorher versandten wir aber noch zwei Päckchen mit überflüssiger Kleidung. Es vergeht einfach keine Reise, auf der wir nicht irgendwelchen Kram nach Hause schicken müssen, da wir mal wieder zu viel mitgenommen haben und neue Errungenschaften den Platz in den Rucksäcken benötigen. Als wir wieder einigen Ballast losgeworden waren, dachte ich mir, dass man diesen neuen Platz doch gleich wieder mit etwas füllen könnte ;-). Also schauten wir uns die große Shopping Mall an, die direkt in der Stadt gelegen ist. Danach leihten wir uns zwei von den in der Stadt überall angebotenen Leihfahrrädern aus (auch hier kann man bequem mit Kreditkarte zahlen, wie eigentlich überall) und radelten quer durch Toronto Downtown, das durch die vielen Wolkenkratzern und edlen Bürogebäude besticht, bis zum Fährterminal, wo wir gleich auch Karen trafen. Wir nahmen die nächste Fähre und setzten auf dem Centre Island über, die wir mit unseren Rädern erkundeten. Es war ein toller sonniger Tag, so dass wir uns auch die ganzen Strände anschauen und auch in den Ontario See hüpfen konnten. Der See ist so groß, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen kann und man sich wie am Meer fühlt, nur dass man nach dem Baden kein Salz abduschen muss. Die Insel ist wunderschön und hat große schöne Strände, Bars, einen Vergnügungspark für Kinder, mehrere Marinas und ein hübsches Wohnviertel mit hübschen Häusern, die man für 99 Jahre pachten kann. Ein Erwerb ist nicht möglich und die Wartezeit beträgt jetzt schon mehr als zehn Jahre. Karen musste etwas früher weg, während wir noch etwas am Strand blieben. Irgendwann packten auch wir unsere Sachen und setzten mit der Fähre wieder zur City über. Wir radelten zurück ins Hotel und da wir kein Schloss für die Räder besaßen, nahmen wir sie kurzerhand mit in unser Zimmer. Ging nicht anders! Als wir umgezogen waren, radelten wir wieder Richtung Innenstadt. Wir wollten nun auf den CN Tower hoch und dort eventuell etwas essen, da wir mittlerweile am verhungern waren. Als wir dort ankamen, merkte ich zum einen, dass ich unterwegs meine Jacke verloren hatte (oh nein, nein, nein) und zum anderen war die Schlange am Eingang zum CN Tower so lang, dass wir sicherlich halb leblos vor Hunger am Boden gelegen hätten, wenn wir endlich an der Reihe gewesen wären. Also verzichteten wir zu Gunsten von baldigem Essen auf den CN Tower. Oh je, soweit war es schon gekommen...aber bei Hunger verstehen wir beide GAR keinen Spaß! Da muss innerhalb kürzester Zeit Essen her, sonst gibt es Krieg! Also stellten wir unsere Räder am nächsten Verleihort ab und gingen zum nächsten ansprechenden Restaurant, wo wir einen gemütlichen Abend verbrachten und uns später noch mit Karen trafen, die ein paar Meter weiter im Roger Center bei einem Baseball Spiel gewesen war. Hätten wir das vorher gewusst, wären wir gerne mit gegangen. So ließen wir uns die Spielregeln und den Spielverlauf bei einem Drink erläutern. Nebenbei erwähnte Karen auch noch, dass ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt wohl die gefährlichere Gegend von Toronto beginnt. Ooohh!! Gut, dass wir uns bisher nicht verlaufen hatten. Das Hotel hätten wir aber auch trotzdem nicht mehr gebucht oder weiter empfohlen. Die Zimmer waren völlig abgenutzt, die anderen Gäste waren teilweise echt merkwürdig und für das tägliche Styroporfrühstück musste man in der Schlange stehen! Definitiv never again! Definitiv aber Toronto again! Die Stadt und die Möglichkeiten vor Ort haben uns sehr gut gefallen. Außerdem müssen wir natürlich noch auf den CN Tower..., d. h. wiederkommen ;-). Nun hieß es für uns aber erstmal auf zum nächsten Spot...let's fly to Vancouver, jippiii!! Wie immer gibt es noch mehr Bilder in der Toronto-Galerie 🙂

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