Vancouver

Nach einem nicht so ganz ruhigen, rund dreistündigen Flug kamen wir am frühen Nachmittag in Vancouver an und konnten wieder unsere Uhren um drei Stunden nach hinten stellen, wir hatten also wieder drei Stunden gewonnen, prima. Wir fuhren mit dem Zug, der in der Nähe des Terminals abfährt, in die Stadt bis zur Station "City Centre", von wo aus wir noch ca. 10 Minuten bis zu unserem Hotel Sandman liefen. Hier waren wir erfreulicherweise mal wieder in einem 4 Sterne Hotel untergebracht. Nach den letzten Motels und dem Desaster Hotel in Toronto freuten wir uns über so viel Luxus, über ein super bequemes Bett, ein modernes Bad und ein kleines, aber schickes Zimmer. Wir luden unsere Rucksäcke ab und machten uns gleich auf den Weg in die Stadt. Wir nahmen die U-Bahn bis zur Station "Waterfront" und genossen dort das herrliche sonnige Wetter und den phänomenalen Ausblick auf Berge, Meer und die ständig startenden Wasserflugzeuge. Wir aßen in einem Restaurant draußen im Freien und beobachteten die Wasserflugzeuge. Das Essen war hervorragend, wie bisher fast überall in Kanada. Vor allem Fisch kann man hier sehr gut und sehr frisch essen. Ich hatte eine Seafood Chowder mit Hummerstücken, Muscheln, verschiedenen Fischstücken und Scampi. Michael hatte einen super frischen Lachs, den man hier auch überall in fast gleich guter Qualität bekommt. Für Fischliebhaber ist Kanada in den Küstenregionen echt ein Highlight! Danach spazierten wir an der gesamten Waterfront entlang. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie schön es hier war. Zum einen verzauberte uns das Berge-Meer-Panorama, zum anderen befanden sich an der Waterfront sehr moderne, schicke Wolkenkratzer, Parks und Grünflächen, ein wunderschöner Yachthafen und nette Bistros und Restaurants. Man musste lediglich aufpassen, dass man vor lauter in-der-Gegend-herumschauen nicht gerade auf den Radweg spazierte und dort von einem militanten und rasenden Radfahrer umgefahren wurde - tags darauf gehörten wir dann übrigens auch zu diesen Rasern ;-). Wir machten etliche Fotos und waren von den Wasserflugzeugen so fasziniert, dass wir gleich einen Rundflug für den nächsten Tag buchten. Wir waren beide noch nie in einem Wasserflugzeug geflogen und wollten das unbedingt ausprobieren, also warum nicht, zumal es noch erschwinglich war?! Wir genossen weiterhin das schöne Wetter und machten uns irgendwann auf den Rückweg ins Hotel, wo wir lediglich noch ein paar Noriblätterchips (wusste gar nicht, dass es sowas gibt) und frisches mariniertes Thunfischtartar mit Avocado als Abendsnack aßen. Am nächsten Tag frühstückten wir im Hotel Restaurant. Das Frühstück ist normalerweise in den Hotels nicht inbegriffen und auch nicht alle Hotels haben ein Restaurant. Hier gab es aber eines und da das Frühstück nicht inbegriffen war, war es zwar teuer, aber dafür lecker. So, danach musste nun Bewegung her! Wir beschlossen, die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, da dies in Toronto schon so prima geklappt hatte. Aber hier in Vancouver musste man sich erst online einen Account anlegen, um ein Leihfarrad aus dem Schloss "auslösen" zu können. Das hatten wir nicht gewusst und da wir auch keinen Laden mit free wifi in der Nähe fanden, wo wir schnell einen Account hätten anlegen können, liehen wir uns zwei Räder in einem Fahrradshop aus. Wir radelten auf den überall in der Stadt vorhandenen und gut ausgeschilderten Radwegen erst zur Waterfront und von dort in den Stanley Park, der laut Wikipedia mit 404,9 Hektar der größte Stadtpark Kanadas und der drittgrößte Park Nordamerikas ist. Es war herrlich, in der Sonne zu radeln und den schönen Park zu genießen. Es führte ein Radweg um den ganzen Park herum und führte an Totempfählen, Leuchttürmen, unter Brücken und an verschiedenen kleineren Stränden vorbei. Am "third beach" hielten wir an und legten uns kurz in die Sonne, bevor wir weiter zum "second beach" und zum "sunset beach" fuhren. An einer Strandbar legten wir eine kurze Pause ein, bevor wir quer über den Hügel - Vancouver ist durchzogen von hügeligen Straßen und erinnert etwas an San Francisco - zur Waterfront und dem Wasserflughafen radelten. Dort angekommen, checkten wir unseren Flug ein und warteten auf den Abflug. Als Boardingkarte erhält man eine Plastikkarte, die man am Gate, einer vergitterten Tür an einem Bootssteg, der zu den Flugzeugen führt, einer netten Dame wieder in die Hand drückt. Wir wurden persönlich von unserem Piloten begrüßt und folgten ihm zum Flugzeug. Als wir in das Flugzeug einstiegen, trauten wir unseren Augen nicht, wie klein es tatsächlich im Innern war. Die Bank, auf der wir beide saßen, reichte gerade so für uns beide aus...ok, wir haben ein bisschen zugenommen, aber auch sehr schlanke Menschen hätten gerade so darauf gepasst. Außerdem kann man nur gebückt in dem Flugzeug gehen. Der Pilot verstaute im Heck unsere Taschen und setzte sich dann ans Steuer neben seinen Copiloten. Als Sicherheitseinweisung gab es ein kurzes Video auf einem iPad und dann ging es auch schon los. Der Start auf dem Wasser fühlte sich fast genauso wie ein normaler Start auf einer Startbahn an. Wir stiegen langsam auf und konnten das Panorama der Skyline Vancouvers genießen. Es war wunderschön. Erst flogen wir eine große Schleife über die Stadt und dann ging es in die Berge, wo wir an Berggipfeln vorbei und über grünen Seen hinüber flogen. Allerdings gab es hier in den Bergen einige Luftlöcher und unser kleines Flugzeug machte einen Satz nach dem anderen und wir wurden ein paar Mal richtig durchgeschüttelt. Ich krallte mich jedes Mal in die Vordersitze und schloss die Augen. Oh Mann, ich werde das Fliegen niemals wirklich mögen! Aber dennoch versuchte ich zwischendurch die Landschaft zu genießen und schoss viele Fotos, da es wirklich ein atemberaubender Ausblick war. Als wir nach 25 Minuten wieder Kurs auf die Stadt nahmen, war ich allerdings schon ein wenig erleichtert. Die Landung war leider auch nicht so anders, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gehofft, dass man die Wellen ein wenig mehr spürt, was aber nicht der Fall war. Dennoch war der gesamte Flug ein einmaliges Erlebnis, was ich wirklich nur empfehlen kann und jederzeit wieder machen würde - trotz Luftlöchern. Gleich nach der Landung fragte ich den Piloten, ob es immer so "bumpy" sei, woraufhin er herzlich lachte und mich fragte, ob das für mich schon "bumpy" gewesen sei. Ich nickte heftig. Daraufhin meinte er, dass ich mal im Winter mitfliegen solle, da würde ich dann schon sehen, was "bumpy" wirklich sei. Heute sei ein sehr ruhiger Flug gewesen. Ach du Schreck - merke: niemals im Winter in den Bergen mit einem kleinen Flugzeug fliegen! Nach unserem Flug brauchte ich erstmal ein Bier, um meine Nerven zu beruhigen. Danach schnappten wir uns wieder unsere Drahtesel und radelten Richtung Yachthafen, wo wir an luxuriösen Appartementhäusern und Yachten vorbei radelten. Um 20 Uhr gaben wir dann auf der anderen Seite des Hügels unsere Räder wieder ab und spazierten Richtung Hotel. In einer Seitenstraße fanden wir ein nettes Restaurant und Pub, wo wir zu Abend aßen. Woran man sich in Kanada echt gewöhnen muss, sind die Unmengen an Fernsehern, die es in allen Pubs gibt und auf denen vornehmlich Sportübertragungen wie Football und Baseball gezeigt werden. Man muss sich manchmal schon darauf konzentrieren, nicht ständig dorthin zu schauen. Was ich allerdings super finde, ist, dass man immer kostenlos Wasser bekommt, auch wenn es nur Leitungswasser ist. Wenn man mal keines bekommt, fragt man kurz danach und schon steht das Glas vor der Nase. Ähnlich wie beim morgendlichen Kaffee bekommt man soviel Wasser, wie man möchte. Am nächsten Tag beschlossen wir, die Stadt zu Fuß und mit U-Bahn zu erkunden. Aber zunächst steuerten wir die Shopping Mall in der City an, da ich in Toronto meine Jacke verloren hatte und nun eine neue Jacke brauchte. Wir wurden schließlich bei GAP fündig. Danach gönnte ich mir in einem Chinesen-Walk-In-Spa eine Pediküre. Während der 45minütigen Behandlung wurde ich auf einem Massagesitz schön weich geknetet. Herrlich! Danach spazierten wir in Richtung Gastown, einem bekannten und auch recht touristischen Stadtviertel in Vancouver, das vor allem aufgrund der berühmten dampfbetriebenen Standuhr, die zu jeder viertel Stunde laut hupt, jede Menge Besucher anlockt. Aber auch die schönen Straßencafés runden das gemütliche und einladende Bild dieses Viertels ab. Ein paar Straßen davor und dahinter findet man allerdings wahnsinnig viele arme und auf der Straße lebende Menschen. Manche von ihnen scheinen völlig verwirrt zu sein. In keiner anderen Stadt sind uns die Gegensätze von luxuriösen Appartements und Autos und offensichtlich sehr wohlhabenden Menschen und auf der anderen Seite völlig verwahrlosten und bettelarmen Menschen so krass aufgefallen wie in Vancouver. Man konnte gar nicht so viel Geld an allen Ecken geben, wie es hilfsbedürftige Menschen dort gab. Nach Gastown fuhren wir mit der U-Bahn in Richtung Yachthafen, von wo wir den Aquabus, ein kleines Zubringerboot, das zwischen der Insel Granville Island und der City hin- und herpendelt, nach Granville Island nahmen. Es ging vorbei an vielen Yachten, aber auch an hübschen Hausbooten, die hier in Vancouver wohl sehr beliebt sind. Dies sind richtige Häuser, die wie ein Schiff schwimmen. Total hübsch! Auf Granville Island angekommen besuchten wir den die große Markthalle, die wie ein riesiges Schlaraffenland aussah. Wir waren völlig geplättet ob der ganzen Stände, die Obst in skurrilen Formen inszeniert hatten, Fischspezialitäten wie in Ahornsirup marinierten geräucherten Lachs, zigfache erlesene Kaffeesorten, traumhafte Blumen, unglaubliche Pralinen und Backwaren und allerlei weitere bekannte und unbekannte Köstlichkeiten mehr anboten. Neben der Markthalle gab es auch noch viele kleine Boutiquen, Hutläden, Galerien und Fischhändler. Bei einem Fischhändler gab es 10 verschiedene Sorten an Austern. Unglaublich! Wir aßen schließlich in dem Restaurant "The Sandbar" frische Austern und frischen Fisch als Abendessen, und das zu vergleichsweise vernünftigen Preisen, obwohl jegliches Essen ansonsten in ganz Kanada bisher sehr teuer war. Normalerweise gaben wir abends, wenn wir nur je einen Burger ohne Vor- und Nachspeise aßen und jeder ein Bier trank, im Schnitt 60 CAD plus Tax und Tip aus. Was am Anfang für uns sehr missverständlich war, war die Tatsache, dass alle angegebenen Preise immer nur netto Preise sind. Erst zum Schluss kommt auf den Rechnungsbetrag noch die Steuer und das Trinkgeld von min. 15 % on Top. Nach dem Essen fuhren wir mit Aquabus und U-Bahn wieder zurück und liefen ins Hotel. Wir packten unsere Rucksäcke und machten uns startklar für den nächsten Tag, an dem es mit einem neuen Mietwagen in Richtung Tofino auf Vancouver Island gehen würde. Glücklicherweise verließen wir Vancouver, kurz bevor es hier wieder regnete, was in Vancouver wohl sehr, sehr häufig vorkommt. Insofern waren wir dankbar für zwei wundervolle sonnige Tage hier. Aber nun freuten wir uns schon wieder auf unser nächtes Ziel... Viele weitere Bilder zu Vancouver findet ihr in der Galerie 🙂

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