Archiv für den Tag: Dienstag, 23UTCTue, 23 Aug 2016 17:12:22 +0000 23. August 2016

Quebec

Am nächsten Morgen starten wir nach unserem ersten kanadischen Frühstück mit Schokocroissants, Kaffee und einem gesunden Smoothie in Richtung Quebec. Die Strecke führte uns auf einer Autobahn auf dem Chemin du Roy vorbei an Wäldern, Wiesen mit viel Schilf und hübschen Blumen, lustigen neuen Straßenschildern wie "Achtung Elche", diversen Wendemöglichkeiten auf der Autobahn und irrsinnigen Gefährten ("Schatz, guck mal, da zieht ein Wohnmobil ein Auto hinter sich her! - Was? Kann nicht sein...Ach, tatsächlich!"). Etwas gewöhnungsbedürfig war unsere Reisegeschwindigkeit mit maximal 110 km/h auf der Autobahn! Und hierbei überschritten wir schon die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Wir benötigten daher für die Strecke von 255 km ca. 4 Stunden. In Quebec angekommen fanden wir uns in einem netten Motel "Le Chateauguay" wieder, obwohl der Name mehr versprach, als dahinter steckte ;-). Leider befand sich unser "Chateau" etwas außerhalb von Quebec, weshalb wir mit dem Auto in die Stadt fahren mussten. Als wir eincheckten, freuten wir uns, dass wir sogar ein continental breakfast für nur 2 Dollar pro Person bekamen. Wir waren begeistert, wie günstig das war, immerhin waren das umgerechnet nur ca. 1,40 EUR pro Person. Wir entluden unser Auto und machten uns gleich auf den Weg in die Altstadt von Quebec. Im Parkhaus zahlt man 20 Dollar für ein Tagesticket, was nicht ganz billig ist. Aber der öffentliche Nahverkehr fährt nicht immer in die gewünschte Richtung. Daher ist das Auto hier das Transportmittel erster Wahl. Die Altstadt von Quebec war sehr schön, auch wenn unsere Fotos am ersten Tag nicht so spektakulär wurden, da das Wetter immer noch grau in grau war. Die Innenstadt sieht fast wie in einer alten gut erhaltenen europäischen Stadt aus mit vielen hübschen alten Häusern, kleinen Gassen, Kopfsteinpflaster, alten Mauern und kleinen Geschäften. Der untere Bereich der Altstadt ist über einige Stufen zu erreichen und erstreckt sich bis zum Hafen. Was uns allerdings nicht gefallen hat, war der immense Andrang an Touristen (ok, wir waren natürlich auch welche). Die Stadt war völlig überlaufen von Touristen aller Nationen, die in großen Bussen angekarrt wurden. In dem unteren Bereich der Altstadt fühlten wir uns teilweise an die Drosselgasse in Rüdesheim erinnert. Wir aßen Crepes und tranken Cidre und fühlten uns fast wie in Frankreich. Auch, weil überall Französisch gesprochen wurde. In Montreal konnten wir uns noch mit Englisch verständigen, aber hier ging ohne Französisch gar nichts! Allerdings war das trotz unserer Französischkenntnisse, die ich tatsächlich als gar nicht so schlecht beschreiben würde (jedenfalls in der Not), sehr schwierig, da Quebequois irgendwie ein ganz anderes Französisch ist. Die Aussprache ist ganz anders, mehr amerikanisch, es werden andere Wörter benutzt und englische Floskeln einfach ins Französische umgemünzt. So sagen die Kanadier üblicherweise nach einem "Dankeschön" "you are welcome". In Quebequois heißt es dann schlicht "bienvenue". Eigentlich logisch. Aber wenn man sein Essen erhält und "merci beaucoup" sagt und dann "willkommen/bienvenue" geheißen wird, ist das irgendwie merkwürdig! Abends aßen wir im Restaurant des Hyatt Hotels im 26. Stock. Das Restaurant drehte sich um 360 Grad und bot eine phänomenale Sicht auf Quebec. Allerdings war das Essen teuer und furchtbar. Nachts im Motel wurde uns dann bewusst, dass wir nicht in einem Chateau waren, sondern praktisch neben der Autobahn schliefen. Ich schob mir meine Ohrstöpsel bis zum Anschlag in die Ohren, auch auf die Gefahr hin, den Rest der Reise taub zu bleiben. Alles andere war unerträglich, außer für Michael, der auch neben einem startenden Jet schlafen kann - incroyable! Am nächsten Morgen freuten wir uns auf unser Frühstück. Den beißenden Chlorgeruch am Eingang des Frühstücksraums ignorierten wir einfach. Und dann eröffnete sich ein spektakuläres Frühstücksbuffet vor uns! Spektakulär aber mehr im Sinne von "wahnwitzig", "unfassbar", "noch nie sowas gesehen"! Wir hatten die Auswahl zwischen Toast, abgepackten Muffins, Cornflakes, gesalzener Butter, Marmelade und Honig. Alles schön in Plastik verpackt, Hauptsache nicht frisch. Der Kaffee schmeckte schon angebrannt und der Saft war auch nicht wirklich genießbar. Aber der Hammer war, dass es nur Styroporteller und -becher und Plastikbesteck gab. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was irgendwann in verzweifeltes und hysterisches Lachen überging. Wir fanden aber schließlich doch noch etwas zu essen und passten uns der Situation schnell an - wir sind ja schließlich Backpacker! Die schockt natürlich gar nichts! Der Abfall war auch schnell entsorgt, da wir alles nur in die daneben stehenden Mülleimer werfen mussten. Umweltschutz scheint in Kanada noch ein Fremdwort zu sein. Wir mochten uns gar nicht vorstellen, wie viel Müll allein in diesem Motel pro Jahr produziert wurde. Danach machten wir uns auf zu dem Montmorency Wasserfall, der zwar an sich schön anzusehen war, aber direkt an der Hauptstraße lag und natürlich auch wieder ziemlich überlaufen war. Dies lag aber auch daran, dass wir endlich tolles Wetter und strahlenden Sonnenschein genießen konnten. Der erste Tag mit Sommerfeeling und kurzen Klamotten, herrlich! Wir machten uns wieder auf in die Stadt, spazierten durch die Gassen und in den Abraham Park, wo wir die Sonne genossen. Abends aßen wir in einem urigen Restaurant, das typisches Quebequois Essen anbot, das sehr lecker war. Am nächsten Morgen hieß es dann nochmal "Styropor-Frühstück" und ab zur nächsten Station... Alles in allem war Quebec sehr hübsch, aber für uns etwas zu überlaufen.